„Herausforderung“ in Braunschweig für die SV Elversberg

Mit fünf ungeschlagenen Spielen in Serie reist die SV Elversberg selbstbewusst zur Eintracht – und trifft dort auf einen Gegner, der sich stabilisiert hat, aber weiterhin auf einen Heimsieg wartet. Trainer Vincent Wagner spricht von einer „ordentlichen Wucht“, die auf seine Mannschaft zukommt. Doch die SVE bringt Stabilität, Spielfreude und Effizienz mit in den Norden – und will auch im Eintracht-Stadion bestehen.
Es ist noch keine zehn Monate her, dass die SV Elversberg am 33. Spieltag der vergangenen Saison Eintracht Braunschweig mit 3:0 bezwang und dem damaligen Gegner damit einen tiefen Dämpfer im Abstiegskampf versetzte. Fisnik Asllani und Muhammed Damar erzielten damals früh die Tore, Elversberg dominierte, Braunschweig wirkte konsterniert. An diesem Samstag, gut ein Drittel Jahr später, treffen sich beide Klubs erneut – diesmal allerdings in einem veränderten Kontext. Die Partie in Niedersachsen ist keine Pflichtaufgabe am Ende einer kräftezehrenden Saison, sondern eine überraschende Standortbestimmung zu einem frühen Zeitpunkt. Und für Elversberg ist es der nächste Gradmesser einer Mannschaft, die sich trotz aller Umbrüche nicht aus dem Tritt bringen lässt.
Vincent Wagner formuliert es wie immer sachlich, aber mit Respekt:
In Braunschweig zu spielen, ist eine Herausforderung. Da kommt schon eine ordentliche Wucht auf uns zu.
Der SVE-Cheftrainer weiß, dass seine Mannschaft beim kommenden Auswärtsspiel auf eine gewachsene Einheit trifft, die sich unter dem neuen Trainer Heiner Backhaus deutlich stabilisiert hat. Vor allem das Pokalspiel gegen den VfB Stuttgart diente als Frühindikator für Braunschweigs Entwicklung. Zwar schied die Eintracht unglücklich im Elfmeterschießen aus, hatte dem Bundesligisten aber in den 120 Minuten zuvor leidenschaftlich Paroli geboten. Wagner sah das Spiel genau: „Sie haben guten Fußball gespielt und tolle Tore geschossen.“
Dass Braunschweig seither in der Liga nicht mehr dreifach punkten konnte, ändert wenig an der sportlichen Einschätzung: Das Team wirkt deutlich gefestigter als noch in der Vorsaison, als es nur über die Relegation den Klassenerhalt schaffte. Entsprechend groß ist der Respekt in Elversberg vor den Gastgebern. Gefährliche Konter, gefährliche Standards, intensive Atmosphäre – Vincent Wagner hat die neuralgischen Punkte klar benannt. Und doch liegt der Fokus wie so oft auf dem eigenen Spiel.
Denn die SVE hat sich in den vergangenen Wochen eine Ausgangslage erarbeitet, die in der 2. Bundesliga alles andere als selbstverständlich ist. Zehn Punkte aus fünf Spielen, darunter späte Treffer gegen Dresden, Kaiserslautern und Nürnberg, eine gefestigte Spielidee, die auch nach dem Trainerwechsel Bestand hat, und ein Kader, der die Abgänge zentraler Leistungsträger erstaunlich schnell kompensieren konnte. Ein Faustpfand ist dabei die Arbeitseinstellung in der Trainingswoche vor den Spielen: „Unsere Jungs haben in dieser kurzen Woche sehr gut und intensiv gearbeitet. Wir freuen uns auf das Spiel.“
Dabei sind es vor allem drei Punkte, die die aktuelle Stabilität der Elversberger untermauern. Erstens: die offensive Variabilität. Mit inzwischen zwölf herausgespielten Großchancen liegt Elversberg in dieser Kategorie ligaweit an der Spitze. Nur Holstein Kiel kommt an diesen Wert heran. Zweitens: die Effizienz bei ruhenden Bällen. Ein Drittel der bisherigen Saisontore fielen nach Standardsituationen – auch das ein Spitzenwert. Drittens: die mentale Widerstandskraft. Gleich drei Mal traf Elversberg in der Nachspielzeit der zweiten Hälfte und sicherte sich damit wertvolle Punkte.
Trotzdem ist nicht alles Gold, was statistisch glänzt. In Sachen Laufdistanz belegt die SVE den letzten Platz der Liga. Doch statt als Schwäche wird dieser Wert als Ausdruck eines kontrollierten Spiels interpretiert. Denn in puncto Ballbesitz steht Elversberg auf Platz eins: durchschnittlich 56 Prozent Ballkontrolle pro Partie belegen eine Spielanlage, die auf Struktur, Ruhe und gezielte Tempowechsel setzt.
Heiner Backhaus, Trainer des Gegners, sieht das ähnlich.
Es ist sehr beachtlich, was die Elversberger leisten. Sie haben viel Qualität verloren, aber trotzdem ihre Abläufe beibehalten.
Seine Analyse fällt differenziert aus, auch wenn der Fokus natürlich auf der eigenen Heimstärke liegt: „Wir glauben, dass wir mit den Fans im Rücken die Chance haben, etwas mitzunehmen.“
Für Elversberg bietet sich in Braunschweig nun die Möglichkeit, das sechste Pflichtspiel in Folge ohne Niederlage zu absolvieren und sich weiter in der Spitzengruppe der Liga zu behaupten. Während Braunschweig seit drei Partien auf einen Sieg wartet, zeigt der Trend der Saarländer in eine andere Richtung.
In Braunschweig wird die Mannschaft dafür erneut ein Spiel annehmen müssen, das körperlich und emotional geführt werden dürfte. Ein Punkt, der in der Vorsaison nicht immer zur Elversberger DNA zu passen schien, inzwischen aber zunehmend zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Die vergangenen Wochen haben gezeigt, dass sich die SVE nicht nur auf ihr Spiel verlässt, sondern auch auf veränderte Spielverläufe reagieren kann. Spielerisch reif, taktisch flexibel und mit wachsender Selbstverständlichkeit geht die SVE ihren Weg auch in dieser Saison.
Die bisherigen Auftritte waren überzeugende Auftritte. Der kommende Samstag könnte der nächste werden. Mit den altbewährten Mitteln. Und mit dem Wissen, dass ein Spiel in Niedersachsen mehr sein kann als ein weiterer Auswärtsauftritt. Nämlich eine Zwischenetappe auf dem Weg zur nächsten Reifeprüfung.