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Ein Kantersieg mit Signalkraft

Die SV Elversberg bleibt das Maß aller Dinge in der 2. Bundesliga. Mit einem furiosen 6:0-Erfolg gegen die SpVgg Greuther Fürth verteidigt die Mannschaft von Vincent Wagner nicht nur die Tabellenführung, sondern setzt auch ein sportliches Ausrufezeichen. Überragender Mann des Spiels war Younes Ebnoutalib, der mit einem Hattrick glänzte. Der Auftritt der SVE war so dominant wie reif – und lässt das Märchen an der Kaiserlinde immer realistischer erscheinen.

Die Leichtigkeit, mit der die SV Elversberg derzeit ihre Spiele gewinnt, steht in einem auffälligen Kontrast zu den Ansprüchen, mit denen viele Traditionsvereine in diese Saison gestartet sind. Während andere Clubs mit großem Namen und größerem Etat auf der Suche nach Konstanz sind, liefert der Tabellenführer aus dem Saarland Woche für Woche kontrollierte Intensität und gezielte Explosivität – so auch an diesem Sonntag, als Greuther Fürth in der URSAPHARM-Arena mit 6:0 bezwungen wurde.

Die frühe Phase der Partie begann ausgeglichen. Die Gäste aus Franken wollten nach dem 2:2 gegen Hannover Stabilität gewinnen, Elversberg hingegen an den 4:0-Erfolg von Magdeburg anknüpfen. Trainer Vincent Wagner ließ die gleiche Elf auflaufen, bis auf eine Ausnahme: Auf der linken Abwehrseite startete Lasse Günther für Nicholas Mickelson. Kapitän Lukas Pinckert fiel weiterhin verletzungsbedingt aus. Schon in der achten Minute hatte Younes Ebnoutalib die erste Großchance, köpfte jedoch aus fünf Metern über das Tor – die erste von vielen Szenen, in denen die SVE ihre Überlegenheit andeutete.

Der erste Treffer war eine Blaupause für den Elversberger Spielstil: strukturiert, schnell, präzise. Bambasé Conté leitete den Angriff mit einer eleganten Drehung selbst ein, spielte auf Günther, der auf der linken Seite durchbrach und punktgenau in den Rückraum flankte. Dort stand wieder Conté, der den Ball überlegt ins lange Eck schob. Die Fürther Abwehr wirkte in dieser Szene überfordert, und dieser Zustand sollte sich in den nächsten 60 Minuten zementieren.

Elversberg drückte weiter. Lukas Petkov verpasste um Zentimeter (32.), Ebnoutalib traf in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit – doch das Tor wurde wegen Abseits aberkannt. Zur Pause stand es „nur“ 1:0 – doch niemand im Stadion konnte ernsthaft glauben, dass das der Endstand bleiben würde.

Direkt nach dem Seitenwechsel folgte der nächste Doppelschlag. Ebnoutalib, im ersten Durchgang noch glücklos, schlug zu. Nach einem Flankenlauf von Felix Keidel und einem cleveren Kopfball von Maximilian Rohr, hämmerte der Mittelstürmer den Ball zum 2:0 unter die Latte (48.). Nur wenige Minuten später nutzte er einen katastrophalen Fehler von Lukas Reich, der den Ball zu kurz zurückköpfte. Ebnoutalib spritzte dazwischen, blieb eiskalt und schob zum 3:0 ein (56.).

Die Fürther Mannschaft schien in dieser Phase überfordert, teilweise resigniert. Trainer Thomas Kleine musste nach dem Spiel einräumen: „Wenn man 6:0 verliert, ist es eine Niederlage, die richtig weh tut. So darf man als Mannschaft nicht auftreten, gerade was das Defensivverhalten angeht.“

Doch die SVE hatte noch nicht genug. Immer wieder rollten Umschaltwellen auf das Tor der Gäste zu. Wagner ließ rotieren, brachte unter anderem Jason Ceka für Zimmerschied. Der Druck ließ dennoch nicht nach. In der 80. Minute vollendete Ebnoutalib einen perfekt ausgespielten Angriff mit seinem dritten Treffer – sein neuntes Saisontor. Der Hattrick war perfekt, die Fans sangen: „Ebnoutalib Fußballgott“. Der Spieler selbst blieb bescheiden:

Ich bin einfach nur froh, weil ich in den Spielen davor nicht getroffen habe. Jetzt habe ich alles wieder rausgelassen.

Was danach folgte, war die pure Freude. Ceka erzielte das 5:0 mit einem wuchtigen Abschluss aus 17 Metern (85.). Und in der dritten Minute der Nachspielzeit stellte Florian Le Joncour den Endstand her – nach einer Flanke von Mickelson drückte der Innenverteidiger den Ball am zweiten Pfosten über die Linie. Mit dem 6:0 stellte Elversberg seinen bisherigen Zweitliga-Torerekord ein – ein weiteres Symbol für das, was in dieser Saison möglich scheint.

„Natürlich war es gut, aber wenn ich auf die Statistiken gucke, war mein Gefühl nicht so verkehrt“, sagte Trainer Vincent Wagner nach der Partie. „Wenn ich auf den xG-Wert schaue, haben wir drei Tore zu viel geschossen und Fürth zu wenig. Insgesamt gut, nicht mehr, auch nicht weniger – von den Toren mindestens zwei Tore zu hoch.“

Trotz der sachlichen Analyse war es ein weiterer Meilenstein. Sieben Siege in neun Spielen, 22:6 Tore, Tabellenführung verteidigt – das alles nach einem Sommer, in dem viele den Verein erneut nur als Außenseiter sahen. Doch die SVE hat sich verändert. Die Leichtfüßigkeit eines Aufsteigers ist einer bemerkenswerten Reife gewichen. Auch die Personalstruktur ist stabil. Spieler wie Keidel, Petkov oder Ebnoutalib fügen sich nahtlos ein, das Team wirkt eingespielt, die Abläufe automatisiert.

Die Reaktion der Fürther blieb auch nach dem Schlusspfiff verhalten – kaum verwunderlich angesichts der Deutlichkeit der Niederlage. Jomaine Consbruch brachte das Gefühl vieler Gästeakteure auf den Punkt: „Wir wollten auch nach dem 0:3 noch klar bleiben und weiterspielen, aber das ist uns gar nicht gelungen. Du musst das dann einfach besser verteidigen und keine Tore mehr kassieren.“ Fürth hat am Freitagabend bereits den KSC zu Gast und wenig Zeit für die Aufarbeitung, muss nun aber umso dringlicher Antworten auf die Frage finden, wie man sich in dieser Liga behaupten will.

Ganz anders die Stimmung auf der Gegenseite. Die SVE-Fans feierten nicht nur den höchsten Saisonsieg, sondern auch eine Mannschaft, die derzeit mit Selbstverständnis und Klarheit auftritt. Die Entwicklung unter Vincent Wagner ist dabei kein Zufall. Seit seiner Amtsübernahme hat der 38-Jährige die Spielidee weiter verfeinert. Das System ist variabel, das Gegenpressing effektiv, und selbst in der Schlussphase, beim Stand von 5:0, war die Bereitschaft zur Rückwärtsbewegung noch deutlich sichtbar. Wagner selbst betont dabei immer wieder das Kollektiv:

Wir freuen uns, dass wir das nächste Meisterschaftsspiel auf unsere Seite gezogen haben. Nach vorne im Umschalten war das sehr gut – insgesamt gut, nicht mehr, auch nicht weniger.

Auffällig auch die Konstanz: Sieben Spiele ungeschlagen, vier Zu-null-Siege, 22 erzielte Tore – und das alles ohne Kapitän Lukas Pinckert und trotz der frühen Auswechselung von Conté. Die Breite des Kaders macht es möglich, solche Ausfälle zu kompensieren, ohne dass die Qualität leidet. Spieler wie Schmahl, Ceka, Rohr oder Mickelson sind jederzeit einsatzbereit und liefern ab.

Zudem strahlt die Mannschaft Ruhe und Ernsthaftigkeit aus. Auch nach Kantersiegen wie diesem verfällt niemand in Euphorie. Die Mannschaft weiß, dass es nur ein weiterer Schritt auf einem langen Weg war – und der führt am kommenden Samstag nach Bielefeld. Dort wartet ein Gegner, der selbst nach Stabilität sucht. Doch wie schwer es derzeit ist, diese Elversberger zu bespielen, das hat Greuther Fürth eindrucksvoll erfahren. Wer gegen dieses Team bestehen will, braucht mehr als ein paar gute Minuten – man braucht einen Plan, Disziplin, und vielleicht auch ein wenig Glück.

Die SVE aber bleibt in ihrer ganz eigenen Spur – konzentriert, demütig und effizient. Der Auftritt gegen Fürth war nicht nur ein Statement an die Konkurrenz, sondern auch ein Beleg dafür, dass der Spitzenreiter diesen Platz nicht durch Zufall innehat. Wer sie schlagen will, muss erst einmal rankommen. Aktuell gelingt das niemandem. Für den kommenden Gegner wird es schwer, dieses Elversberg zu stoppen. Am Samstag reist die SVE zu Arminia Bielefeld – der Aufsteiger verlor am Wochenende das vierte Spiel in Folge. 

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