Jorgic geht, Calderano kommt: Der 1. FC Saarbrücken Tischtennis baut den Kader für die kommende Saison

Der Abschied von Darko Jorgic markiert eine Zäsur beim 1. FC Saarbrücken Tischtennis. Als direkte Antwort verpflichtet der Champions-League-Sieger mit Hugo Calderano einen der besten Spieler der Welt. Weitere Ab- und Zugänge flankieren den personellen Umbruch zur neuen Saison.
Beim 1. FC Saarbrücken Tischtennis kommt es zur neuen Saison zu spürbaren Kaderveränderungen. Auslöser ist ein strukturelles Problem im internationalen Tischtennis, das den Club unmittelbar betrifft: die hohe Belastung durch Liga-, Champions-League- und WTT-Termine. Dieses System führte bereits im vergangenen Sommer dazu, dass Olympiasieger Fan Zhendong nach Saarbrücken wechselte – und sorgt nun dafür, dass mit Darko Jorgic ein prägender Spieler den Verein verlässt.
Der 27-jährige Slowene wird den Champions-League-Sieger im Sommer verlassen und sich künftig stärker auf seine Einzelkarriere konzentrieren. „Ich bin traurig. Das ist wirklich schmerzhaft für mich nach acht Jahren, ich war hier sehr glücklich. Ich habe es sehr genossen, für den FCS zu spielen. Es fühlte sich wie eine Heimat an“, sagte Jorgic der Saarbrücker Zeitung. Zugleich machte er deutlich, warum er diesen Schritt geht: „Aber ich habe mich entschieden, mich auf meine Einzelkarriere zu konzentrieren.“ Nach aktuellem Stand zieht es ihn nach Polen, der neue Club steht noch nicht fest. Dort soll er deutlich weniger Ligaspiele absolvieren müssen, um mehr Freiräume für Turniere der World Table Tennis Tour sowie für EM- und WM-Wettbewerbe zu haben. Über allem steht für Jorgic das Ziel Olympische Spiele 2028 in Los Angeles. „Ich habe gemerkt, dass die ständige Reiserei zwischen Slowenien, Deutschland und den WTT-Turnieren auf Dauer zu viel geworden ist. Diese Entscheidung ist nicht gegen den Club, sondern für meine Familie und meinen künftigen Weg auf der WTT-Tour.“ Eine Rückkehr schließt er nicht aus: „Du weißt nie. Wenn der FCS irgendwann mal wieder anfragen würde, würde ich darüber nachdenken. Wir werden auf jeden Fall in Kontakt bleiben.“ Der Verein kam Jorgic dabei entgegen und wandelte den ursprünglich bis 2027 datierten Vertrag in ein bis diesen Sommer laufendes Arbeitspapier um.
Neben Jorgic stehen weitere Abgänge fest. Cedric Meissner und Yuto Muramatsu werden den Verein ebenfalls verlassen. Meissner überzeugte in der TTBL und in der 2. Bundesliga mit konstanten Leistungen, wurde in der laufenden Saison jedoch früh durch eine Verletzung ausgebremst. Insgesamt konnte der FCS ihm nicht die Anzahl an Einsätzen bieten, die seiner sportlichen Entwicklung entsprochen hätte. In beiderseitigem Einvernehmen wurde daher eine Lösung gefunden, die ihm neue Perspektiven eröffnet – voraussichtlich innerhalb der TTBL. Muramatsu blickt dankbar auf seine Zeit in Saarbrücken zurück: „Die Jahre beim 1. FC Saarbrücken Tischtennis waren für mich etwas ganz Besonderes. Ich bin stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben, und danke dem Verein, dem Team und den Fans für die Unterstützung.“ Vereinspräsident Erwin Berg würdigte beide Spieler ausdrücklich: „Beide Spieler hatten großen Anteil an den Erfolgen der vergangenen Jahre. Drei tolle Jahre im FCS-Trikot mit jeweils zwei Champions-League-Siegen sowie dem Gewinn des Pokals sprechen für sich.“
Auf der Zugangsseite setzt der FCS auf internationale Erfahrung und gezielte Verstärkung. Mit Álvaro Robles und Albert Vilardell kommen zwei spanische Spieler an die Saar. Robles, Vize-Weltmeister im Doppel von 2019, bringt als 34-Jähriger große Routine und Führungsqualitäten mit. „Der Schritt nach Saarbrücken ist für mich eine Entscheidung, die ich mit großer Begeisterung und dem klaren Gefühl treffe, bereit für eine neue, große Herausforderung zu sein – sportlich wie persönlich“, erklärte Robles. Team-Manager Nicolas Barrois sieht in ihm einen wichtigen Baustein: „Álvaro hat bereits mehrfach bewiesen, dass er ein Team sowohl im Einzel als auch im Doppel enorm bereichern kann. Darüber hinaus ist er menschlich einfach ein großartiger Typ.“ Vilardell wechselt vom 1. FSV Mainz 05 nach Saarbrücken und soll sowohl in der TTBL als auch in der zweiten Mannschaft eingesetzt werden. „Ich habe mich für den Wechsel nach Saarbrücken entschieden, weil ich hier große Möglichkeiten sehe, mein Spiel weiterzuentwickeln und mich sportlich deutlich zu verbessern“, sagte der 23-Jährige.
Mit der Verpflichtung von Hugo Calderano beantwortet der 1. FC Saarbrücken Tischtennis den Abgang von Darko Jorgic nicht mit einer Übergangslösung, sondern mit einem Spieler aus der absoluten Weltspitze. Der Brasilianer zählt seit Jahren zu den konstantesten Akteuren der internationalen Szene und prägte zuletzt maßgeblich die World-Table-Tennis-Tour. In der Saison 2025 gewann Calderano zahlreiche Topduelle gegen Spieler aus dem chinesischen Spitzenkader und etablierte sich als feste Größe unter den besten drei Spielern der Welt.
Sportlich bringt der 29-Jährige ein Profil mit, das sich in zentralen Punkten vom Spielstil Jorgics unterscheidet – und dem FCS dennoch neue Optionen eröffnet. Calderano agiert variabler, wechselt häufiger das Tempo und verbindet enorme Grundsicherheit mit hoher Kreativität in der Ballplatzierung. Seine Fähigkeit, längere Ballwechsel auf höchstem Niveau zu kontrollieren, macht ihn insbesondere in engen Champions-League-Partien zu einem entscheidenden Faktor. Zugleich verfügt er über große Erfahrung im deutschen Ligabetrieb, den er aus mehreren Jahren bei den TTF Ochsenhausen bestens kennt.
Auch strategisch passt der Transfer exakt in die neue Kaderstruktur. Während Jorgic als Dauerstarter stark in das Wochenpensum eingebunden war, ermöglicht Calderanos internationale Erfahrung eine flexiblere Einsatzplanung. Dass der Brasilianer dank seines portugiesischen Passes als EU-Spieler gilt, verschafft dem FCS zudem Planungssicherheit im Hinblick auf die Regularien der TTBL und der europäischen Wettbewerbe. Der Verein gewinnt damit Handlungsspielraum – sportlich wie organisatorisch.
Darüber hinaus steht Calderano für eine Persönlichkeit, die dem Selbstverständnis des Clubs entspricht. Ruhig, reflektiert und teamorientiert gilt er als Profi, der sich bewusst in bestehende Strukturen einfügt. Seine internationale Vita, seine Vielseitigkeit abseits des Sports und seine Nähe zu den Fans unterstreichen den Anspruch des FCS, nicht nur sportliche Qualität, sondern auch Stabilität und Identifikation zu sichern.
Der Transfer ist damit mehr als ein Ersatz für einen Abgang. Er ist ein klares Signal: Der 1. FC Saarbrücken Tischtennis bleibt trotz personeller Einschnitte ein Fixpunkt der europäischen Spitze – und setzt im Zentrum seines Umbruchs bewusst auf Weltklasse statt auf Risiko.
Am morgigen Dienstagabend steht für den 1. FC Saarbrücken Tischtennis zudem das nächste Pflichtspiel an. In der TTBL empfängt der FCS um 19:00 Uhr den TTC Zugbrücke Grenzau in der Joachim-Deckarm-Halle. Die Partie markiert den Auftakt in eine intensive Phase, in der die Mannschaft trotz der anstehenden personellen Veränderungen sportlich weiter Stabilität zeigen will.