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FCS Tischtennis: Pokalsieg als Auftakt in 2026

Vor 5.200 Zuschauern in einer restlos ausverkauften Arena von Neu-Ulm hat der 1. FC Saarbrücken Tischtennis den Deutschen Pokal gewonnen – und damit weit mehr als einen weiteren Titel. Der Erfolg markiert den ersten Meilenstein eines ambitionierten Jahres, das sportlich wie strukturell zu den bedeutendsten der Vereinsgeschichte werden könnte. Der Blick zurück auf ein Finale von internationalem Format verbindet sich dabei unweigerlich mit dem Blick nach vorn.

Das Pokalfinale von Neu-Ulm war ein Ereignis, das über das bloße Ergebnis hinauswirkte. In der ratiopharm arena trafen sportliche Qualität, große Namen und eine Atmosphäre aufeinander, wie sie dem Tischtennis in Deutschland lange Zeit gefehlt hatte. 5.200 Zuschauerinnen und Zuschauer sorgten für ein ausverkauftes Haus, für eine Lautstärke, für eine Dichte, die deutlich machte, welche Strahlkraft dieser Sport inzwischen entfalten kann, wenn sportliche Qualität und der Rahmen zusammenpassen. Für den 1. FC Saarbrücken TT war dieses Finale dabei nicht nur eine Bühne, sondern eine Bewährungsprobe – denn die Saarbrücker waren mit einer klaren Favoritenrolle in das Final Four gegangen.

Diese Ausgangslage brachte naturgemäß Druck mit sich. Mit der Verpflichtung von Fan Zhendong hatte der Klub im Sommer nicht nur einen Tischtennis-Hype in ganz Deutschland ausgelöst, sondern sich zugleich in allen Wettbewerben in eine Position manövriert, in der Titel nicht mehr bloß möglich, sondern erwartet werden. Pokal, Liga, Champions League – überall ist Saarbrücken Teil des engsten Favoritenkreises. Umso bemerkenswerter war die Ruhe, mit der die Mannschaft diesen Erwartungen begegnete. Bereits im Halbfinale gegen die TTF Liebherr Ochsenhausen wartete ein Gegner, der selbst das Potenzial gehabt hätte, das Turnier zu gewinnen. Ochsenhausen präsentierte sich stabil, erfahren und mit dem Doppel-Weltmeister Shunsuke Togami in den Reihen, der seine Klasse eindrucksvoll unter Beweis stellte.

Besonders hervorzuheben war im Halbfinale die Leistung von Patrick Franziska, der ein starkes Spiel gegen Julian Kirillov zeigte und in den entscheidenden Momenten seine Ausnahmestellung bestätigte. Franziska verlieh dem Saarbrücker Auftritt Struktur und Sicherheit. Darko Jorgic hingegen ging angeschlagen in dieses Halbfinale. Erkältungsbedingt nicht im Vollbesitz seiner Kräfte, fand er gegen Togami kaum Zugriff, was auch der Qualität des Gegners geschuldet war. Dennoch blieb Saarbrücken stabil, setzte sich am Ende verdient mit 3:1 durch und zog ins Finale ein – getragen von einer geschlossenen Mannschaftsleistung, die bereits hier erkennen ließ, dass sich der Fokus nicht auf einzelne Namen verengte.

Im Endspiel wartete mit dem TTC RhönSprudel Fulda-Maberzell eine Mannschaft, die seit Jahren zur nationalen Spitze zählt. Angeführt von Dimitrij Ovtcharov, einst die Nummer eins der Weltrangliste, ergänzt durch erfahrene Akteure wie Ruwen Filus und Fanbo Meng, war Fulda bestens gerüstet für ein Finale auf Augenhöhe. Doch gleich der Auftakt setzte ein klares Zeichen. Mit fast schon beängstigender Routine nahm Fan Zhendong seinen Sieg zur Kenntnis. Mit 3:0 hielt der Olympiasieger Ovtcharov in Schach und stieß damit die Tür zum Titel weit auf. Eine kurze Siegesfaust, ein Nicken, ein Gruß ins Publikum – mehr Emotion zeigte Fan in diesem Moment nicht. Dabei fügte er der langen Liste seiner Titel eine weitere Trophäe hinzu und zugleich die erste in Deutschland.

Fulda ließ sich davon nicht entmutigen und meldete sich eindrucksvoll zurück. Ruwen Filus spielte gegen Franziska auf höchstem Niveau, hielt den kraftvollen Angriffen stand und fand immer wieder Lösungen in langen Ballwechseln. Nach einem 8:10-Rückstand im ersten Satz kämpfte er sich ebenso zurück wie nach einem 0:6 im zweiten. Im fünften Satz wehrte Filus schließlich einen Matchball ab und sicherte sich mit 14:12 den Ausgleich für Fulda. „Ich hab alles reingeschmissen – und wurde belohnt“, sagte Filus später und brachte damit die Qualität und Intensität dieses Finals auf den Punkt.

Doch die folgenden Einzel gehörten wieder dem Favoriten. Darko Jorgic, trotz seiner Erkältung, wurde seiner Rolle gerecht und gewann souverän gegen Fanbo Meng. Fan Zhendong legte anschließend mit einem weiteren 3:0 gegen Filus nach und machte den Pokalsieg perfekt. Patrick Franziska hatte sich zuvor in beiden Einzeln jeweils denkbar knapp geschlagen geben müssen – gegen Ovtcharov und Filus jeweils nach Matchball –, doch auch diese Niederlagen fügten sich in das Gesamtbild eines Finals, das weniger von einzelnen Ergebnissen als von der Breite und Stabilität des Saarbrücker Kaders entschieden wurde.

Entsprechend groß war die Erleichterung – und der Stolz. „Ich bin sehr glücklich über den Titelgewinn“, sagte Fan Zhendong. „Es war mein erstes Final Four und es hat sehr viel Spaß gemacht. Heute war ein besonderer Moment in meiner Karriere. Ich hoffe, in der Zukunft erneut bei diesem Event dabei sein zu können.“ Franziska verwies auf den Umgang mit der Favoritenrolle: „Wir haben mehr Druck verspürt als in den vergangenen Jahren. Der Titel war unser großes Ziel. Daher bin ich sehr stolz auf das gesamte Team und den gesamten Klub – auch, weil wir immer füreinander da waren. Wir sind einen langen Weg gegangen, der heute mit dem Pokalsieg gekrönt wurde.“

Ich bin sehr glücklich über den Titelgewinn

Fan Zhendong

Für Saarbrücken war es der dritte Pokalsieg der Vereinsgeschichte nach 2012 und 2022. Nach zwei verlorenen Finals in den vergangenen Jahren – 2024 gegen Borussia Düsseldorf, 2025 gegen Ochsenhausen – fügte sich dieser Erfolg nun als weiterer Baustein in eine bereits beeindruckende Trophäensammlung ein. Insgesamt zieren nun acht Titel die Vitrine des amtierenden Champions-League-Siegers. Fulda hingegen verpasste erneut den erstmaligen Pokalgewinn, zeigte sich aber respektvoll. TTC-Trainer Qing Yu Meng betonte: „Saarbrücken hat drei absolute Topspieler, gegen jeden ist es für uns sehr schwer. Glückwunsch an Saarbrücken. Trotz der Niederlage bin ich sehr stolz auf meine Spieler, sie haben alles gegeben.“ Auch Filus zog ein positives Fazit: „Wir müssen anerkennen, dass Saarbrücken die bessere Mannschaft war und daher verdient gewonnen hat. Daher sind wir insgesamt sehr froh über die Silbermedaille.“

Mindestens ebenso bemerkenswert wie das sportliche Niveau war der Rahmen dieses Final Four. 5.200 Fans sorgten für einen neuen Zuschauerrekord, für eine Atmosphäre, die dem Endspiel titelwürdige Bedingungen verlieh. Nicht nur in der Halle, sondern auch medial erreichte das Event große Reichweiten. Alle Partien wurden live bei Dyn übertragen, ergänzt durch Re-Lives und Highlight-Formate. Darüber hinaus fand das Turnier internationale Beachtung, unter anderem in China, wo regelmäßig auch Spiele der TTBL ausgestrahlt werden. Die ARD-Sportschau, der Saarländische Rundfunk sowie der SWR und HR griffen das Final Four ebenfalls auf. Nico Stehle, Geschäftsführer der Tischtennis Bundesliga GmbH, sprach von einem „großartigen Final Four mit herausragender Atmosphäre und Weltklasse-Tischtennis“ und kündigte an, auch in der kommenden Saison wieder in der ratiopharm arena zu Gast zu sein.

Aus Saarbrücker Sicht fügte sich dieser Pokalsieg nahtlos in eine Entwicklung ein, die längst über einzelne Wettbewerbe hinausreicht. Der Erfolg markierte den ersten greifbaren Schritt einer sogenannten Triple-Mission – und zugleich den Auftakt in ein Jahr, das weitere Höhepunkte bereithält. Besonders im Fokus steht dabei das Champions-League-Viertelfinale. Das klare Ziel lautet Final Four, verbunden mit dem Traum, dieses Turnier eines Tages wieder in der heimischen Saarlandhalle auszutragen. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wurde das Heimspiel bewusst nach Trier vergeben, wo eine Halle mit bis zu 5.000 Plätzen zur Verfügung steht. Dieses Spiel besitzt das Potenzial, zu einem „Spiel des Jahrhunderts“ für den Verein zu werden – mit vollen Rängen, außergewöhnlicher Atmosphäre und Tischtennis auf höchstem internationalen Niveau.

Parallel dazu richtet sich der Blick auf die Bundesliga. Trotz zwei bis drei überraschender Niederlagen blickt der FCS auf eine insgesamt sehr positive Vorrunde zurück und belegt aktuell den zweiten Tabellenplatz. Der Kampf um die Playoffs ist eng, die Abstände gering. Für die Rückrunde lautet das Ziel, diese Position zu verteidigen und sich unter den ersten beiden Teams der Liga zu etablieren. Die Mannschaft wirkt fokussiert, bereit, in den entscheidenden Phasen noch einmal zuzulegen. Natürlich ist den Verantwortlichen bewusst, dass das Jahr 2026 auch Veränderungen mit sich bringen kann. Umbrüche gehören zum Profisport ebenso wie Erfolge. Doch über allem stehen derzeit Euphorie, Vorfreude und das Bewusstsein, Teil einer Entwicklung zu sein, die sportlich wie organisatorisch Maßstäbe setzt. Der Pokalsieg von Neu-Ulm war kein Abschluss, sondern ein Signal – und möglicherweise erst der Anfang eines Jahres, das für den 1. FC Saarbrücken Tischtennis noch lange in Erinnerung bleiben wird.

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