Fan-Zirkus in Bad Königshofen – Saarbrücken setzt sich mit 3:1 durch

Ein Dorf im Ausnahmezustand, ausverkaufte Halle, Fans aus aller Welt – und mittendrin Olympiasieger Fan Zhendong. Der 1. FC Saarbrücken Tischtennis gewann beim TSV Bad Königshofen mit 3:1, zeigte eine starke Teamleistung und feierte zugleich die Rückmeldung seines neuen Superstars.
Wenn in Bad Königshofen Bundesliga-Tischtennis gespielt wird, ist das für den kleinen Ort ohnehin kein Alltag. Helfer müssen Hallen umrüsten, Tribünen aufbauen, damit die Shakehands Arena den Ansprüchen der höchsten deutschen Spielklasse genügt. Doch was sich an diesem Wochenende abspielte, sprengte jedes gewohnte Maß. „Alles Fan Zhendong geschuldet“, erklärte TSV-Geschäftsführer Andreas Albert vor der Partie – und das war nicht übertrieben.
Denn seit dem Wechsel des 28-jährigen Olympiasiegers und zweimaligen Weltmeisters zum 1. FC Saarbrücken-TT herrscht in der Bundesliga ein Hype, wie es ihn seit den besten Tagen eines Timo Boll nicht mehr gegeben hat. Kartenbestellungen aus Australien, Neuseeland, Kanada oder Singapur erreichten den TSV. Selbst die Nachricht von Fans aus China, die noch nach Restkarten fragten, landete in der Woche vor dem Spiel in Alberts Postfach. Über 1.000 Zuschauer drängten sich schließlich in der Halle, Zusatztribünen wurden aufgebaut. Dass sogar das Hotel der Saarbrücker kurzfristig gewechselt werden musste, weil chinesische Fans den Aufenthaltsort herausgefunden hatten, passt in das Bild: Fan Zhendong elektrisiert.
Saarbrücken zeigt Stärke im Hexenkessel
Für die Saarbrücker war die Partie in Unterfranken mehr als nur ein Auswärtsspiel. Zum einen stand die Rehabilitation für die Auftaktniederlage gegen Bergneustadt im Raum, bei der ausgerechnet der neue Superstar beide Einzel verloren hatte. Zum anderen wollte man dem eigenen Anspruch gerecht werden, das Maß aller Dinge in Deutschland zu bleiben.
Und die FCS-Profis lieferten ab. Schon zum Auftakt zeigte Patrick Franziska, dass er als Routinier den Ton angeben kann. Gegen den hochmotivierten Andre Bertelsmeier, von den Fans mit Sprechchören nach vorne gepeitscht, blieb er cool und entschied die Partie klar mit 3:0 für sich (11:8, 11:8, 11:7). Ein erstes Ausrufezeichen in einer Halle, die bis dahin fest an ihren Lokalmatador geglaubt hatte.
Dann war es Zeit für den Mann, auf den alle warteten. Fan Zhendong betrat unter lautem „Jiayóu“-Rufen seiner chinesischen Anhänger die Box. Und er zeigte gleich im ersten Einzel, dass er sich von den Startschwierigkeiten der Vorwoche nicht unterkriegen ließ. Filip Zeljko wurde in den ersten beiden Sätzen regelrecht überrollt. Zwar meldete sich der Kroate nach einer Auszeit zurück und gewann den dritten Durchgang, doch Fan behielt die Nerven und brachte den Sieg mit 3:1 nach Hause. Der Applaus brandete von allen Seiten auf – Saarbrücken führte 2:0, und Fan Zhendong hatte sich zurückgemeldet.
Königshofen verkürzt – doch Fan macht den Deckel drauf
Im dritten Match wollte es Routinier Daniel Habesohn noch einmal wissen. Gegen Saarbrückens Eduard Ionescu setzte sich der Österreicher in vier Sätzen durch, obwohl er im dritten Durchgang gleich fünf Satzbälle liegen ließ. Mit unbändigem Kampfgeist nutzte er schließlich den sechsten und brachte die Shakehands Arena erneut zum Kochen. Nur noch 1:2 – die Hoffnung auf eine Sensation lebte.
Und dann kam das Duell, auf das alle gewartet hatten: Andre Bertelsmeier gegen Fan Zhendong. Es wurde zum emotionalen Höhepunkt des Abends. Der 22-Jährige aus Königshofen spielte mutig, attackierte, feuerte sich nach jedem Punkt an – und holte tatsächlich den zweiten Satz. Auch im dritten und vierten Durchgang hatte er Satzbälle, brachte sie aber nicht durch. Am Ende setzte sich die Weltklasse des Chinesen durch: 11:9, 9:11, 15:13, 12:10 – ein hart erkämpftes 3:1, das den Gesamtsieg für Saarbrücken sicherte.
„Gerade bin ich noch ein wenig enttäuscht, da ich meine Chancen hatte, aber sie nicht genutzt habe“, sagte Bertelsmeier anschließend bei Dyn. „Trotzdem freue ich mich, dass ich für die Fans – und auch die angereisten chinesischen Fans – ein Riesenspiel liefern konnte. In ein paar Stunden kann ich auch sehr stolz auf meine Leistung sein.“ Worte, die unterstrichen, wie außergewöhnlich die Atmosphäre an diesem Nachmittag war.
Ein Sieg mit Signalwirkung
Für Saarbrücken war das 3:1 mehr als nur der erste Saisonsieg. Es war die Bestätigung, dass die Mannschaft auch mit dem enormen Erwartungsdruck umgehen kann, den die Verpflichtung von Fan Zhendong mit sich bringt. Der Chinese meldete sich mit zwei Siegen zurück, Franziska bewies seine Führungsrolle, und selbst die Niederlage von Ionescu fiel nicht ins Gewicht.
TSV-Geschäftsführer Albert brachte es im Vorfeld auf den Punkt: „Überall, wo er spielen wird, werden die Hallen voll sein.“ Genau so war es in Bad Königshofen. Ein Dorf im Ausnahmezustand, eine Halle am Limit – und ein Saarbrücker Team, das die Kulisse nutzte, um Stärke zu zeigen.
Überall, wo er spielen wird, werden die Hallen voll sein.
TSV-Geschäftsführer Albert
Dass Fan noch Anpassungszeit braucht, wurde sichtbar. Aber ebenso deutlich war: Mit ihm, Franziska, Jorgic und Co. bleibt der 1. FCS TT das Team, das es in Deutschland und Europa zu schlagen gilt. Der Transfer hat nicht nur in der Bundesliga einen Hype ausgelöst, sondern auch sportlich das Potenzial, neue Maßstäbe zu setzen.