Fan Zhendongs Bundesliga-Debüt: Ernüchternder Start, aber große Zukunft für den FCS-TT

Der Hype war riesig, die Halle in Saarbrücken ausverkauft – doch zum Auftakt der neuen TTBL-Saison musste Superstar Fan Zhendong zweimal Lehrgeld zahlen. Trotz der 1:3-Niederlage gegen Bergneustadt blickt der 1. FC Saarbrücken Tischtennis positiv nach vorn: Der Olympiasieger wird sich finden, und die Saarländer haben noch alle Chancen auf eine erfolgreiche Spielzeit.
Fan Zhendong hatte sich seinen Einstand in der Tischtennis Bundesliga sicher anders vorgestellt. Wochenlang war über sein Debüt im Trikot des 1. FC Saarbrücken TT gesprochen worden, die Joachim-Deckarm-Halle war am Sonntag bis auf den letzten Platz gefüllt, Fans aus Deutschland, Europa und sogar aus China hatten Karten ergattert, um den Olympiasieger und mehrfachen Weltmeister erstmals im Ligabetrieb zu erleben. Es war das große Highlight des ersten Spieltags, ein Moment, auf den die gesamte Szene hingefiebert hatte. Und doch endete der Nachmittag nicht mit einem Triumph, sondern mit einer Niederlage, die das Team aus Saarbrücken zum Saisonstart zurückwarf. Bergneustadt war am Ende der Spielverderber, gewann mit 3:1 und verdarb damit die Premiere des vielleicht größten Transfers, den die Bundesliga je gesehen hat.
Für Fan war es ein Debüt voller Emotionen, aber sportlich ernüchternd. In seiner ersten Partie traf er auf den Franzosen Romain Ruiz, der ohne Respekt aufspielte, mit mutigen Angriffen und seinem unkonventionellen Rückschlagspiel immer wieder Punkte machte. Auch ein 1:2-Satzrückstand brachte Ruiz nicht aus der Fassung. Im Gegenteil: Er nutzte seine Chancen, zwang Fan zu Fehlern und entschied die Partie überraschend für sich. Dass die Bergneustädter genau auf diese Ansetzung gesetzt hatten, war kein Zufall. „Gegen Romain Ruiz’ unkonventionelles Harakiri-Spiel ist es unglaublich unangenehm zu spielen“, erklärte anschließend Benedikt Duda, der selbst noch eine große Rolle spielen sollte. Man habe bewusst darauf gesetzt, dass Fan Zeit brauche, um sich an die neuen Bedingungen zu gewöhnen – ein Plan, der aufging.
Doch Fan erhielt an diesem Tag keine Gelegenheit, den Fehlstart auszubügeln. In seinem zweiten Einzel wartete ausgerechnet Duda, die Nummer eins des TTC. Und auch hier zeigte sich: Die Bundesliga ist kein Selbstläufer, auch nicht für einen Spieler, der über Jahre hinweg die Weltrangliste anführte und im vergangenen Sommer in Paris Olympiasieger wurde. Duda spielte herausragend, suchte das Tempo, ging konsequent ins Risiko und nahm Fan mit 3:1 die zweite Niederlage des Tages ab. In den letzten beiden Durchgängen gelangen Fan gerade einmal acht Punkte, ein deutliches Zeichen dafür, wie schwer ihm der Einstieg in diesen Nachmittag fiel.
Der einzige Punkt für Saarbrücken ging an Darko Jorgic, der gegen Adrien Rassenfosse nichts anbrennen ließ und mit 3:0 klar gewann. Der Slowene zeigte damit, dass auf ihn in dieser Saison Verlass sein wird – und er machte zugleich deutlich, dass das Projekt mit Fan Zhendong kein Strohfeuer, sondern eine langfristige Geschichte sein soll. „Das Spiel hier ist absolut anders als in China – die Bälle, die Tische, die Spieler. Wir haben noch viele Spiele – der alte Fan Zhendong wird zurückkommen“, sagte Jorgic nach der Partie. Es war eine klare Botschaft: Niemand im Team zweifelt daran, dass der Chinese bald seine gewohnte Dominanz entfalten wird.
Das Spiel hier ist absolut anders als in China – die Bälle, die Tische, die Spieler. Wir haben noch viele Spiele – der alte Fan Zhendong wird zurückkommen
Darko Jorgic
Die Rahmenbedingungen machten ohnehin deutlich, welchen Stellenwert dieser Transfer für die Bundesliga hat. Die Halle war ausverkauft, das mediale Interesse riesig, die Zahl der Anfragen nach Tickets hatte alle Dimensionen gesprengt. Schon die Pressekonferenz zur Vorstellung von Fan hatte internationale Aufmerksamkeit erzeugt, mit zahlreichen chinesischen Medienvertretern vor Ort. Dass der Chinese bei seinem Debüt gleich zwei Niederlagen hinnehmen musste, ändert nichts an dieser Euphorie. Vielmehr macht es das Projekt noch spannender: Jeder weiß, dass Fan Zhendong zurückkommen wird, dass er Siege feiern und mit seinen Erfolgen den Hype weiter befeuern wird.
Die Niederlage zum Saisonstart war aus Saarbrücker Sicht ärgerlich, aber keinesfalls ein Beinbruch. Jeder in der Mannschaft weiß, dass sich ein Spieler dieser Kategorie an neue Bedingungen gewöhnen muss. Seit seinem Streit mit dem Weltverband ITTF und der darauf folgenden Pause hat Fan keine internationalen Turniere mehr bestritten. Nun trifft er in Deutschland auf neue Gegner, neue Hallen, neue Bälle – ein Umfeld, das Zeit braucht, um sich daran anzupassen. Dass er am Sonntag gleich auf einen Ruiz in Bestform und einen überragenden Benedikt Duda traf, machte die Aufgabe nicht leichter.
Für Saarbrücken ist klar: Der Weg in dieser Saison ist lang. In allen Wettbewerben – Bundesliga, Pokal und Champions League – soll Fan Zhendong zum Einsatz kommen. Dass er mit seiner Qualität noch viele Spiele entscheiden wird, steht außer Frage. Am kommenden Wochenende bietet sich schon die nächste Gelegenheit, wenn es zum Auswärtsspiel nach Bad Königshofen geht. Dort will der Chinese zeigen, dass die Auftaktniederlage nur eine Momentaufnahme war.
Die Botschaft des Tages war deshalb eine doppelte. Ja, die Bundesliga ist eine echte Herausforderung – und das ist auch für einen Olympiasieger keine Selbstverständlichkeit. Aber genauso klar ist: Mit Fan Zhendong hat Saarbrücken einen Spieler, der über kurz oder lang Maßstäbe setzen wird. Niederlagen wie die vom Sonntag gehören zur Geschichte eines Starts dazu, am Ende aber werden sie in Erinnerung bleiben als kleine Stolpersteine auf dem Weg zu den großen Zielen.