Flutlicht, Moral und zwei Tore – Elversberg dreht das Spiel in Dresden

Vor 30.000 Zuschauern im Rudolf-Harbig-Stadion gerät die SV Elversberg früh in Rückstand – und gewinnt dennoch. Beim 2:1 bei Dynamo Dresden zeigt die Mannschaft von Vincent Wagner Geduld, Qualität und Nervenstärke. Es ist der nächste Sieg im Samstagabend-Topspiel – und ein deutliches Signal im Aufstiegskampf.
Flutlichtspiele erzählen ihre eigenen Geschichten. In Dresden beginnt sie aus Sicht der SV Elversberg mit einem Nackenschlag – und endet mit einem Ausrufezeichen. Nach dem 3:1-Erfolg im Topspiel in Kaiserslautern vor zwei Wochen dreht die Mannschaft von Vincent Wagner bei der SG Dynamo Dresden einen Rückstand und nimmt drei Punkte mit ins Saarland. Es sind Punkte, die in einer engen Liga Gewicht haben. Und es sind Punkte, die zeigen, wie stabil diese Mannschaft inzwischen ist.
Wagner musste auf den angeschlagenen Jan Gyamerah verzichten, brachte Lasse Günther und Felix Keidel zurück ins Aufgebot, stellte Amara Condé im Zentrum von Beginn an auf. Zudem feierte Winterzugang Immanuël Pherai nach seiner Einwechslung in der zweiten Halbzeit sein Debüt im SVE-Trikot.
Die Partie begann mit einem klaren Plan. Elversberg wollte das Spiel kontrollieren, früh Druck erzeugen, das Stadion beruhigen. In der vierten Minute kam Lukas Petkov nach einem langen Ball von Lukasz Poreba zum Abschluss, setzte den Ball jedoch zu zentral auf Dynamo-Keeper Tim Schreiber. Es war ein erster Fingerzeig.
Doch Dresden antwortete – mit Wucht. Immer wieder schafften es die Sachsen, Druck auf den Ball zu bekommen. In der 12. Minute landete der Ball über Hauptmann und Bobzien bei Alexander Rossipal. Dessen Linksschuss schlug unhaltbar im rechten Eck ein. „Das 1:0 war zudem ein gutes Tor, er knallt ihn brutal ins Eck“, ordnete Wagner später ein. Dynamo nutzte seine erste klare Aktion – und hatte das Stadion hinter sich.
Die Hausherren blieben mutig. In der 24. Minute jubelte das Stadion erneut, als Jason Ceka traf – doch der Treffer wurde wegen Abseits aberkannt. Dresden spielte mit hoher Intensität, aggressiv im Pressing, diszipliniert im Block. „Die Dresdner pressen mittlerweile außerordentlich gut. Das haben sie in der Vorrunde auch schon gemacht, jetzt sind sie echt mit einer geilen Intensität unterwegs“, sagte Wagner anerkennend.
Elversberg brauchte einen Moment, um die Ordnung wiederzufinden. In dieser Phase war Dynamo das präsentere Team. Und doch zeichnete sich schon vor der Pause ab, dass Elversberg den Zugriff zurückerlangte. Poreba verpasste nach Vorarbeit von Mickelson und Mokwa knapp den Ausgleich, ein Distanzschuss von Petkov wurde geblockt. Die Gäste waren wieder da. Dynamo-Keeper Tim Schreiber sprach nach dem Spiel von „der besten ersten Halbzeit, die ich je von uns gesehen habe“. Und doch stand es nur 1:0.
Nach dem Seitenwechsel veränderte sich das Spiel. Elversberg kehrte mit mehr Druck zurück, suchte schneller die Tiefe, gewann mehr zweite Bälle. Keidel traf in der 49. Minute nur das Außennetz, Petkov verzog aus kurzer Distanz. Die Gäste erhöhten die Schlagzahl.
In der 58. Minute fiel der Ausgleich. Ein perfekter Ball in die Tiefe von Rohr, Mickelson setzte sich über links durch, zog leicht in den Strafraum und schob flach an Schreiber vorbei zum 1:1 ein. Es war sein erstes Pflichtspieltor für die SVE. Der Jubel dauerte nur kurz. Petkov griff sich den Ball, trug ihn zum Mittelkreis. Elversberg wollte mehr. Dresden verlor nun an Präsenz. Patrick Helmes analysierte später als Experte bei RTL Nitro: „Sie haben eine erste Halbzeit gezeigt, die wirklich super war, aber am Ende steht trotzdem eine Niederlage.“ Der Knackpunkt sei gewesen: „Vielleicht hast du dann zu viel Energie verbrannt. Vor allem in der zweiten Halbzeit hat gefehlt, die Bälle so zu sichern, dass die Mitspieler nachrücken können. Deshalb hat Elversberg das Spiel gedreht.“
Der Führungstreffer fiel dann in der 78. Minute. Günther scheiterte zunächst an Schreiber, der Ball sprang Richtung Elfmeterpunkt – Petkov war zur Stelle und jagte den Rebound mit Wucht flach links unten ins Netz. 2:1 für Elversberg. Ein Spiel gedreht, mit Geduld und Konsequenz.
Doch entschieden war nichts. Dresden warf alles nach vorn. In der 83. Minute klärte Petkov auf der Linie gegen Daferner – eine Rettungstat, die mindestens so wichtig war wie sein Tor. Wagner sagte später offen: „Wir waren in diesem tollen Stadion der glückliche Gewinner. Nicht unverdient, aber glücklich. Bekommen wir hinten raus den Ausgleich, dürfen wir uns nicht beschweren.“ Und Petkov? Der empfand seine Klärungsaktion am Mikrofon von Sky ebenfalls wichtiger: „Ich glaube aus emotionaler Sicht war diese Klärungsaktion weitaus wichtiger.“ Von diesem Rückschlag wäre es schwer geworden sich zu erholen. Doch es war noch nicht Schluss.
Wir waren in diesem tollen Stadion der glückliche Gewinner. Nicht unverdient, aber glücklich.
SVE-Trainer Vincent Wagner
In der Nachspielzeit musste Nicolas Kristof zweimal in höchster Not retten. Gegen Lemmer und Herrmann parierte er innerhalb von Sekunden – zwei Reflexe, die den Sieg festhielten. „Da hatten wir Glück. Auf die Kurve brennt es immer lichterloh. Am Ende hatten wir Glück gegen einen Gegner, der mittlerweile richtig gut drauf ist“, sagte Wagner.
Dynamo-Coach Thomas Stamm ärgerte vor allem die Phase nach der Pause. „Es ist uns in der zweiten Hälfte nicht mehr gelungen, mit der nötigen Intensität Druck draufzubekommen, da war öfters mal der Fuß frei beim Gegner. Elversberg hatte die Effektivität, die wir diesmal nicht hatten. Die brauchst du, um gegen eine sehr, sehr gute Mannschaft Punkte mitzunehmen.“ Und weiter: „Wenn du weißt, welche Muster und welche Abläufe sie spielen, müssen wir es am Ende besser verteidigen.“ Doch auch er nimmt etwas positives mit aus diesem Spiel: „Wir können gegen so eine Mannschaft teilweise auf Augenhöhe oder sogar besser agieren, das nehmen wir mit.“ Vincent Wagner richtete nach Abpfiff auch Worte an den Gegner: „Ich wünsche den Dresdnern alles Gute in Richtung Klassenerhalt. Macht so weiter, wie ihr in den letzten Wochen unterwegs wart, dann klappt das schon.“
Gleichzeitig musste Wagner die Dimension des Sieges an den Mikrofonen einordnen. Zwischenzeitlich stand Elversberg auf Rang zwei, am Ende des Spieltags nach Schalkes Sieg und Paderborns Remis auf Platz drei. Doch der Trainer blieb gewohnt ruhig. „Ich träume auch immer davon, aufzusteigen. Ich träume auch jeden Morgen davon, aufzustehen. Letztes Jahr hatte ich das Vergnügen, mit einer tollen Mannschaft aufzusteigen. Das macht unfassbar viel Spaß. Aber davon sind wir noch so weit weg wie die Erde von der Sonne.“ Viel wichtiger sei ihm „die Art und Weise, wie wir Fußball gespielt haben“. Und über die Liga sagte er: „Die Liga ist unfassbar eng. In der Winterpause hätte man denken können, die ersten setzen sich vielleicht mal ab – zwei, drei gehen weg mit einem Schnitt über zwei Punkten. Aber jetzt siehst du: Darmstadt hat nach 22 Spielen 42 Punkte, ein Schnitt weit unter zwei – und das ist exzellent, weil es reicht, um Tabellenführer zu sein. Daran siehst du, wie unfassbar eng die Liga ist.“
Die Liga ist unfassbar eng.
SVE-Trainer Vincent Wagner
Die Liga ist eng, Helmes lobte die Ausstrahlung der Elversberger und sieht auch darin ein Erfolgsgeheimnis in dieser 2. Liga: „Das Interessante bei ihnen ist: Sie haben vielleicht nicht ihr bestes Spiel heute gemacht, aber sie haben trotzdem eine Ruhe und eine Ausstrahlung. Und das Wichtige ist eigentlich diese Selbstsicherheit, die sie ausstrahlen.“ Elversberg habe sich wie „eine Spitzenmannschaft“ präsentiert.
Vier Punkte aus den vorangegangenen vier Partien hatten die Dynamik zuletzt gebremst. Der Sieg in Dresden bringt die SVE zurück ins Rennen – weil sie in einer hitzigen Atmosphäre bei sich geblieben ist und Ruhe ausgestrahlt hat. Am kommenden Samstag geht es an der Kaiserlinde weiter, wenn Eintracht Braunschweig in der URSAPHARM-Arena zu Gast ist. Die Liga bleibt eng, die Tabelle eng beisammen. Doch in Dresden hat Elversberg gezeigt, dass sie auch in fremder, aufgeheizter Atmosphäre bestehen kann.