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Bitteres Pokal-Aus für Elversberg im Olympiastadion

Die SV Elversberg unterliegt Hertha BSC mit 0:3 und scheidet in der zweiten Runde des DFB-Pokals aus – nach starkem Beginn bringen ein früher Rückstand, ein verweigerter Elfmeter und eine späte Rote Karte den Saarländern eine unglückliche, aber verdiente Niederlage ein.

Die Pokalreise der SV Elversberg ist beendet. Im traditionsreichen Berliner Olympiastadion musste sich der Tabellendritte der 2. Bundesliga am Dienstagabend Hertha BSC mit 0:3 (0:1) geschlagen geben. Nach einem furiosen Auftakt der Gäste entschieden die Berliner die Partie mit zunehmender Spieldauer verdient für sich – auch weil die SVE in einem entscheidenden Moment kein Glück hatte. Ein klarer Handelfmeter blieb in der ersten Halbzeit ungeahndet, ehe Hertha nach dem Seitenwechsel mit einer einstudierten Standardsituation alles klar machte. Damit verpasst die SVE erneut den Einzug in die dritte Pokalrunde – es wäre der erste der Vereinsgeschichte gewesen.

Die Begegnung begann aus Sicht der Elversberger so, wie man es sich im Vorfeld erhofft hatte. Mit Mut, Ballbesitz und präzisem Positionsspiel kontrollierte das Team von Trainer Vincent Wagner die Anfangsphase. Immer wieder suchten die Saarländer den schnellen Weg in die Tiefe, während Hertha zunächst auffällig tief stand und das Spiel der Gäste beobachtete. Berlin-Keeper Tjark Ernst, der ein sehr gutes Spiel machte, war mit dieser Defensivarbeit sehr zufrieden: „Wir waren von Anfang an sehr griffig“, sagte Ernst später. „Alle wissen, dass die letzten Spiele gegen Elversberg nicht gut von uns waren. Deshalb hatten wir uns viel vorgenommen. Heute ging es um Stolz und Ehre.“

Heute ging es um Stolz und Ehre.

Dieser Ansatz war spürbar: Hertha wollte den Makel von vier Niederlagen gegen Elversberg in Serie tilgen – und fand nach knapp einer Viertelstunde den passenden Moment. Nach einem Ballgewinn auf Höhe der Mittellinie spielte Diego Demme einen perfekt getimten Chipball in den Lauf von Michael Cuisance, der allein vor Nicolas Kristof eiskalt blieb und zum 1:0 traf (15.). Ein Treffer aus dem Nichts, der die Hertha auf Kurs brachte und die zuvor dominanten Gäste aus dem Rhythmus brachte.

Elversberg reagierte sofort, suchte über Ecken und Standards den Ausgleich. Eine dieser Szenen sorgte für Diskussionen: Eine Hereingabe von Zimmerschied wurde im Strafraum klar vom Arm Demmes abgefälscht. Referee Bauer ließ weiterspielen – und da der VAR im Pokal erst ab dem Achtelfinale zum Einsatz kommt, blieb die Fehlentscheidung ohne Korrektur. „Uns haben ein paar Zentimeter gefehlt. Wenn der eigentliche Handelfmeter nicht noch so überragend gehalten wird, steht es 1:1. So stand es 0:1. Danach spielt Hertha mit viel Dynamik auf ihre Kurve, dann wird es schwer. Sie haben verdient gewonnen“, sagte Trainer Vincent Wagner nach dem Spiel. Der Ärger über die Szene wirkte nach. Bis zur Pause blieb Hertha defensiv stabil, während Elversberg kaum mehr zu zwingenden Aktionen kam. Die Gastgeber beschränkten sich auf Umschaltmomente, doch sie gewannen zunehmend Zweikämpfe und Präsenz. Mit dem Pausenpfiff hatte sich das Spiel vollständig gedreht: Hertha kontrollierte nun Rhythmus und Tempo, während die SVE um Struktur rang. So fehleranfällig wie in Berlin trat die SVE in diesem Jahr selten bis nie auf.

Der nicht gegebene Handelfmeter war sicherlich ein wichtiger Faktor. Doch auch Diego Demme auf Seiten der Berliner machte den Unterschied. Der 33-Jährige war der Taktgeber der Berliner, mit den meisten Ballkontakten und einer Ruhe, die Herthas sonst hektischen Rhythmus dämpfte. „Wir hatten viel Ruhe im eigenen Ballbesitz. Das ist der Weg, wo wir hinwollen – aber wofür wir sicher noch die ein oder andere Woche brauchen werden“, erklärte Hertha-Coach Stefan Leitl, der nach dem Abpfiff von einem „hochverdienten Sieg“ sprach.

Nach Wiederbeginn knüpften die Berliner nahtlos an ihre erste Halbzeit an, auch weil der Mannschaft von Wagner die Leichtigkeit der vergangenen Wochen abging. Wieder war Demme der Ausgangspunkt, wieder entschied eine einstudierte Szene: Eine von Cuisance geschlagene Ecke verlängerte Marton Dardai am ersten Pfosten, Sebastian Grönning stand frei am zweiten und nickte zum 2:0 ein (58.). Die Entscheidung fiel quasi im Lehrbuchstil – eine Kombination, die Hertha bereits im Training mehrfach einstudiert hatte. Für Elversberg hingegen war es ein Rückschlag, von dem sich die Mannschaft nicht mehr erholte. Die Offensivaktionen verpufften, weil die Berliner mit viel Laufbereitschaft und Zweikampfhärte jeden Ansatz unterbanden. „Wir waren kompakt, haben dem Gegner kaum Möglichkeiten gegeben und waren selbst immer wieder gut in unserer Struktur“, lobte Leitl seine Mannschaft. „Die Jungs haben ein sehr gutes Spiel gemacht.“

Hertha nutzte den Schwung, spielte nun aus einem Guss und traf durch Cuisance später noch den Pfosten (78.). In dieser Phase stand die Berliner Mannschaft eng gestaffelt, ließ kaum noch Raum für Kombinationen und suchte immer wieder über die rechte Seite mit Fabian Reese und Krattenmacher den schnellen Weg nach vorn. Die SVE warf in der Schlussphase alles nach vorn, kam durch die eingewechselten Le Joncour und Schnellbacher noch zu Kopfballgelegenheiten, doch Ernst musste nicht eingreifen. Als Kapitän Lukas Pinckert in der Nachspielzeit nach einem Foul an Thorsteinsson die Rote Karte sah, war der Abend vollends gebraucht. Der Isländer verwandelte den folgenden Elfmeter sicher zum 3:0 (90.+4) und setzte den Schlusspunkt.

Für Hertha war es nicht nur das Weiterkommen, sondern auch der dritte Heimsieg in Folge – ein Signal an das eigene Publikum, das seit Langem auf einen Pokalerfolg im eigenen Stadion hofft – auch wenn es eher unwahrscheinlich daher kommt. „Das war heute eine sehr erwachsene Leistung“, sagte Tjark Ernst. „Wir marschieren gerade gemeinsam, das zeichnet uns aus.“

Am Ende stand für die SV Elversberg eine klare, wenn auch etwas zu deutliche Niederlage. Hertha war in den entscheidenden Momenten effizienter und physisch präsenter, doch die Saarländer hatten vor allem in der Anfangsphase gezeigt, warum sie in der Liga zu den stärksten Teams gehören.

Die Jungs sind so gut. Wenn wir bei uns bleiben, dann werden wir auch wieder Spiele gewinnen

blickte Wagner nach der zweiten Pflichtspielniederlage in Folge zuversichtlich nach vorn.

Dieses Ausscheiden aus dem Pokal bei einer wiedererstarkten Hertha ist keine Schande. Gleichzeitig war der Abend auch eine Mahnung, wie schmal der Grat zwischen Erfolg und Rückschlag im Profifußball ist. Die wenigen, aber entscheidenden Szenen – das nicht gegebene Handspiel, der Standard vor dem 0:2 – entschieden letztlich über das Weiterkommen. Hertha hatte in diesen Momenten das Glück und die Entschlossenheit auf ihrer Seite, während Elversberg an den Details scheiterte. Diese Details gilt es nun wieder auf seine Seite zu ziehen.

Nun gilt der Blick der Liga, wo die Englische Woche mit dem Heimspiel gegen Hannover 96 ihren Abschluss findet. Nach den Niederlagen in Bielefeld und Berlin will die Mannschaft dort wieder ein anderes Gesicht zeigen – und die intensive Woche zumindest noch versöhnlich beenden. Mit Hannover kommt da ein richtig dicker Brocken ins Saarland – zum Abschluss einer schwierigen englischen Woche sind vielleicht genau diese starken Hannoveraner der richtige Gegner – die perfekte Möglichkeit die Stimmung in der URSAPHARM-Arena wieder zu drehen.

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