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Elversberg bezwingt den FCK im Derby-Drama

Die SV Elversberg hat am Freitagabend den 1. FC Kaiserslautern in einem intensiven und hochdramatischen Duell mit 2:1 besiegt. Nach starker erster Halbzeit, einem späten Ausgleich der Gäste und dem entscheidenden Treffer von Freddy Schmahl in der Nachspielzeit verwandelte sich die URSAPHARM-Arena an der Kaiserlinde in ein Tollhaus.

Der Freitagabend an der Kaiserlinde hatte alles, was ein packendes Zweitligaspiel braucht: Leidenschaft, Dramatik, Tore in den entscheidenden Momenten – und am Ende einen viel umjubelten Heimsieg der SV Elversberg. Mit 2:1 setzte sich die Mannschaft von Trainer Vincent Wagner gegen den 1. FC Kaiserslautern durch und feierte den zweiten Heimsieg der Saison. Für die knapp 9.400 Zuschauer war es ein Spiel, das bis in die Nachspielzeit Spannung bot und die URSAPHARM-Arena an der Kaiserlinde einmal mehr zum Beben brachte. Es war ein Abend, an dem Elversberg nicht nur drei Punkte holte, sondern auch ein Ausrufezeichen setzte.

Die Ausgangslage war klar: Elversberg wollte nach dem knappen Erfolg im DFB-Pokal bei Drittligist SSV Ulm auch in der Liga wieder punkten und sich nach dem 0:2 in Bochum rehabilitieren. Wagner stellte seine Elf auf drei Positionen um. Für den gesperrten Jan Gyamerah rückte Felix Keidel in die Startelf und erhielt sein erstes Zweitligaspiel von Beginn an. In der Innenverteidigung begann Maximilian Rohr anstelle von Florian Le Joncour, im Angriff startete Luca Schnellbacher, der in Ulm verletzt gefehlt hatte, für Younes Ebnoutalib. Auf Seiten des FCK musste Trainer Torsten Lieberknecht kurzfristig auf Daniel Hanslik verzichten, der wegen Achillessehnenproblemen passen musste. Für ihn kam Neuzugang Naatan Skyttä zu seinem Startelfdebüt.

Die Partie begann mit einem frühen Rückschlag für die Gäste. Schon in der 3. Minute verletzte sich Simon Asta bei einem Zweikampf mit Tom Zimmerschied. Der Rechtsverteidiger konnte nach kurzer Behandlung nicht mehr weitermachen und wurde durch Faride Alidou ersetzt. Für den FCK sollte sich die Diagnose später als besonders bitter herausstellen: Ein Teilriss des Kreuzbandes zwingt Asta nun zu einer langen Pause. Für Elversberg bedeutete das jedoch keinen Vorteil, sondern zunächst nur eine Spielunterbrechung, die dem intensiven Beginn etwas den Rhythmus nahm.

Denn es waren die Hausherren, die in der Anfangsphase das Tempo bestimmten. Zimmerschied hatte bereits in der 13. Minute die erste große Chance, als er nach einem Steckpass frei auf Julian Krahl zulief, aber am glänzend reagierenden FCK-Torhüter scheiterte. Nur eine Minute später verzog er aus guter Position knapp. Elversberg spielte mutig, setzte die Gäste unter Druck und suchte immer wieder die Tiefe. Die nächste Gelegenheit bot sich Lasse Günther, der sich stark gegen Sirch und Alidou durchsetzte, aber ebenfalls an Krahl scheiterte. Auch Bambasé Conté hätte kurz vor der Pause für die Führung sorgen können, doch wieder war Krahl im Weg.

Die Dominanz der SVE war unübersehbar. Kaiserslautern kam kaum einmal gefährlich in die Nähe des Tores von Nicolas Kristof. Lediglich Standards von Kapitän Marlon Ritter brachten halbwegs Gefahr. In der 27. Minute prüfte er den Elversberger Schlussmann mit einem Freistoß aus 35 Metern, Kristof lenkte den Ball aber reaktionsschnell über die Latte. Ansonsten blieb der FCK harmlos, während die Gastgeber Angriff auf Angriff fuhren. Es war folgerichtig, dass die Führung schließlich fiel.

In der 42. Minute unterlief den Gästen ein kapitaler Bock. Krahl spielte einen riskanten Pass auf Maxwell Gyamfi, der nicht mit dem Ball rechnete. Conté eroberte die Kugel, spielte einen schnellen Doppelpass mit Schnellbacher, und der Torjäger schob überlegt zum 1:0 ein. Die Fans im Stadion jubelten, die SVE hatte sich für ihre starke Leistung belohnt. Wagner war zufrieden mit dem, was er gesehen hatte: „Erste Halbzeit waren wir bis auf zehn Minuten die bessere Mannschaft. In der Halbzeit habe ich gesagt: Guckt nicht zu viel auf die Anzeigetafel, weil es einfach Spaß gemacht hat zuzuschauen.“

Nach dem Seitenwechsel versuchte Kaiserslautern mehr Präsenz zu zeigen, und tatsächlich wirkten die Gäste etwas griffiger. Wieder war es ein Standard von Ritter, der für Gefahr sorgte. In der 53. Minute zirkelte er einen Freistoß Richtung Tor, Kristof lenkte den Ball mit den Fingerspitzen an die Latte. Auf der anderen Seite hätte Elversberg die Partie früh entscheiden können. In der 62. Minute traf Lukas Petkov nach Vorarbeit von Conté ins Tor, doch Schiedsrichter Florian Exner pfiff den Treffer zurück. Conté hatte im Vorfeld ein Foul begangen, das man geben konnte, aber nicht zwingend musste.

So blieb es spannend – und Kaiserslautern kam tatsächlich zurück. In der 76. Minute köpfte Alidou nach einer Ecke über das Tor, wurde dabei aber von Kristof am Kopf getroffen. Der VAR griff ein, und nach Ansicht der Bilder entschied Exner auf Strafstoß. Richmond Tachie übernahm die Verantwortung und traf souverän zum 1:1. Für den FCK war es der erste Treffer aus dem Spiel heraus in dieser Saison, wenn auch per Elfmeter. Tachie ärgerte sich:

Wir sind zurückgekommen, haben uns das 1:1 erarbeitet. Und dann ist es natürlich ärgerlich, wenn man mit dem letzten Eckball noch ein Gegentor kassiert und mit null Punkten nach Hause fährt.

Doch Elversberg zeigte erneut Moral. Statt zu hadern, drängten die Hausherren auf den Sieg. Vincent Wagner brachte in der 86. Minute frische Kräfte mit Freddy Schmahl und Carlo Sickinger – ein Doppelwechsel, der sich auszahlen sollte. In der Nachspielzeit brachte Keidel eine Ecke in den Strafraum, Sickinger köpfte aufs Tor, Krahl wehrte noch stark ab, aber Schmahl stand goldrichtig und drückte den Abpraller mit dem Oberschenkel aus kurzer Distanz zum 2:1 über die Linie (90.+2). Die URSAPHARM-Arena an der Kaiserlinde explodierte, Spieler und Fans lagen sich in den Armen. „Dann aber noch das 2:1 zu machen, fühlt sich geil an“, kommentierte Wagner nach Abpfiff.

Die Gäste waren konsterniert. Semih Sahin, der von 2021 bis 2025 selbst das Elversberger Trikot getragen hatte, fand klare Worte: „Wir hätten den Punkt nicht verdient gehabt und können froh sein, dass es zur Pause nur 0:1 stand. Die haben uns ganz schön hergespielt. Wir hatten in der ersten Halbzeit teilweise kein Zweitliga-Niveau – da muss man ganz ehrlich sein. Elversberg war in vielen Bereichen viel besser als wir.“ Auch Julian Krahl sprach von einem enttäuschenden Auftritt:

Elversberg ist eine gute Mannschaft, hier kann man verlieren. Aber die Art und Weise, wie wir uns teilweise präsentiert haben, die nervt. Da sind wir alle extrem angepisst. Mit einem Punkt wären wir mit einem blauen Auge davon gekommen. Aber heute wurden uns die Grenzen aufgezeigt.

Trainer Lieberknecht versuchte die Analyse etwas nüchterner zu gestalten, räumte aber ebenfalls Schwächen ein: „Ich bin erstmal froh, dass die Jungs so eine Selbstkritik an den Tag legen. Trotzdem müssen wir in der Analyse ruhig bleiben. Was wir nicht gut gemacht haben, war die Zweikampfbereitschaft. Die haben wir in der ersten Halbzeit nicht an den Tag gelegt.“ Der Coach bemängelte zudem die Ideenlosigkeit in der Offensive:

Wir waren nicht kreativ genug und haben die Räume nicht gefunden. Wir müssen die Bälle viel mutiger in die Räume spielen. Da machen wir es dem Gegner zu einfach.

Während beim FCK die Selbstkritik überwog, konnte Elversberg den Abend ausgelassen feiern. Es war ein Sieg, der nicht nur durch individuelle Fehler der Gäste zustande kam, sondern durch Mut, Intensität und Zielstrebigkeit. Wagner hob hervor, dass seine Mannschaft trotz kleiner Unsicherheiten immer wieder nach vorne spielte und an sich glaubte. „Wir werden in Zukunft noch besser werden“, kündigte der Trainer an. Auch die Standardsituation, die zum Siegtreffer führte, war für ihn ein positives Signal: „Wenn man nach drei Spieltagen zwei Tore nach Standards hat, dann ist das ein Anfang. Wenn wir am Ende der Saison fünfzehn haben, dann können wir gerne von einer Stärke reden.“

Für Elversberg war es ein weiterer Beweis, dass man sich in der Zweiten Liga etabliert hat und auch gegen große Namen bestehen kann. Dass die Partie am Ende so emotional entschieden wurde, machte den Abend perfekt.

Ob jetzt zwei Heimsiege oder Auswärtssiege ist völlig Latte, es ist wichtig, die Spiele zu gewinnen. Aber für uns und die Zuschauer ist es natürlich toll, vor allem wenn man solche emotionalen Krimis hinlegt, ist noch besser

sagte Wagner.

Die Geschichte des Spiels war eine, die an Dramatik kaum zu überbieten war: Ein früher verletzungsbedingter Wechsel beim FCK, zahlreiche Chancen für Elversberg, ein verschenktes 2:0, der Ausgleich per Elfmeter – und schließlich der Lucky Punch in der Nachspielzeit. Am Ende war es ein verdienter Sieg für die SVE, die dem FCK nicht nur die Grenzen aufzeigte, sondern auch selbstbewusst demonstrierte, dass sie tatsächlich immer besser werden. 

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