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1. FC Saarbrücken Tischtennis – Zwischen Final-Four-Euphorie und Bundesliga-Dämpfer

Der 1. FC Saarbrücken Tischtennis erlebt eine Woche der Extreme: Am Freitagabend sichert sich der Titelverteidiger den erneuten Einzug ins Champions-League-Final-Four, zwei Tage später kassiert das Team in Düsseldorf eine schmerzhafte 2:3-Niederlage. Zwischen Triumph und Rückschlag zeigt sich, wie schmal der Grat im Spitzentischtennis ist – und wie ambitioniert die Saarländer in beiden Wettbewerben bleiben.

Der Weg führte von der Mosel zurück ins Saarland – und dann weiter an den Rhein. Binnen 48 Stunden durchlief der FCS ein Wechselbad der Gefühle, das sinnbildlich für diese Saison steht: international souverän, national im Dauerkampf mit der Spitze.

Final-Four-Ticket in Trier gelöst

Am Freitagabend wich der Titelverteidiger wegen Fastnacht von der Saarlandhalle in die Trierer Arena aus. 3400 Zuschauer, darunter viele chinesische Fans, sorgten für eine Atmosphäre, die eher an ein Heimspiel erinnerte als an einen Ausweichort. Und sportlich erfüllte der FCS die Pflicht.

Nach dem 3:0-Hinspielsieg in der Bretagne gegen GV Hennebont benötigten die Saarländer im Rückspiel lediglich zwei Einzelsiege, um das Ticket für das Finalturnier am 16. und 17. Mai in der Saarbrücker Saarlandhalle zu lösen. Am Ende stand ein 3:2-Erfolg – hart erarbeitet, zwischenzeitlich wackelig, letztlich aber verdient.

Den Auftakt bestritt Olympiasieger Fan Zhendong gegen seinen Landsmann Wen Ruibo. Fan dominierte die ersten beiden Sätze (11:8, 11:6), verlor im dritten Durchgang etwas den Rhythmus und führte im Vierten bereits 9:4. Doch Wen kämpfte sich zurück, wehrte bei 9:10 einen Matchball ab und erzwang mit 12:10 den Entscheidungssatz. Dort agierte Fan fahrig, unterlag 1:6 und verlor mit 2:3 Sätzen – seine vierte Niederlage im FCS-Trikot. Ein Dämpfer, der den Abend zunächst in eine andere Richtung zu drehen drohte.

Doch der schwedische Vize-Olympiasieger Truls Möregardh glich gegen Simon Gauzy aus. Nach einem umkämpften zweiten Satz, den er trotz dreier Satzbälle noch mit 11:13 abgeben musste, stabilisierte sich der Schwede und gewann schließlich 3:1. Es stand 1:1 – und die Tür zum Final Four wieder offen.

Darko Jorgic hatte es anschließend in der Hand, alles klarzumachen. Der Slowene, der den Verein im Sommer nach acht Jahren verlassen wird, begann gegen Vladimir Sidorenko stark, gewann die ersten beiden Sätze (11:7, 12:10), verlor den dritten, fing sich aber rechtzeitig. Mit 11:8 im vierten Durchgang sicherte er den 3:1-Erfolg – und damit den entscheidenden zweiten Sieg für Saarbrücken. Der Einzug ins Final Four war perfekt.

Im Halbfinale wartet das polnische Team von Bogoria Grodzisk Mazowiecki. Bereits im Vorjahr standen zwei polnische Teams im Final Four der Saarlandhalle – beide scheiterten im Halbfinale am FCS beziehungsweise an Borussia Düsseldorf. Die Blau-Schwarzen können nun zum vierten Mal in Folge – und zum dritten Mal in Serie in eigener Halle – die europäische Krone holen.

Düsseldorfer Comeback im Castello

Zwei Tage später dann die andere Bühne. Rund 3300 Zuschauer im ausverkauften Castello sahen das Spitzenspiel der TTBL zwischen Borussia Düsseldorf und dem FCS. Für die extra angereisten Fans von Fan Zhendong war die Partie ein Ereignis – Düsseldorf war erstmals seit über zehn Jahren ins größere Castello umgezogen.

Fan eröffnete den Abend an Position zwei gegen Kanak Jha. „Er hat nicht so frei gespielt und hatte nicht das Selbstvertrauen, wie man das von ihm kennt“, analysierte Dyn-Experte Timo Boll. Dennoch gewann der Chinese mit 3:1. „Für das Niveau, das er spielen kann, war es eine solide Leistung. Er hat nicht gezaubert, hat die Zuschauer nicht vom Hocker gerissen“, sagte Boll – und ergänzte: „Selbst in der Form ist er immer noch ein überragender Spieler.“

Patrick Franziska erhöhte nach vier Sätzen gegen Dang Qiu auf 2:0 für Saarbrücken. Der Weltranglistenzwölfte verlor zwar den dritten Satz deutlich mit 3:11, behielt insgesamt aber die Kontrolle. Zur Pause führte der FCS komfortabel – und alles schien auf einen Auswärtserfolg hinauszulaufen. Doch dann kippte das Spiel.

Anton Källberg besorgte mit einem klaren Dreisatzsieg gegen Cedric Meissner den Anschluss. „Es lief nicht so gut wie letztes Mal, da war es gegen Anton deutlich knapper“, ärgerte sich Meissner, der zudem von einer Krankheit berichtete, die ihn die gesamte Woche über geplagt habe. Anschließend bezwang Kanak Jha Franziska mit 3:1 – das Schlussdoppel musste entscheiden.

Dort standen Fan Zhendong und Meissner dem Düsseldorfer Duo Qiu/Källberg gegenüber. Die Rechts-Rechts-Kombination harmonierte von Beginn an. „Wir kennen uns trotzdem gut und hatten einen guten Plan“, erklärte Källberg. „Ceddy und Fan Zhendong haben wahrscheinlich auch noch nicht oft Doppel trainiert.“ Düsseldorf gewann 3:1 – und vollendete damit das Comeback nach 0:2-Rückstand.

„Wir haben zweimal in der Bundesliga gewonnen und auch in der Champions League. Eigentlich eine perfekte Woche für uns“, sagte Jha nach der Partie. Saarbrücken hingegen musste die Tabellenführung dem Rekordmeister überlassen und liegt mit 24 Punkten auf Rang drei, bleibt aber klar auf Play-off-Kurs.

Zwischen Titeltraum und Zukunftsfragen

Der Kontrast könnte größer kaum sein: Euphorie in Trier, Ernüchterung in Düsseldorf. Und doch sind beide Ergebnisse Teil einer übergeordneten Entwicklung. International präsentiert sich Saarbrücken weiterhin als Maßstab. National bleibt der Wettbewerb mit Düsseldorf ein Duell auf Augenhöhe.

Hinzu kommen personelle Perspektiven. Die Zukunft von Fan Zhendong in der TTBL ist offen. „Er sagt mir, dass es ihm sehr gut gefällt. Daher gehe ich davon aus, dass er in der TTBL bleibt“, verriet Boll. Cedric Meissner wird den Verein hingegen verlassen. „Sagen kann ich es noch nicht, es wird bald bekanntgegeben. Ich freue mich auf eine neue Herausforderung. Ich werde höchstwahrscheinlich deutlich mehr Spiele machen, als es in Saarbrücken der Fall war. Das ist wichtig für mich, dass ich mich als Spieler weiterentwickeln kann“, kündigte er an.

So steht der FCS in einer Phase des Übergangs – sportlich ambitioniert, strukturell im Wandel. Das Final Four im Mai bietet die Chance auf einen weiteren europäischen Höhepunkt in eigener Halle. Gleichzeitig bleibt die Bundesliga ein Härtetest, der jede kleine Schwäche bestraft.

Zwischen Titelanspruch und Realität liegen manchmal nur wenige Ballwechsel. In Trier reichten sie für den großen Schritt. In Düsseldorf entschieden sie zugunsten des Rivalen. Für Saarbrücken bleibt die Erkenntnis: Die Saison ist noch lang – und beide Titel sind weiterhin möglich.

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