Elversberg belohnt sich nicht für die eigene Dominanz – Erste Heimniederlage nach neun Monaten

Neun Monate war die URSAPHARM-Arena eine verlässliche Konstante in dieser Zweitliga-Saison: Gegner kamen, Elversberg spielte – und ging nicht als Verlierer vom Platz. Am Samstag endete diese Serie. Die SV Elversberg verliert gegen Hertha BSC mit 0:3. Ein Ergebnis, das angesichts von Spielkontrolle, Ballbesitz und Chancenfülle irritiert, das aber zugleich schonungslos zeigt, wie diese Liga funktioniert.
Knapp neun Monate hatte die SV Elversberg in der 2. Bundesliga kein Heimspiel verloren. Am 21. Spieltag war diese Serie Geschichte. Vor 9.291 Zuschauern in der fast ausverkauften URSAPHARM-Arena unterlag die Mannschaft von Vincent Wagner Hertha BSC mit 0:3 (0:1). Ein Resultat, das in seiner Deutlichkeit täuschte – und dennoch Wirkung entfaltete: Elversberg verlor nicht nur erstmals im eigenen Stadion, sondern rutschte auch vom direkten Aufstiegsplatz.
Wagner sah nach dem überzeugenden 3:1-Auswärtssieg beim 1. FC Kaiserslautern keinen Anlass, an seiner Startelf zu rütteln. Er schickte exakt jene Elf ins Rennen, die auf dem Betzenberg überzeugt hatte. Felix Keidel, Lasse Günther und der unter der Woche verpflichtete Immanuël Pherai fehlten angeschlagen im Kader, erstmals in dieser Saison saßen dafür Luca Pfeiffer und Luis Seifert auf der Bank. Auch Hertha-Trainer Stefan Leitl war zu Umstellungen gezwungen. Neben dem rotgesperrten Kownacki fehlten unter anderem Diego Demme und Maurice Krattenmacher. Für Kownacki stürmte der frühere Elversberger Jugendspieler Luca Schuler, Zeefuik ersetzte hinten rechts Julian Eitschberger, Toni Leistner rückte kurzfristig für Márton Dárdai in die Innenverteidigung.
Nach einer kurzen Abtastphase übernahm Elversberg sofort die Kontrolle. Bereits nach fünf Minuten lag die Führung in der Luft. Maximilian Rohr hob den Ball über die Berliner Kette auf David Mokwa. Der scheiterte aus kurzer Distanz an Hertha-Keeper Tjark Ernst, Lukas Petkovs Nachschuss nach dem Abpraller wurde von Michal Karbownik in letzter Sekunde auf der Linie geklärt. Es war eine Szene, die sinnbildlich für diesen Nachmittag stehen sollte.
Elversberg blieb dominant. Der Ball zirkulierte überwiegend in der Berliner Hälfte, phasenweise lag der Ballbesitz bei rund 70 Prozent. Die SVE band die Hertha tief ein, zwang sie zu langen Verteidigungsphasen, fand aber zunächst keine klare Durchbruchssituation. Die Gäste beschränkten sich auf Ordnung, Disziplin und das Absichern der Räume. Erst nach 32 Minuten kam Hertha zu ihrem ersten Abschluss, als nach einem abgewehrten Eckball Sequin aus dem Rückraum abzog, der Ball im Strafraum jedoch von einem Mitspieler geblockt wurde.
Die besseren Möglichkeiten hatte weiterhin Elversberg. Contés Flanke von der rechten Seite wurde nach einem Konter im letzten Moment geblockt, kurz darauf setzte Nicholas Mickelson nach einem abgewehrten Eckball den Ball aus dem Rückraum rund zwei Meter über das Tor. Auf der Gegenseite köpfte Gechter nach einem Freistoß von der rechten Seite völlig unbedrängt in die Arme von Nicolas Kristof. Kurz vor der Pause fiel dann aus dem Nichts das 0:1. Seguin brachte eine Ecke von links an den ersten Pfosten, im Getümmel sprangen SVE-Kapitän Lukas Pinckert und Pascal Clemens hoch – und der Ball landete im Tor. Offiziell wurde der Treffer Clemens gutgeschrieben, die Fernsehbilder zeigten jedoch, dass Pinckert mit Kopf und Schulter zuletzt am Ball war. Der Kapitän ordnete die Szene später nüchtern ein: „Wir gehen da beide hoch, und dann weißt du am Ende nie, was passiert. Wir waren bis dahin richtig gut im Spiel, haben aber aus unserer Überlegenheit nichts gemacht.“
Den Vorwurf, den wir uns gefallen lassen müssen, ist, dass wir uns trotz spielerischer Überlegenheit einige Ballverluste zu viel erlaubt haben.
SVE-Trainer Vincent Wagner
Mit dieser Führung für die Gäste ging es in die Pause – ein Spielstand, der den Verlauf auf den Kopf stellte, aber exakt dem Berliner Matchplan entsprach. Tief stehen, Standards provozieren, auf Umschaltmomente warten. Und so sollte es auch in der zweiten Halbzeit weitergehen.
Wagner reagierte zur zweiten Halbzeit und brachte Florian Le Joncour für den angeschlagenen Jan Gyamerah. Der Wechsel zahlte sich zunächst defensiv aus. Nach einem Berliner Umschaltmoment kam Fabian Reese aus kurzer Distanz völlig frei zum Abschluss, traf aber nur den bereits am Boden liegenden Le Joncour auf der Torlinie.
Wenig später schlug Hertha dennoch erneut zu. Ein langer Ball aus der eigenen Abwehr landete bei Reese, der sich im Laufduell durchsetzte und an der Strafraumgrenze mustergültig querlegte. Luca Schuler blieb frei vor Kristof ruhig und erhöhte auf 2:0. Für Elversberg war es ein weiterer Rückschlag in einer Phase, in der das Spiel eigentlich in eine andere Richtung zu kippen schien.
Die SVE brauchte einige Minuten, um sich von diesem Treffer zu erholen, fand dann aber zurück in ihre Struktur. Von da an spielte praktisch nur noch Elversberg – doch der Ball wollte einfach nicht ins Tor. Schmahl setzte einen Freistoß aus 18 Metern knapp daneben, Mickelson und Zimmerschied kamen über die linke Seite immer wieder durch, fanden aber keinen Abnehmer. Le Joncour köpfte nach einer Standardsituation nur an den Außenpfosten, Jarzinho Malanga scheiterte frei vor dem Tor an Tjark Ernst, Luca Schnellbacher aus spitzem Winkel ebenfalls.
Der Berliner Keeper wuchs über sich hinaus, hielt alles, was auf seinen Kasten kam, und wurde zum entscheidenden Faktor. Stefan Leitl wusste das einzuordnen: „Wir hatten Spielglück, aber auch einen starken Tjark Ernst im Tor.“ Während Elversberg Chance um Chance liegen ließ, blieb Hertha maximal effizient. In der 78. Minute setzte Toni Leistner mit einem Fernschuss nach einem abgewehrten Standard den Schlusspunkt und hämmerte den Ball unter die Querlatte – 0:3.
Vincent Wagner machte seiner Mannschaft trotz der klaren Niederlage keinen grundsätzlichen Vorwurf, legte den Finger aber in die Wunde. „Den Vorwurf, den wir uns gefallen lassen müssen, ist, dass wir uns trotz spielerischer Überlegenheit einige Ballverluste zu viel erlaubt haben. Hertha hat dann mit einer guten Variante das 0:1 erzielt, wir wollten zu Beginn der zweiten Hälfte zu viel. Trotzdem hatten wir genug Chancen, haben es aber leider verpasst unsere Tore zu machen. Deshalb: Glückwunsch an die Berliner“, sagte der SVE-Trainer. Die ungewöhnliche Häufung von Eigentoren in dieser Saison kommentierte er mit Galgenhumor: „Ja, wir gehen in Richtung Torschützenkönige mit unseren Innenverteidigern. Das ist etwas unglücklich.“
Auch Leitl bewertete das Spiel differenziert. „Wir hatten uns vorgenommen, sehr diszipliniert zu spielen und die Räume enger zu gestalten, um das Positionsspiel der Elversberger unter Kontrolle zu bekommen. Das ist uns über weite Strecken gelungen“, erklärte der Hertha-Coach, ergänzte jedoch: „Ich freue mich, dass wir dann eine Standardsituation für uns nutzen konnten und das Momentum so auf unsere Seite ziehen konnten. Es ist ein Sieg, der zu hoch ausfällt, weil Elversberg wirklich gut gespielt hat, der aber in Summe nicht unverdient ist.“
Es ist ein Sieg, der zu hoch ausfällt, weil Elversberg wirklich gut gespielt hat, der aber in Summe nicht unverdient ist.
BSC-Trainer Stefan Leitl
So blieb für die SV Elversberg eine Niederlage, bei der die Leistung nicht unbedingt schlecht war. Es war jedoch ein Lehrstück in Sachen Effizienz. 18 Torschüsse reichten nicht für ein Tor, fünf Berliner Abschlüsse für drei Treffer. Die Heimserie endete, der direkte Aufstiegsplatz ging verloren, nach diesem Wochenende steht die SVE auf dem vierten Tabellenplatz.
Am kommenden Wochenende wartet mit Dynamo Dresden eines der weitesten Auswärtsspiele der Saison. Dort wird die SVE es wohl auch eher mit einem abwartenden Gegner zu tun bekommen. Doch die Elversberger sollten gewarnt sein: Dynamo drehte einen 2:0 Rückstand auf Schalke noch in ein 2:2. Doch wenn die SVE in dieser Saison eines gezeigt hat, dann dass Niederlagen sie nicht umwerfen.