Hugo Calderano hat bei seiner Premiere vor heimischem Publikum für den 1. FC Saarbrücken TT beide Einzel gewonnen und den Deutschen Meister zu einem 3:1 gegen den TSV Bad Königshofen geführt. Zwischen seinen beiden klaren Erfolgen lagen zwei Fünfsatzspiele, die zeigten, wie schnell der Abend auch eine andere Richtung hätte nehmen können. Saarbrücken geht nach zwei Niederlagen mit einem Sieg in die längere Ligapause.
Für die Zuschauer in der Joachim-Deckarm-Halle war Hugo Calderano lange nur aus der gegnerischen Hälfte des Tisches bekannt. Der Brasilianer hatte jahrelang für die TTF Liebherr Ochsenhausen gespielt und Saarbrücken als Gegner erlebt. Seit dieser Saison gehört er selbst zum FCS, doch seine ersten beiden Heimspiele im neuen Trikot hatte er verpasst. Am Freitagabend gegen den TSV Bad Königshofen stand er endlich an Position eins der Saarbrücker Aufstellung. Zweimal ging er an den Tisch, zweimal ließ er seinem Gegner keinen Satz. Sein Heimdebüt lieferte damit den Rahmen für einen 3:1-Erfolg, den der Deutsche Meister nach zwei Niederlagen in Folge gut gebrauchen konnte.
Calderano eröffnete die Begegnung gegen Andre Bertelsmeier. Der junge Deutsche, amtierender U21-Europameister, hielt im dritten Satz am längsten mit und führte zwischenzeitlich 7:4. In den entscheidenden Ballwechseln setzte sich aber Calderano durch. Er gewann 11:6, 11:5 und 11:9 und brachte Saarbrücken vor 390 Zuschauern in Führung. Es war ein Auftakt, der zur Erwartung an den prominentesten Neuzugang des FCS passte: Nach dem Wechsel von Fan Zhendong nach Düsseldorf soll Calderano eine der Spitzenpositionen im Team des Triple-Siegers besetzen. Die ersten beiden Sätze gegen Bertelsmeier ließen kaum Zweifel an seiner Überlegenheit; im dritten musste er einen Rückstand aufholen.
Bertelsmeier ordnete sein Einzel anschließend bei Dyn ein: „Wenn Hugo Calderano auf diesem Top-Top-Niveau spielt, dann war das heute eine Lehrstunde für mich.“ Bis Calderano ein zweites Mal an den Tisch ging, wurde es für Saarbrücken allerdings erheblich komplizierter, als sein Auftakt vermuten ließ.
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Wenn Hugo Calderano auf diesem Top-Top-Niveau spielt, dann war das heute eine Lehrstunde für mich.
– Andre Bertelsmeier
Im zweiten Spiel traf Eduard Ionescu auf Daniel Habesohn. Der Österreicher gewann den ersten Satz mit 11:7 und nach dem Ausgleich auch den dritten mit demselben Ergebnis. Ionescu musste also zweimal einem Satzrückstand hinterherlaufen. Er fand dennoch zurück, glich zunächst mit 11:6 aus und erzwang später mit einem 11:4 den Entscheidungssatz. Dort führte Habesohn 4:2. An dieser Stelle war ein Ausgleich im Mannschaftsspiel greifbar, zumal anschließend Patrick Franziska auf Bastian Steger treffen sollte – einen Gegner, der in dieser Saison bereits gezeigt hatte, dass er gegen starke Spieler bestehen kann.
Ionescu drehte den fünften Satz. Aus dem 2:4 machte er mit acht Punkten in Folge ein 10:4; wenig später stand das 11:5 und damit die 2:0-Führung für Saarbrücken fest. Das Ergebnis liest sich im Rückblick deutlich, die Begegnung am Tisch war es nicht.
Habesohn hatte den Rumänen über weite Strecken unter Druck gesetzt und stand nur wenige Ballwechsel davor, Bad Königshofen mit einem Punkt in die Pause zu schicken. Stattdessen mussten die Gäste einem 0:2 hinterherlaufen. Für den FCS war Ionescus Erfolg neben Calderanos beiden Siegen der notwendige dritte Baustein des Abends.
Nach der Pause bekam Bad Königshofen dennoch seine Chance, die Partie offen zu halten. Franziska war mit vier Einzelsiegen ohne Niederlage in die Begegnung gegangen. Steger nahm ihm diese Serie ab. Der 45-Jährige gewann die ersten beiden Sätze jeweils 11:9 und zwang den Saarbrücker Kapitän zur Aufholjagd. Die gelang zunächst eindrucksvoll: Franziska holte den dritten Durchgang mit 11:5 und den vierten sogar mit 11:2. Wer nur diesen Abschnitt gesehen hatte, konnte erwarten, dass Saarbrücken den Sieg ohne ein weiteres Einzel abschließen würde.
Steger fing sich im fünften Satz jedoch wieder. Er setzte sich früh ab, Franziska verkürzte noch einmal, doch der Bad Königshofener brachte seinen Vorsprung ins Ziel. Mit 11:8 gewann er den Entscheidungssatz und verkürzte für den TSV auf 1:2. Der ehemalige Saarbrücker Spieler verhinderte damit, dass der FCS nach drei Einzeln bereits feiern konnte. Zugleich bestätigte er die Form, mit der er sich in den ersten Wochen der Saison zu Bad Königshofens verlässlichstem Punktesammler entwickelt hat. Auch bei der Niederlage in Grenzau wenige Tage zuvor hatte Steger sein Einzel gewonnen.
Nun ging Calderano ein zweites Mal an den Tisch. Sein Gegner war Habesohn, der zuvor Ionescu bis in den fünften Satz gefordert hatte. Gegen den Brasilianer fand er jedoch keinen vergleichbaren Zugriff. Calderano gewann den ersten Satz 11:3, die nächsten beiden jeweils 11:5. Nach vier Einzeln war die Begegnung beendet, ein mögliches Schlussdoppel wurde nicht mehr benötigt.
In Calderanos beiden Einzeln holten die Gäste keinen Satz. Die anderen beiden Begegnungen gingen jeweils über die volle Distanz, und jeder Klub gewann eine davon. Ionescus Wende im Entscheidungssatz gab schließlich den Ausschlag dafür, dass Calderanos zweiter Erfolg zum 3:1 reichte.
Für den Brasilianer war es der zweite Bundesligaeinsatz im Saarbrücker Trikot. Bereits beim 3:1 in Bad Homburg hatte er zweimal gewonnen und dabei gegen Csaba Andras einen Rückstand von 0:2 Sätzen gedreht. Nach dem Heimspiel gegen Bad Königshofen stehen für ihn vier Einzelsiege aus vier Partien zu Buche. Bei Dyn sprach er nach seiner Premiere vor eigenem Publikum über den Empfang in der Halle: „Die Zuschauer standen hinter mir und ich bin glücklich darüber, dass alles geklappt hat.“
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Die Zuschauer standen hinter mir und ich bin glücklich darüber, dass alles geklappt hat.
– Hugo Calderano
Die Zuschauer hatten auf diese Premiere länger warten müssen als vorgesehen. In Saarbrückens ersten beiden Heimspielen war Calderano nicht zum Einsatz gekommen. Währenddessen zeigte die Mannschaft, wie unterschiedlich sie je nach verfügbarer Besetzung aussehen kann. Auf drei Siege zum Saisonstart folgte zunächst ein 1:3 gegen Werder Bremen. In Ochsenhausen trat der FCS dann ohne seine erfahrenen Spitzenkräfte mit einem ungewöhnlich jungen Trio an und verlor 0:3. Gegen Bad Königshofen standen Calderano, Franziska und Ionescu gemeinsam auf dem Spielberichtsbogen. Nach den beiden Rückschlägen erhielt Saarbrücken damit die Gelegenheit, sich mit einer anderen Aufstellung wieder einen Sieg zu erarbeiten.
Wie wichtig dem Klub diese Antwort war, hatte Teammanager Nicolas Barrois bereits vor der Partie klargemacht. Er sprach offen von der Favoritenrolle und davon, mit einem Erfolg in die längere Ligapause gehen zu wollen. Die Voraussetzungen dafür waren günstig, die Aufgabe aber nicht allein mit Blick auf die Namen entschieden. Habesohn brachte Ionescu zweimal in Satzrückstand. Steger bezwang Franziska. Hätte Habesohn seine Führung im fünften Satz gegen Ionescu gehalten, wäre Saarbrücken nach Stegers Sieg plötzlich mit 1:2 in Rückstand geraten. Genau an diesem Einzel hing die Möglichkeit für die Gäste, den Favoriten bis zum Schlussdoppel zu fordern.
Bad Königshofen konnte aus dieser Möglichkeit nichts Zählbares machen. Nach sechs Spielen steht der TSV bei 2:10 Punkten. Die Niederlage in Saarbrücken folgte auf ein knappes 2:3 in Grenzau, bei dem die Unterfranken das Schlussdoppel erst im fünften Satz verloren hatten. In Saarbrücken kamen sie diesem letzten Spiel gar nicht mehr nahe, obwohl Steger erneut einen Spitzenmann bezwang. Für die Gäste bleibt aus dem Abend vor allem die Erkenntnis, dass sie auch gegen den Meister offene Einzel erzwingen können. Gegen Calderano fanden Bertelsmeier und Habesohn an diesem Freitag keine Lösung.
Saarbrücken geht damit mit vier Siegen und zwei Niederlagen, also 8:4 Punkten, in die Ligapause. Calderano hat bei seiner Heimpremiere die Erwartungen mit zwei klaren Siegen erfüllt. Dass der FCS den Abend tatsächlich nach vier Einzeln beenden konnte, verdankte er ebenso Ionescu: Dessen Serie im fünften Satz gegen Habesohn verhinderte, dass Stegers späterer Erfolg die Gäste in Führung brachte. So blieb Bad Königshofen ein Schlussdoppel verwehrt, und Saarbrücken fand nach zwei Niederlagen zurück zum Sieg.
