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Millimeter vom Wunder entfernt – Elversbergs Relegation endet mit Stolz und Schmerz

Ein letzter Schuss, eine Millimeterentscheidung und eine bittere Wahrheit: Die SV Elversberg verpasst den Aufstieg in die Bundesliga in der letzten Sekunde. Gegen den Bundesligisten Heidenheim war Elversberg fußballerisch das bessere Team, doch belohnt wurde es nicht. Dennoch ist es eine Geschichte für die Ewigkeit – die alle mit Stolz erfüllen sollte.

Es war ein Abend, der in Elversberg noch lange nachhallen wird. Die SV Elversberg hatte nach 180 intensiven Minuten Relegationsfußball gegen den Bundesligisten 1. FC Heidenheim den Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse zum Greifen nah – und verlor ihn doch in allerletzter Sekunde. Das 1:2 im heimischen Stadion nach einem dramatischen 2:2 im Hinspiel besiegelt das Verbleiben in der 2. Bundesliga. Was bleibt, ist der Schmerz eines verpassten historischen Erfolgs, aber auch das tiefe Bewusstsein, dass diese Mannschaft etwas Großes geleistet hat.

Dass es am Ende nicht reichen sollte, lag weniger an der eigenen Leistung als an einem bitteren Zufallsmoment. „Es ist wie ein Schlag ins Gesicht. Wir haben die schlimmste Seite des Fußballs erlebt“, sagte Stürmer Fisnik Asllani nach dem Schlusspfiff bei Sky. Elversberg war über die gesamte Relegation gesehen die spielerisch überlegene Mannschaft, bestimmte große Teile beider Spiele, zeigte Mut, Spielwitz und taktische Disziplin. Doch am Ende fiel der letzte Treffer der Relegation auf der anderen Seite. „Ganz Deutschland hat gesehen, was für einen guten Fußball wir spielen. Aber es sollte nicht sein. Wir sind extrem enttäuscht, extrem traurig“, sagte Asllani weiter.

Der 22-Jährige, dessen Leihe zur TSG Hoffenheim im Sommer enden wird, sprach mit brüchiger Stimme, als er sagte:

Ich wollte der Mannschaft, den Leuten, dem ganzen Saarland etwas zurückgeben. Dieses Jahr hier war die beste Zeit meines Lebens, ich kann nur jedem einzelnen danken. Uns haben ein paar Millimeter gefehlt, es ist unendlich traurig, aber jeder hat absolut alles gegeben.

Die Partie selbst war ein Spiegelbild der Relegation: temporeich, emotional und äußerst umkämpft. Elversbergs Trainer Horst Steffen nahm im Vergleich zum Hinspiel nur eine Änderung vor: Abwehrchef Pinckert rückte für Rohr in die Abwehr. Auf Heidenheimer Seite veränderte Frank Schmidt seine Startelf auf zwei Positionen. Dorsch und Beck mussten weichen, Kerber und Scienza übernahmen.

Schon nach wenigen Minuten zeigte sich, wie eng dieses Spiel werden würde. Die Anfangsphase gehörte den Gästen aus Heidenheim. In der neunten Minute war es Scienza, der den startenden Honsak bediente. Der blieb vor SVE-Keeper Kristof eiskalt und brachte die Ostalbstädter früh in Führung. Doch Elversberg reagierte mit Widerstand und Mut. Verletzungsbedingte Wechsel auf beiden Seiten – Sahin musste bei der SVE durch Sickinger ersetzt werden, Pieringer wurde bei Heidenheim durch Zivzivadze ausgetauscht – unterbrachen zwar den Spielfluss, doch die Hausherren fanden immer besser ins Spiel.

In der 31. Minute wurden sie für ihren Einsatz belohnt: Zimmerschied schaffte es, vor dem Strafraum etwas Raum zu gewinnen, fand Kapitän Fellhauer, der abgeklärt zum verdienten 1:1-Ausgleich einschob. Bis zur Pause blieb das Spiel zerfahren, doch die Spannung war mit Händen zu greifen.

Kurz nach Wiederanpfiff bebte das Stadion: Asllani staubte einen Angriff über die rechte Seite zum 2:1 für Elversberg ab – vermeintlich. Der VAR schaltete sich ein, und nach minutenlanger Überprüfung entschied Schiedsrichter Stegemann auf Abseits durch Petkov in der Entstehung. „Lukas Petkov greift bei unserem vermeintlichen 2:1 schon ein. Das ist eine Millimeterentscheidung, das ist richtig bitter für uns“, kommentierte Steffen später die Szene.

Im Anschluss war es die SVE, die das Spiel bestimmte. Sie drängten auf die Entscheidung, suchten Lücken in der tief stehenden Heidenheimer Abwehr, doch es fehlte die letzte Präzision. Heidenheim agierte zunehmend passiv, rettete sich aber mit Glück und Geschick in die Schlussphase. Dann, in der fünften Minute der Nachspielzeit, kam die kalte Dusche: Ein direkt ausgespielter Angriff über Joker Wanner, ein Pass auf Scienza, der an Le Joncour vorbeizog und aus halblinker Position zum 2:1-Siegtreffer für Heidenheim einschoss.

Dass wir so eine Leistung gebracht haben und verlieren, tut weh. Die Jungs haben bravourös gekämpft und haben mehr verdient als den Nichtaufstieg

sagte Horst Steffen. Und weiter: „Den Gegner feiern zu sehen, tut nicht weh. So eine Leistung gezeigt und trotzdem verloren zu haben, das tut weh.“

Die Enttäuschung war spürbar, bei Spielern, Trainern, Fans. Doch gleichzeitig formte sich Stolz, eine leise Zufriedenheit über eine Spielzeit, die alles andere als ein Misserfolg war. „Wir haben eine sehr gute Saison gespielt. Wir haben Fußball-Deutschland gezeigt, was wir können. Manchmal soll es eben nicht sein. Ich gönne es Heidenheim, aber wir waren fußballerisch besser. So ist das aber im Fußball. Wir greifen in der nächsten Saison wieder an“, sagte Tom Zimmerschied.

Auch Sportdirektor Ole Book fand Worte, die den Abend und die Saison in wenigen Sätzen zusammenfassten:

Es ist schwierig gerade. Wir waren über die gesamte Spielzeit die bessere Mannschaft und Heidenheim knipst mit dem letzten Torschuss. Das ist bitter. Das werden jetzt ein paar schwierige Tage. Aber unsere Mannschaft hat eine absolute Gewinnermentalität gezeigt. Alle bei uns sind absolute Sieger, das wird bleiben.

Dass die Partie im Vorfeld von manchen Beobachtern belächelt wurde – zu klein, zu unbedeutend, hieß es –, konterten sie mit einem Fußballabend von außergewöhnlicher Qualität. Taktisch klug, emotional geführt und bis zur letzten Minute spannend. „Ganz Deutschland hat gesehen, was für einen guten Fußball wir spielen“, hatte Asllani gesagt – ein Satz, der mehr war als bloße Enttäuschung. Er war ein Zeugnis der Entwicklung, die dieser Klub genommen hat.

Für Heidenheim indes endet eine nervenzehrende Saison mit dem Klassenerhalt. „Es fällt sehr viel Last ab“, sagte FCH-Coach Frank Schmidt. „Natürlich versucht man, eine Lockerheit auszustrahlen, aber die Anspannung war immens.“ Er sei „mausekaputt“, gestand Schmidt. „Mich braucht auch keiner mehr anzurufen. Irgendwann komme ich dann mit voller Energie zurück.“

So gehen zwei Mannschaften auseinander, die sich auf Augenhöhe begegnet sind, mit Respekt, mit Kampf, mit Leidenschaft. Der Bundesligist bleibt erstklassig, Gratulation hierzu, die SVE jedoch bleibt ein Sieger der Herzen. Der versäumte Aufstieg ist keine Schande, sondern ein bitteres, aber ehrliches Kapitel in einem beeindruckenden Aufstiegsroman.

Die neue Saison der 2. Bundesliga beginnt am ersten August-Wochenende. Elversberg wird zurückkehren – nicht als tragische Figur, sondern als ambitionierter Herausforderer. Denn wer so spielt, so leidet und doch so geschlossen auftritt, hat sich längst Respekt erarbeitet. Der große Triumph blieb aus, aber ein kleines Fußballwunder hat die SV Elversberg trotzdem geschaffen.        

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