Ebnoutalib schießt Elversberg zum Auswärtssieg – SVE gewinnt 2:0 im Olympiastadion

Die SV Elversberg hat ein weiteres Ausrufezeichen in der 2. Bundesliga gesetzt. Am Freitagabend besiegte die Mannschaft von Trainer Vincent Wagner im Berliner Olympiastadion Hertha BSC hochverdient mit 2:0 (1:0) und feierte damit bereits den dritten Sieg im vierten Saisonspiel. Matchwinner war Younes Ebnoutalib, der bei seinem Startelfdebüt im SVE-Trikot gleich doppelt traf und die Berliner Defensive an diesem Abend fast im Alleingang zerlegte.
Es war ein Abend, den die knapp 1.000 mitgereisten Elversberger Fans so schnell nicht vergessen werden. Schon nach wenigen Minuten jubelte der Gästeblock: In der 5. Spielminute blockte Lukas Petkov auf der rechten Seite einen ungenauen Befreiungsschlag von Márton Dárdai, der Ball landete bei Ebnoutalib. Der Stürmer, der für den angeschlagenen Luca Schnellbacher in die Startelf gerückt war, ließ sich die Chance nicht nehmen. Mit viel Entschlossenheit setzte er sich an der Grundlinie durch, schüttelte Gegenspieler Dárdai ab und überwand anschließend Hertha-Keeper Tjark Ernst wuchtig aus spitzem Winkel – 1:0 für Elversberg, das erste Tor für Ebnoutalib im Trikot der SVE.
„Das ist unbeschreiblich, mir fehlen noch immer die Worte“, sagte der Doppeltorschütze später im Sportschau-Interview.
Es ging alles so schnell, in den ersten fünf Minuten schon das 1:0 zu schießen – ich konnte das gar nicht glauben. Ich bin einfach nur glücklich. Wir haben alle jeder für jeden gekämpft und wollten unbedingt gewinnen.
Das frühe Tor gab der Wagner-Elf enorme Sicherheit. Während die Hertha, ohnehin mit einer bislang durchwachsenen Saison gestartet, kaum ein Mittel gegen das aggressive Pressing der Saarländer fand, spielte die SVE mutig nach vorne. Mehr Ballbesitz, mehr Tempo, mehr Zielstrebigkeit – Elversberg diktierte die Partie im Olympiastadion.
Besonders spektakulär war ein Versuch von Maximilian Rohr in der 24. Minute. Aus fast 50 Metern fasste er sich ein Herz und setzte den Ball nur knapp neben das Berliner Tor. Kurz darauf hätte es beinahe erneut geklingelt, als Lasse Günther nach schönem Zuspiel von Petkov abzog und die Latte traf (32.). Mit einem Chancenverhältnis von 10:2 für Elversberg ging es in die Pause – ein Zwischenstand, der aus Berliner Sicht fast schmeichelhaft war.
Nach dem Seitenwechsel versuchte Hertha-Trainer Stefan Leitl mit Umstellungen zu reagieren. Er brachte frische Kräfte, stellte auf eine Viererkette um und setzte mehr auf die Flügel. Kurzzeitig wurden die Berliner aktiver, doch die wirklich gefährlichen Szenen blieben aus. Fabian Reese und Winterneuzugang Grönning kamen zwar zu kleineren Abschlüssen, doch die SVE-Abwehr um Rohr und Gyamerah stand stabil.
In der 59. Minute fiel dann die Vorentscheidung – und wieder war es Ebnoutalib. Nach einem Ballgewinn im Mittelfeld schaltete Elversberg blitzschnell um. Über Condé, Zimmerschied und Conté landete der Ball bei Petkov, der mit Übersicht ins Zentrum querlegte. Ebnoutalib stand genau richtig und schloss eiskalt ab – 2:0 für die Gäste. Wagner war sich nach dem Spiel jedoch sicher, dass die SVE es hätte einfacher haben können: „Die Momente, die wir vor der Box haben, können wir noch viel besser ausspielen. Deshalb war das 1:0 zur Halbzeit eigentlich schon wieder zu wenig, genau wie letzte Woche. Und dann stehst du nach der Halbzeit da, spielst dem Gegner zwei Mal einen Ball in den Fuß. Mir war klar, entweder wir machen das Zweite jetzt oder bekommen den Ausgleich. Zum Glück machen wir das 2:0.“ Und zum Glück spielte Younes Ebnoutalib: „Schnelly ist ausgefallen, Younes war der einzige verbliebene Stürmer – also musste er liefern“, erklärte Trainer Vincent Wagner später.
Er hat viel an sich gearbeitet, wir haben viel mit ihm gearbeitet. Ich habe unter der Woche noch zu unserem Kaderplaner gesagt, er soll sich nicht erschrecken, wie gut Younes am Wochenende spielen wird. Es war eine Frage, wann es Klick macht. Diese beiden Tore waren nur der Anfang.
Hertha hingegen fand danach keinen Weg mehr zurück ins Spiel. Spätestens als Innenverteidiger Linus Gechter in der 77. Minute nach wiederholtem Foulspiel die Gelb-Rote Karte sah, war die Partie entschieden. Elversberg ließ nichts mehr anbrennen und hätte in der Schlussphase sogar noch erhöhen können, doch der eingewechselte Freddy Schmahl scheiterte an Ernst (85.).
Für Wagner war der Auftritt seiner Mannschaft eine Bestätigung des eingeschlagenen Weges: „Das liegt hier nicht nur an mir, sondern es sind auch einfach richtig gute Jungs, die hier auch eine sehr gute Basis hatten. Normal kommst du als neuer Trainer zu einem Verein und es ist dann meistens nicht alles so geil. Aber Horst hat hier super Arbeit geleistet und das wollten wir beibehalten und wir als neues Trainerteam wollten dann unsere eigene Ideen da drauf packen und respektvoll damit umgehen. Vor drei Wochen gegen Ulm hat es sich schon harmonischer angefühlt, aber von Stolz würde ich noch nicht sprechen. Dafür haben die Jungs noch zu viel in sich und einige Dinge haben wir auch noch nicht gut gemacht, auch wenn sich das jetzt ein wenig komisch anhört.“
Auf Berliner Seite überwog dagegen Frust und Ratlosigkeit. „Wir sind überhaupt nicht in unser Spiel gekommen. Was vor ein paar Tagen in Darmstadt sehr gut geklappt hat, ist uns heute überhaupt nicht gelungen“, haderte Hertha-Coach Leitl. Sportdirektor Benjamin Weber sprach von einer „schwachen Leistung mit Ball und gegen den Ball“ und forderte: „Arbeiten, arbeiten, arbeiten.“ Kapitän Fabian Reese wurde noch deutlicher: „Von allen war das zu wenig. Jeder muss sich hinterfragen, was er bereit ist, für die Mannschaft zu geben.“
Während Hertha ohne Sieg in die Länderspielpause geht und schon früh unter Druck gerät, blickt Elversberg voller Selbstvertrauen auf die kommenden Wochen. Neun Punkte nach vier Spielen, dazu eine beeindruckende Reife im Auftritt gegen einen der selbsternannten Aufstiegsfavoriten – die SVE hat sich endgültig als feste Größe in Liga zwei etabliert.
Am 14. September geht es für Elversberg mit einem Heimspiel gegen Dynamo Dresden weiter. Die Fans dürfen sich schon jetzt auf die nächste Flutlichtatmosphäre an der Kaiserlinde freuen – und vielleicht auf den nächsten großen Auftritt von Doppeltorschütze Younes Ebnoutalib.
Was aber jetzt schon feststeht, ist, dass beide Teams früher als geplant wieder aufeinandertreffen werden. Wie es das Glück so wollte, wird die SVE bereits Ende Oktober wieder ins Berliner Olympiastadion reisen müssen, um in der 2. Runde des DFB-Pokals gegen die Alte Dame bestehen zu müssen.