Kriselnde Düsseldorfer an der Kaiserlinde – SVE will Erfolgsserie ausbauen

Wenn die SV Elversberg Fortuna Düsseldorf in der URSAPHARM-Arena an der Kaiserlinde empfängt, scheint die Ausgangslage auf den ersten Blick eindeutig. Doch gerade diese Paarung hat in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass klare Vorzeichen allein wenig über den tatsächlichen Spielverlauf aussagen.
Auf dem Papier ist die Rollenverteilung klar: Die SV Elversberg mischt auch in dieser Saison ganz oben mit, Fortuna Düsseldorf reist als krisengeplagtes Team an, das dringend Punkte benötigt. Der Trainerwechsel von Daniel Thioune zu Markus Anfang brachte nicht den erhofften Umschwung, nun gab auch Klaus Allofs bekannt, über den Sommer hinaus nicht mehr zur Verfügung zu stehen – auch wenn er damit wohl eher einer vorzeitigen Entlassung entgegenwirken wollte.
Doch so eindeutig, wie es die Tabelle vermuten lässt, waren die Duelle zwischen beiden Klubs zuletzt selten. In sechs Pflichtspielen gab es für die Fortuna nur zwei Niederlagen, dazu drei Unentschieden und einen deutlichen 5:0-Erfolg im Saarland. Auffällig: In allen bisherigen Aufeinandertreffen gewann nie die jeweilige Heimmannschaft – ein Kuriosum.
Die Elversberger gehen nach den letzten Partien mit verdientem Rückenwind in das Spiel. Nach 15 Spieltagen stehen 30 Punkte zu Buche, Rang zwei ist der verdiente Lohn einer bislang stabilen Saison. Der große personelle Umbruch im Sommer hat die Mannschaft von Vincent Wagner nicht aus dem Tritt gebracht. Vielmehr wirkt die SVE erneut wie ein Team, das seinen Rhythmus gefunden hat. Drei Spiele in Serie blieb Elversberg zuletzt ungeschlagen, nachdem es zuvor ein wenig „kriselte“. Der 2:1-Erfolg im Spitzenspiel beim SC Paderborn unterstrich einmal mehr die Reife dieser Mannschaft. Mit 29 erzielten Toren stellt die SVE zudem die beste Offensive der Liga.
Fortuna Düsseldorf reist hingegen mit vielen offenen Fragen an. Die sportliche Krise ist offensichtlich, und der Druck auf das Team von Markus Anfang wächst. Dennoch hat der Fortuna-Trainer klare Vorstellungen davon, wie seine Mannschaft in Elversberg bestehen will. Trotz des Ausfalls von Vizekapitän Tim Oberdorf wird Düsseldorf am grundsätzlichen Matchplan festhalten. „Wir müssen mit vielen Spielern im Zentrum agieren, um gut gegen den Ball zu sein. Es ist wichtig, dass man ihnen nicht so viel Platz lässt“, erklärte Anfang mit Blick auf die Spielweise der Elversberger. Entscheidend sei eine Zone mit hoher Kompaktheit: „Sie dürfen nicht in ihr Spiel kommen und wir müssen eine Zone haben, in der wir eine gewisse Kompaktheit haben.“
Wir müssen mit vielen Spielern im Zentrum agieren, um gut gegen den Ball zu sein. Es ist wichtig, dass man ihnen nicht so viel Platz lässt
Fortuna-Trainer Markus Anfang
Dabei geht es Anfang ausdrücklich nicht um passives Verteidigen. Vielmehr beschreibt er ein variables Pressing, das zwischen höherem Anlaufen und kontrolliertem Zurückziehen pendelt. „Du musst phasenweise höher verteidigen und auch Situationen haben, in denen du tief, aber nicht tiefer verteidigst“, sagte der 51-Jährige und präzisierte: „Tief heißt: Ich stehe hinten drin. Das wollen wir aber nicht. Tiefer heißt, dass man Mitte der eigenen Hälfte und am Mittelkreis im Pressing unterwegs ist. Da musst du dann auch zupacken.“ Kompaktheit, Bissigkeit und gezielte Ballgewinne sollen der Schlüssel sein, ergänzt durch eine bessere Boxbesetzung und mehr Offensivpräsenz. Gleichzeitig bleibt für Düsseldorf ein Thema zentral: defensive Stabilität. „Trotzdem gibt es einen Baustein, dass wir auch mal zu Null spielen“, betonte Anfang und verwies auf zuletzt zu leicht verteidigte Standardsituationen als es gegen Schalke 04 zwei Mal nach einem Einwurf klingelte.
Auf Elversberger Seite ruht der Fokus erneut auf einer Offensive, die ligaweit Maßstäbe setzt. Besonders Younes Ebnoutalib ist längst mehr als nur eine Momenterscheinung. Der 22-Jährige kommt nach 15 Einsätzen auf elf Tore und ist damit der gefährlichste Angreifer der Liga. Seine Bedeutung für das Spiel der SVE lässt sich auch statistisch greifen: Mehr als ein Drittel aller Elversberger Treffer gehen auf sein Konto. Passend dazu setzte Ebnoutalib in dieser Woche ein deutliches Zeichen und bekannte sich klar zum Verein. „Es gibt aktuell keinen besseren Verein für mich“, sagte der Stürmer und stellte unmissverständlich klar: „Ich bleibe bis zum Saisonende in Elversberg. Das habe ich für mich so entschieden.“ Seine Begründung ist ebenso nüchtern wie selbstbewusst: „Ich konnte mich hier in noch nicht einmal einem Jahr enorm entwickeln. Und ich denke, dass es aktuell keinen besseren Verein für mich gibt, um diese Entwicklung fortzuführen.“
Ich konnte mich hier in noch nicht einmal einem Jahr enorm entwickeln. Und ich denke, dass es aktuell keinen besseren Verein für mich gibt, um diese Entwicklung fortzuführen.
Younes Ebnoutalib
Neben Ebnoutalib sorgt auch Bambasé Conté regelmäßig für Torgefahr. Der von der TSG Hoffenheim ausgeliehene Offensivspieler überzeugt nicht nur mit drei Toren und fünf Assists, sondern auch mit Konstanz und Spielintelligenz. Gemeinsam mit Kreativspielern wie Zimmerschied und der stabilen Achse um Kapitän Lukas Pinckert prägt er ein Elversberger Spiel, das auf Ballkontrolle, Präzision und klaren Abläufen basiert. Durchschnittlich fast 55 Prozent Ballbesitz und eine Passquote von 84,6 Prozent unterstreichen den Anspruch der SVE, Spiele aktiv zu gestalten.
Gleichzeitig liefert die Statistik auch Ansatzpunkte für den Gegner. In Kopfballduellen gehört Elversberg zu den schwächeren Teams der Liga, auch die Laufleistung liegt im unteren Bereich. Aspekte, die Düsseldorf bewusst adressieren will – mit Intensität, Tempo und gezielten Flanken. Ob das reicht, um die Struktur der SVE nachhaltig zu stören, bleibt die zentrale Frage. Denn die Laufleistung korreliert sicherlich auch mit der hohen fußballerischen Qualität der SVE: Wer viel den Ball hat, muss weniger laufen. Fest steht: Die SV Elversberg geht als gefestigtes Spitzenteam in diese Partie, mit klaren Abläufen, Selbstvertrauen und einem Torjäger in Bestform. Fortuna Düsseldorf reist mit enormem Druck, aber auch mit einem klar formulierten Plan an. Die Statistik der bisherigen Duelle zeigt, dass Überraschungen in dieser Paarung möglich sind. Ob sich dieser Trend fortsetzt oder Elversberg seine starke Saison an der Kaiserlinde weiter bestätigt, wird sich am Sonntag zeigen.