Grand-Raid-BCVS – Der extreme Marathonklassiker für Mountainbiker

30.08.2021

Dieses Jahr ging der Klassiker in den Schweizer Alpen, der Grand-Raid-BCVS, bereits in die 31. Auflage. Boris Zerban ist am 21.8 für BIKE AID bei dem wahrscheinlich extremsten aller Eintagesrennen für Mountainbiker mit dabei gewesen. Von Verbier bis nach Grimentz auf einer Strecke über mehrere Pässe, die insgesamt 125 Kilometer und 5.000 Höhenmeter umfasst. Bereits diese Daten lassen vermuten, dass dieses Rennen eine große Herausforderung für alle Teilnehmer ist. Aber nicht nur die genannten Daten sind für den besonderen Ruf des Rennens verantwortlich; zudem macht die Streckenführung es zu einem wirklich außergewöhnlichen Erlebnis.

Der frühe Biker…

5:40 Uhr auf dem Zentralplatz in Verbier. Drei Alphörner blasen in der Morgendämmerung zum Weckruf. Einige Fahrer drehen bereits lockere Runden, um die Beine bis zum Start etwas warm zu bekommen. Glücklicherweise zeigt sich das Wetter von seiner besten spätsommerlichen Seite. Die Frühtemperaturen in Verbier betragen ca. 10 Grad Celsius. Die Sonne wird noch von den hohen umliegenden Bergen verdeckt.

Pünktlich um 6:30h fällt der Startschuss. Es geht ohne Umwege in die erste Steigung hinein. Viele Amateure lassen sich vom zügigen Tempo einiger namhaften Profis verleiten, die das große Teilnehmerfeld anführen. Den eigenen Rhythmus finden und die eigenen Kräfte über den langen Tag einteilen, ist vermutlich die klügere Vorgehensweise. Nach einer ca. 800 Höhenmeter langen Auffahrt, einer toll flowigen, jedoch noch sehr kühlen Abfahrt und weiteren etwas kürzeren Auf- und Abfahrten geht es nach Nendaz. Die ersten 1.000 Höhenmeter sind geschafft. Regelmäßiges Essen und Trinken entscheidet bereits in dieser Rennphase über das spätere Gelingen.

Von Höhenmeter zu Höhenmeter

Der nächste Abschnitt führt durch schöne Waldgebiete nach Hérémence. Auf den Abfahrten ist stets Vorsicht geboten. Immer wieder gibt es sehr steile und schnelle Passagen mit losen Steinen, bei denen man schnell einen Reifendefekt oder womöglich Sturz erleiden könnte. 2.000 Höhenmeter sind nun absolviert. Die Morgenkälte wurde zwischenzeitlich von der Sonne verdrängt. Nun beginnt der 1.000 Höhenmeter umfassende Anstieg zum Mandelon. Oben wartet ein anspruchsvoller Bergtrail mit fantastischem Panorama. Leider verlangt der Trail volle Aufmerksamkeit und lässt nicht viel Zeit für Blicke auf Matterhorn und andere Viertausender der Waliser Alpen. Steile Abfahrten, tiefe Furchen, loses Geröll, verblockte Stellen … Der Trail bietet alles! Immer wieder muss man kurz absteigen, um nicht fahrbare Hindernisse zu passieren. Das kostet Zeit und Kraft. Belohnt wird man mit einer langen und unproblematischen Abfahrt nach Evolène. Etwas mehr als 3.000 Höhenmeter hat man nun in den Beinen. Nochmal kurz gut verpflegen und dann geht es in den schier endlos erscheinenden nächsten Rennabschnitt hinauf auf ca. 2.800 Meter zum Pas de Lona. Auf der sonnenausgesetzten Strecke nimmt die gefühlte Temperatur nun von Kilometer zu Kilometer zu, anstatt wie erwartet aufgrund der zunehmenden Höhe ab. Nun zeigt sich, wer sich auf den ersten Abschnitten des Rennens gut verpflegt hat.

Endspurt

Nachdem ich mich auf dem Anstieg zum Mandelon noch ganz gut gefühlt habe, wurden meine Beine langsam spürbar müde. Motivierend haben nicht nur die anfeuernden Zuschauer gewirkt, sondern zugegeben auch jeder Fahrer, der auf einer kürzeren Distanz gestartet ist und von mir überholt werden konnte. Auf ca. 2.400 Metern Höhe wartet dann die legendäre mehr als 300 Höhenmeter umfassende Schiebepassage hinauf zum Pas de Lona auf die luftige Höhe von knapp 2.800 Meter üNN. Und dies, nachdem man bereits über 100 Kilometer und 4.500 Höhenmeter in den Beinen hat. An diesem Abschnitt ist der diesjährige Gesamtsieger Andreas Seewald, der früher auch als Bergläufer erfolgreich gewesen ist, seinen Konkurrenten förmlich zum Sieg davongelaufen. Mein Tempo ist gewiss etwas niedriger gewesen. Obgleich ich mit einer Zeit von ca. 38 Minuten noch zu den schnellsten 10 Prozent meiner Altersklasse gehörte. Nicht zuletzt diese Schiebepassage und die lange und zum Ende hin sehr technisch und steil werdende Schlussabfahrt machen das Rennen zum vermutlich härtesten Marathonrennen überhaupt.

Die Abfahrt nach Grimentz verlangt, alle verbleibenden Kräfte zu mobilisieren. Die Finger schmerzen vom ständigen harten Bremsen, die Arme schmerzen vom Festhalten am Lenker und die Beine schmerzen sowieso. Erleichtert, erschöpft und sehr glücklich bin ich nach einer Fahrzeit von 8:30.00,9h sturz- und defektfrei ins Ziel in Grimentz gekommen und konnte den 17. Platz von 136 Startern in der Altersklasse Masters 2 bei meinem Debüt auf einer solchen langen Strecke erreichen.

Der renommierte MTB-Fahrer Alban Lakata gewann die Altersklasse Masters 2 als siebtplatzierter der Langdistanz.

Der Beitrag wurde verfasst von: BIKE AID