Mit Rückenwind nach Berlin: Elversberg will auch im Olympiastadion bestehen

Die SV Elversberg reist mit Selbstvertrauen und sechs Punkten aus den ersten drei Saisonspielen nach Berlin. Am Freitagabend wartet im Olympiastadion mit Hertha BSC ein prominenter Gegner, der bislang noch sieglos ist. Für die Mannschaft von Vincent Wagner ist das Duell ein weiterer Gradmesser – und die Chance, den guten Start in die dritte Zweitliga-Saison zu veredeln.
Fünf Tage nach dem emotionalen Heimsieg gegen Kaiserslautern wartet auf die SV Elversberg schon das nächste Flutlichtspiel. Am Freitagabend, 29. August, tritt die Mannschaft von Trainer Vincent Wagner beim Hauptstadtklub Hertha BSC an. Gespielt wird im traditionsreichen Olympiastadion, Anpfiff ist um 18.30 Uhr. Für Elversberg ist es nach dem gelungenen Saisonstart mit sechs Punkten aus drei Spielen die Gelegenheit, die starke Frühform auch auf großer Bühne unter Beweis zu stellen.
Während die SVE also mit einem positiven Gefühl und Rückenwind nach Berlin reist, sieht die Situation bei den Gastgebern anders aus. Die Hertha wartet in der Liga nach drei Spielen noch auf den ersten Sieg, kassierte zum Auftakt ein 1:2 gegen den FC Schalke 04 und trennte sich anschließend sowohl gegen den Karlsruher SC als auch beim SV Darmstadt 98 jeweils torlos. Gerade im jüngsten Auftritt in Hessen zeigte die Mannschaft aber durchaus, welches Potenzial in ihr steckt. „Sie hatten in Darmstadt unfassbar oft das Aluminium getroffen und ein Tor am Ende sicherlich verdient“, ordnete Wagner die Leistung des Gegners ein.
Es ist auch nicht so einfach, sich dann dort so viele Torchancen herauszuspielen, wie die Hertha es geschafft hat. Demnach kommt am Freitag schon etwas Gewaltiges auf uns zu.
Der Respekt vor dem Gegner ist also groß, gleichzeitig hat man in Elversberg in den vergangenen Wochen aber ebenfalls Selbstvertrauen gesammelt. Nach dem bitteren 0:2 in Bochum, das die Mannschaft über 80 Minuten in Unterzahl bestreiten musste, antwortete die SVE mit einem souveränen Pokalerfolg in Ulm und zuletzt dem dramatischen 2:1-Heimsieg gegen den 1. FC Kaiserslautern. Dort zeigte sich, dass die Elf von Wagner auch in engen Spielen bis zur letzten Minute an ihre Chance glaubt. Dieses Gefühl nimmt das Team nun mit nach Berlin. „Wir haben uns in den vergangenen Wochen einiges erarbeitet“, sagt Wagner.
Unsere Jungs sind gut, wir sind ein gutes Team. Wir haben eine Idee, die immer mehr wächst, also werden wir auch in Berlin unsere Chance haben.
Im Kader stehen Wagner nahezu alle Optionen offen. Der einzige Ausfall Jan Gyamerah kehrt nach seiner Gelb-Rot-Sperre zurück. Ansonsten stehen die gleichen Spieler zur Verfügung, die zuletzt erfolgreich waren. Diese Kontinuität im Aufgebot ist ein Pluspunkt, weil sie der Mannschaft Stabilität gibt – ein nicht zu unterschätzender Faktor in einer noch jungen Saison.
Für Hertha BSC steht hingegen schon früh in der Saison einiges auf dem Spiel. Der Hauptstadtklub, will unbedingt um den direkten Aufstieg mitspielen. Trainer Stefan Leitl, der die Mannschaft erst im Frühjahr übernahm, sprach vor dem Spiel gegen Elversberg von einem Pflichtsieg. „Wir müssen das Spiel gewinnen – egal wie“, sagte der Coach deutlich. Leitl weiß um die Situation: Nach dem schwachen Saisonstart und dem aktuellen Tabellenplatz im unteren Bereich braucht seine Mannschaft ein Erfolgserlebnis, um Druck aus der Situation zu nehmen. Zugleich muss der Trainer auf gleich acht verletzte Spieler verzichten – darunter Leistungsträger wie John Anthony Brooks, Paul Seguin oder Diego Demme.
Dass Elversberg unter diesen Vorzeichen keineswegs chancenlos ist, zeigen nicht nur die bisherigen Saisonleistungen, sondern auch die jüngere Vergangenheit. Schon im vergangenen Jahr hatte die SVE bewiesen, dass sie gegen große Namen bestehen kann. Unvergessen ist der 4:0-Heimsieg gegen Hertha im Frühjahr, der den Berlinern nachhaltig zu schaffen machte. Leitl sprach im Rückblick sogar von einer „Wende“, weil er nach diesem Debakel seine Mannschaft grundlegend umstellte. Nun also das Wiedersehen – mit einem Hauptstadtklub, der seine Favoritenrolle untermauern will, und einem Gast aus dem Saarland, der seine gewachsene Stabilität demonstrieren möchte.
Elversbergs Trainer Wagner betonte in den Tagen vor dem Spiel, dass sein Team sich vom großen Stadion und der Kulisse nicht beeindrucken lassen will. „Es geht darum, unsere Linie zu verfolgen und uns nicht aus der Ruhe bringen zu lassen“, erklärte der Coach. Gerade in solchen Spielen sei es wichtig, konsequent bei der eigenen Idee zu bleiben. Die Mannschaft habe gezeigt, dass sie kompakt verteidigen, schnell umschalten und über Standards gefährlich werden kann. Dass zwei der bisherigen Saisontore nach ruhenden Bällen gefallen sind, ist für Wagner kein Zufall, sondern Ausdruck einer wachsenden Qualität. „Wenn man nach drei Spieltagen zwei Tore nach Standards hat, dann ist das ein Anfang. Wenn wir am Ende der Saison fünfzehn haben, dann können wir gerne von einer Stärke reden“, hatte er zuletzt nach dem Derby betont.
Für die Spieler der SVE ist die Partie in Berlin mehr als nur ein weiteres Auswärtsspiel. Es ist auch eine Möglichkeit, sich auf einer großen Bühne zu zeigen. Das Olympiastadion, Heimat des DFB-Pokalfinals und eines der Wahrzeichen des deutschen Fußballs, bietet einen besonderen Rahmen. 9.400 Zuschauer erlebten zuletzt das Derby gegen Kaiserslautern an der heimischen Kaiserlinde – in Berlin könnten es ein Vielfaches sein. Für die Elversberger Mannschaft, die seit Jahren stetig gewachsen ist, sind solche Auftritte ein Beleg, wie weit man gekommen ist.
Hertha-Trainer Leitl, der die SVE gut kennt, äußerte sich respektvoll über den Gegner. „Elversberg hat nach wie vor eine unfassbare Leichtigkeit. Sie haben die Abgänge richtig gut kompensiert und haben eine tolle und interessante Mannschaft. Sie spielen einen ordentlichen Ball und haben ihre sechs Punkte auch durch zwei Standardtore geholt, das ist sicherlich auch ein Qualitätsmerkmal.“ Der Respekt vor der Spielweise des Gegners ist also vorhanden – und zeigt, dass Elversberg sich inzwischen in der Liga einen Namen gemacht hat.
Elversberg hat nach wie vor eine unfassbare Leichtigkeit. Sie haben die Abgänge richtig gut kompensiert und haben eine tolle und interessante Mannschaft. Sie spielen einen ordentlichen Ball und haben ihre sechs Punkte auch durch zwei Standardtore geholt, das ist sicherlich auch ein Qualitätsmerkmal.
Hertha-Trainer Stefan Leitl
Der Blick auf die Tabelle nach drei Spieltagen ist noch nicht aussagekräftig, dennoch zeigt er eine Tendenz: Elversberg hat bereits zwei Siege auf dem Konto, Hertha wartet noch auf den ersten Dreier. Die Ausgangslage ist damit klar: Für die Gastgeber steht der Druck im Vordergrund, für die Saarländer die Chance, ihre Bilanz weiter zu verbessern. Gerade in einer so ausgeglichenen Liga wie der 2. Bundesliga kann ein guter Start von entscheidender Bedeutung sein.
So reist die SV Elversberg mit Mut, Selbstvertrauen und dem klaren Plan nach Berlin. Auch wenn Hertha BSC personell geschwächt ist, bleibt der Hauptstadtklub ein Schwergewicht. Aber die Elversberger haben gezeigt, dass sie sich vor großen Namen nicht verstecken. „Wir wissen, dass wir auch dort unsere Chancen haben“, fasste Wagner zusammen. Ob die Mannschaft diese nutzt, entscheidet sich am Freitagabend – im Flutlicht des Olympiastadions, auf einer der größten Bühnen, die der deutsche Fußball zu bieten hat.