Zum Inhalt Zum Hauptmenü

Elversberg und Darmstadt trennen sich im Verfolgerduell torlos

Ein intensives Spitzenspiel ohne Sieger

Die SV Elversberg hat im heimischen Verfolgerduell gegen den SV Darmstadt 98 einen Punkt geholt – und gleichzeitig zwei liegen gelassen. Das 0:0 vor 9.307 Zuschauern in der URSAPHARM-Arena an der Kaiserlinde bot vieles von dem, was ein Spiel zweier Topteams ausmacht: Härte, Tempo, gute Strukturen und zwei Angriffsreihen, die jeweils nur einen Moment gebraucht hätten, um den Unterschied zu machen. Doch genau dieser Moment blieb aus. Die SVE bleibt damit zum zehnten Mal in Folge zu Hause ungeschlagen, verpasste jedoch den möglichen Sprung auf Platz zwei. Auch Darmstadt, zuletzt stabil, bleibt oben dran und kann mit Rückenwind in das Pokal-Achtelfinale in Freiburg reisen.

Trainer Vincent Wagner sprach hinterher von einem „leistungsgerechten Unentschieden“ und ergänzte: „Ein super Spiel, das Spaß gemacht hat. Kompliment an meine Mannschaft für die Leistung. Am Ende hätten wir durch Ebnoutalib noch der glückliche Gewinner sein können, aber das Unentschieden ist ein gerechtes Ergebnis.“ Ähnlich sah es Darmstadts Coach Florian Kohfeldt, der von einem „sehr hochklassigen Zweitliga-Spiel“ sprach und betonte: „Ich bin einen kleinen Tick traurig, dass wir bei einer der besten Heimmannschaften der Liga den Sieg verpasst haben, aber ich bin vor allem sehr zufrieden mit diesem Fußballspiel und auch mit dem Punkt für meine Mannschaft.“

Darmstadt erwischt den besseren Start

Die Partie begann mit einem deutlich aktiveren Auftritt der Gäste. Darmstadt suchte früh die Tiefe, nutzte die rechte Seite mit Sergio López und Killian Corredor und versuchte, Elversberg im Spielaufbau auf die zentrale Achse zu lenken – ein Pressingansatz, den Kohfeldt später ausdrücklich bestätigte: „Wir haben heute unser Pressing ein wenig angepasst, um Elversberg ins Zentrum zu leiten, da hatten wir auch den einen oder anderen guten Ballgewinn.“

Schon in der vierten Minute wurde es brenzlig. Nach einer schnellen Kombination über rechts kam Corredor im Strafraum zum Abschluss, doch Lukas Pinckert klärte kurz vor der Linie. Nur Sekunden später folgte der erste Höhepunkt: López steckte in perfektem Timing auf Isac Lidberg durch, der sich geschickt drehte und frei vor Nicolas Kristof auftauchte. Der SVE-Keeper lenkte den Abschluss mit der linken Wade an die Latte – der xG-Wert von 0,37 zeigte, wie nah Darmstadt hier am Führungstor war.

Auch danach blieben die Lilien präsenter. Elversberg hatte trotz höherer Ballbesitzquote Mühe, sich aus der ersten Pressinglinie zu lösen, und brauchte gute 20 Minuten, um selbst gefährliche Räume zu finden. Gleichzeitig verlor Darmstadt mit Fraser Hornby einen wichtigen Zielspieler im Zentrum, der sich nach einem Sprint an den Oberschenkel fasste und in der 35. Minute durch Marco Richter ersetzt werden musste.

Elversberg steigert sich und kommt zu eigenen Chancen

Mit zunehmender Spieldauer kämpfte sich die SVE ins Spiel hinein. Die Räume wurden enger, die Abläufe klarer, und vor allem Younes Ebnoutalib fand immer besser in seine Positionen. In der 23. Minute fasste er sich aus 17 Metern ein Herz, doch Marcel Schuhen parierte sicher. Kurz darauf folgte die Glanztat des Darmstädter Innenblocks: Nach einer Petkov-Hereingabe kam Bambasé Conté aus dem Rückraum zum Abschluss, doch Pfeiffer und Vukotić warfen sich in den Schuss.

Die Szene leitete die beste Phase der Elversberger vor der Pause ein. Wieder war es Ebnoutalib, der eine scharfe Hereingabe nur um Zentimeter verpasste. Und kurz vor dem Halbzeitpfiff rettete diesmal Darmstadt dramatisch: Richter klärte nach einer Ecke auf der Linie, nachdem die Lilien den Ball im Strafraum nicht aus der Gefahrenzone bekommen hatten.

Darmstadt blieb trotzdem immer wieder gefährlich – etwa als Corredor eine Direktabnahme unter Bedrängnis am Tor vorbeisetzte. Insgesamt war das 0:0 zur Pause verdient, aber die Intensität und das ständige Hin und Her ließen erahnen, dass beide Teams den entscheidenden Moment jederzeit erzwingen konnten.

Ein Duell, das sich zunehmend im Mittelfeld festkämpft

Nach Wiederanpfiff verlor das Spiel sichtbar an Tempo. Beide Mannschaften standen defensiv eng, schoben taktisch sauber durch und minimierten das Risiko. Zweikämpfe prägten nun das Bild, und vor allem im Zentrum blieb kaum Raum für klare Aktionen. Entsprechend verflachten die Möglichkeiten.

Die beste nach Wiederbeginn gehörte erneut den Gästen: Lidberg köpfte in der 52. Minute nach einer Ecke aus kurzer Distanz per Aufsetzer knapp am rechten Pfosten vorbei. Es war eine jener Szenen, die im Gesamtbild die Aussage von Fabian Nürnberger untermauerten: „In der ersten Halbzeit gab es eine Phase, in der wir richtig gute Chancen hatten. Normalerweise machen wir die Dinger, aber heute hatten wir etwas Pech gehabt.“

In der ersten Halbzeit gab es eine Phase, in der wir richtig gute Chancen hatten. Normalerweise machen wir die Dinger, aber heute hatten wir etwas Pech gehabt.

Fabian Nürnberger

Elversberg hatte in dieser Phase Schwierigkeiten, Petkov, Conté oder Zimmerschied in offene Räume zu bringen. Viele Angriffe endeten vor dem letzten Drittel, weil Darmstadt im Gegenpressing extrem aufmerksam blieb. Erst die Einwechslungen von Jarzinho Malanga und Felix Keidel in der 57. Minute brachten neue Energie. Malanga suchte sofort tiefer die Halbräume, Keidel bespielte im Laufe des Spiels beide Außenverteidigerpositionen – doch Chancen blieben weiterhin Mangelware.

Beide Teams lauern, aber keiner geht volles Risiko

Die Schlussphase der Partie lebte erneut von einzelnen Momenten. Elversberg versuchte, über frühe Ballgewinne in gefährliche Umschaltmomente zu kommen, während Darmstadt deutlich mehr auf Struktur und Kontrolle setzte. Kohfeldts Mannschaft zauberte keinen Spektakel-Fußball mehr hervor, blieb aber klar in ihren Abläufen und schaffte es mehrfach, Elversberg in tiefe Verteidigungspositionen zu zwingen.

Beide Seiten haben sich dementsprechend etwas neutralisiert und sind vielleicht auch nicht in das allerletzte Risiko gegangen.

Marcel Schuhen

In der 70. Minute war Kristof gleich doppelt gefordert. Ein Distanzschuss von Papela wurde abgefälscht und dadurch tückisch, doch der SVE-Keeper reagierte herausragend. Wenig später tauchte überraschend Patric Pfeiffer im Angriff auf und setzte einen Gewaltschuss ab, den Kristof erneut parierte. Marcel Schuhen lobte nach dem Spiel das Niveau dieser Phase als „hochklassig“ und sagte: „Beide Seiten haben sich dementsprechend etwas neutralisiert und sind vielleicht auch nicht in das allerletzte Risiko gegangen.“

Die große Chance des Tages: Ebnoutalib über das Tor

Dann kam die 80. Minute – und die Situation, über die lange gesprochen wurde. Nach einem präzisen Steckpass von Mickelson löste sich Ebnoutalib halblinks, nahm Tempo auf und tauchte frei vor Schuhen auf. Die Ausgangslage: ideal. Der Abschluss: zu hoch. Der Ball rauschte über das Tor, und an der Kaiserlinde stöhnte ein gesamtes Stadion auf.

Für Elversberg war es die größte Chance der zweiten Hälfte, und sie passte zu einem Spiel, in dem beide Mannschaften nah dran waren, aber eben nicht präzise genug. In der 89. Minute hätte Corredor ausgerechnet für die Gäste beinahe noch den Knockout gesetzt, als er einen Kopfball nur knapp am zweiten Pfosten vorbeidrückte.

Ein Unentschieden, das beiden hilft – aber keinem reicht

Als Schiedsrichter Richard Hempel die Partie beendete, war unter der Linie klar: Beide Mannschaften hatten an diesem Nachmittag die Tugenden eines Spitzenspiels gezeigt, ohne sich entscheidend durchzusetzen. Ein 0:0 der besseren Sorte, wie es Nürnberger formulierte: „Insgesamt war es ein gutes Spiel, in dem wir mit ein bisschen Glück mit der vollen Ausbeute nach Hause gehen, aber den Punkt durchaus mitnehmen.“

Darmstadt bleibt damit vier Spiele ungeschlagen und tritt am Mittwoch mit Selbstvertrauen zum Pokal-Achtelfinale in Freiburg an. Elversberg wiederum bleibt auf Platz drei, festigt seine Heimstärke und reist am Samstag zum SC Paderborn. Für beide Teams gilt nach einem Nachmittag voller Chancen, Tempo und Unvollendetem: Dieser Punkt war richtig – aber er war auch zu wenig.

Erfahre mehr über die HYLO® Produkte bei Trockenen Augen