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Niederlage in Düsseldorf – und trotzdem alles in der eigenen Hand

Die SV Elversberg hat ihren ersten großen Matchball vergeben. Beim 1:3 in Düsseldorf fehlten Tempo, Schärfe und defensive Klarheit, doch die Ausgangslage bleibt außergewöhnlich: Gewinnt die Mannschaft von Vincent Wagner am letzten Spieltag gegen Preußen Münster, kann sie den Aufstieg in die Bundesliga perfekt machen.

Es hätte der Nachmittag sein können, an dem die SV Elversberg dem größten Moment ihrer Vereinsgeschichte sehr nahe kommt. Vielleicht sogar so nahe, dass am letzten Spieltag nur noch Rechenspiele geblieben wären. Hannover hatte in Bochum nur 1:1 gespielt, Paderborn gegen Karlsruhe nur 2:2. Die Konkurrenz hatte gepatzt, die Tür war offen, die Ausgangslage klar. Mit einem Sieg bei Fortuna Düsseldorf hätte Elversberg seinen Vorsprung im Aufstiegsrennen so weit ausbauen können, dass die Bundesliga kaum noch zu nehmen gewesen wäre. Doch Fußball folgt nicht immer der Dramaturgie, die sich aus Tabellenständen ergibt. In Düsseldorf traf eine Mannschaft, die aufsteigen wollte, auf eine Mannschaft, die nicht absteigen durfte. Am Ende setzte sich die größere Dringlichkeit durch.

Das 1:3 der SVE war deshalb nicht nur ein vergebener erster Matchball, sondern auch eine Erinnerung daran, wie dünn die Linien in dieser 2. Liga bleiben. Elversberg reiste als eine der besten Mannschaften der Saison an, als Team mit der klareren Perspektive, mit dem besseren Torverhältnis und mit der Chance, einen fast surrealen Weg zu vollenden. Düsseldorf stand vor dem Spiel auf dem Relegationsplatz, punktgleich mit Greuther Fürth dahinter, unter Druck, vor eigenem Publikum liefern zu müssen. Diese Energie war früh zu spüren. „Wir wussten, dass eine der besten Mannschaften der Liga heute zu Gast bei uns ist. Aber wir wussten auch, was wir gegen sie brauchen. Das war von Anfang an spürbar – durch die Fans und uns auf dem Platz. Wir waren in jedem Zweikampf mit voller Energie da“, sagte Cedric Itten später. Es war ein Satz, der das Spiel gut zusammenfasste. Düsseldorf spielte nicht fehlerfrei, aber mit einer Entschlossenheit, die Elversberg an diesem Tag zu selten fand.

Dabei begann die SVE nicht planlos. Die Mannschaft kam ordentlich in die Partie, suchte Ballbesitz, versuchte, das Spiel zu beruhigen und über die bekannten Abläufe Kontrolle zu bekommen. Doch Kontrolle ist im Fußball nur dann etwas wert, wenn daraus Bewegung, Tiefe und Gefahr entstehen. Genau daran fehlte es. Vincent Wagner beschrieb es nach dem Abpfiff sehr nüchtern: „Zunächst Glückwunsch an die Fortuna zu einem sehr verdienten Erfolg, der gemeinsam mit den Zuschauern errungen wurde. Wir kommen gut ins Spiel, ohne aber große Chancen zu haben. Gegen das Mann-gegen-Mann waren wir etwas zu statisch. Da hat uns die Dynamik gefehlt.“ Es war keine harte Abrechnung, sondern eine präzise Analyse. Elversberg hatte Phasen, aber keine Durchschlagskraft. Die Mannschaft wirkte nicht ängstlich, aber gehemmt; nicht überfordert, aber zu selten frei.

Zunächst Glückwunsch an die Fortuna zu einem sehr verdienten Erfolg, der gemeinsam mit den Zuschauern errungen wurde. Wir kommen gut ins Spiel, ohne aber große Chancen zu haben.

SVE-Trainer Vincent Wagner

Düsseldorf brauchte zunächst nicht viele klare Abschlüsse, um das Spiel zu kippen. In der 26. Minute setzte sich Marin Ljubicic auf der linken Seite durch, tunnelte seinen Gegenspieler und brachte den Ball in die Mitte. Dort wollte er Cedric Itten finden, doch Florian Le Joncour grätschte dazwischen und fälschte die Hereingabe unhaltbar ins eigene Tor ab. Es war ein unglücklicher Moment, aber nicht losgelöst vom Verlauf. Die Fortuna hatte mit Tempo und Wucht die Situation erzwungen, Elversberg war einen Schritt zu spät. „Dann waren wir defensiv zu unachtsam und kassieren das 0:1. So war das Stadion noch mehr da“, sagte Wagner. Genau das war zu sehen. Düsseldorf bekam nicht nur ein Tor, sondern zusätzlich Lautstärke, Überzeugung und das Gefühl, dass dieser Gegner an diesem Tag verwundbar war.

Für Elversberg wurde das Spiel danach schwerer. Die Mannschaft suchte den Weg nach vorne, doch immer wieder blieb der letzte Pass hängen, immer wieder blockte Düsseldorf Abschlüsse oder fing Hereingaben ab. Fernschüsse wirkten eher wie Notlösungen als wie Ausdruck von Dominanz. Die SVE fand kaum Räume hinter der Abwehr, selten Tempo im letzten Drittel, kaum Situationen, in denen die Fortuna wirklich auseinandergezogen wurde. Das lag auch an Düsseldorf, das sich in die Zweikämpfe warf und bereit war, die Partie über Intensität zu entscheiden. Torhüter Florian Kastenmeier sagte später: „Ich bin heute auf jeden Einzelnen stolz. Es ist unfassbar, was wir heute wieder auf dem Platz gelassen haben. Das zeichnet die Mannschaft in den letzten Wochen aus, dass wir die richtige Einstellung haben.“ Aus Sicht der Fortuna war es genau diese Haltung, die den Unterschied machte.

Kurz vor der Pause bekam das Spiel seine zweite entscheidende Szene. Shinta Appelkamp durfte von links flanken, am zweiten Pfosten war Itten eingelaufen und köpfte aus kurzer Distanz zum 2:0 ein. Für Elversberg war es ein bitterer Gegentreffer, weil er nicht aus einem chaotischen Moment entstand, sondern aus einer Situation, die verteidigt werden musste. Wagner sagte später knapp: „Auch beim 0:2 verteidigen wir nicht gut.“ Mehr musste man dazu kaum sagen. In einem Spiel, in dem offensiv wenig gelang, wog jede defensive Unsauberkeit doppelt schwer. Düsseldorf hatte seine Führung nicht mit einer Vielzahl an Chancen aufgebaut, aber mit Konsequenz. Elversberg musste in die Kabine mit dem Gefühl, den Zugriff noch immer nicht gefunden zu haben.

Nach der Pause nahm sich die SVE viel vor. Das sagte Wagner, und es war angesichts der Ausgangslage selbstverständlich. Ein frühes Tor hätte das Spiel noch einmal öffnen können, ein entschlossener Beginn hätte Düsseldorf nervös machen können. Stattdessen kam es noch schlimmer. Nicolas Kristof, in dieser Saison so häufig ein verlässlicher Rückhalt, rutschte beim Herauslaufen nach einem Chipball weg. Itten erkannte die Situation, hob den Ball über den Torhüter hinweg und traf zum 3:0. Es war der Moment, in dem aus einem schwierigen Nachmittag ein fast aussichtsloser wurde. „Nach der Pause kommen wir raus und nehmen uns viel vor. Aber beim 0:3 rutschen unsere Spieler weg, auch wenn Cedric Itten das Tor mit seiner Qualität sehr gut macht“, sagte Wagner. Itten selbst sprach von einem der besten Düsseldorfer Spiele der Saison. „Der Sieg heute war unfassbar wichtig“, sagte er. Für die Fortuna stimmte das, für die SVE war es der Tiefpunkt eines Tages, an dem fast nichts in die richtige Richtung lief.

Danach veränderte sich das Spiel nur noch begrenzt. Elversberg hatte mehr Ballbesitz, Düsseldorf verwaltete die Führung, verteidigte tiefer und konzentrierte sich darauf, den eigenen Strafraum sauber zu halten. Wagner wechselte in der 66. Minute dreifach, brachte Raif Adam, Bambasè Conté und Lukas Pinckert. Die SVE versuchte, Druck aufzubauen, doch es blieb mühsam. Ein Drehschuss von David Mokwa war eine der wenigen gefährlicheren Szenen. Ansonsten prallte vieles an einer Düsseldorfer Mannschaft ab, die an diesem Tag in erster Linie über Kampf, Laufbereitschaft und defensive Präsenz kam. „Spielerisch haben wir noch Luft nach oben, aber es geht jetzt über kämpfen, kratzen, beißen. Wir haben defensiv fast alles wegverteidigt, auch wenn es uns dieses Jahr schwer fällt zu null zu spielen“, sagte Kastenmeier. Auch Tim Oberdorf ordnete das Spiel aus Fortuna-Sicht ähnlich ein: „Man hat heute gesehen, dass es nur mit dieser Intensität gegen den Ball geht. Wir haben es das ganze Spiel über ordentlich gemacht.“

Erst in der Nachspielzeit fiel der Elversberger Treffer, und selbst der erzählte eher von diesem seltsamen Nachmittag als von einer späten Wende. Eine Ecke wurde am kurzen Pfosten abgefälscht, der Ball rutschte an Kastenmeier vorbei ins Tor. Es war das 3:1, mehr nicht. Die SVE hat weiterhin ein deutlich besseres Torverhältnis als Hannover und Paderborn. Hannover müsste am letzten Spieltag sechs Treffer aufholen, Paderborn sogar zehn.

Genau deshalb ist die Lage trotz der Niederlage weiterhin hervorragend. Sie fühlt sich nur anders an. Vor Düsseldorf wirkte Elversberg wie eine Mannschaft, die auf einer Welle direkt in Richtung Bundesliga getragen wird. Nach Düsseldorf ist der Aufstieg noch immer greifbar, aber er muss am letzten Spieltag noch einmal aktiv geholt werden. Ein Heimsieg gegen Preußen Münster, das bereits als erster Absteiger feststeht, dürfte reichen. Rechnerisch bleibt der Blick auf die Konkurrenz nötig, praktisch hat Elversberg sein Schicksal weiter in der eigenen Hand. Das ist die wichtigste Nachricht dieses Sonntags. Nicht Düsseldorf hat die Saison gedreht, nicht die Niederlage hat die Arbeit von Monaten entwertet. Die SVE hat eine Chance verpasst, aber sie hat nicht ihren Platz im Aufstiegsrennen verloren.

Diese Einordnung ist wichtig, weil die Enttäuschung über das Spiel verständlich groß sein musste. Wagner sagte: „Wir hätten unseren Fans gerne mehr gegeben. Aber wir freuen uns, dass wir in den 34. Spieltag gehen und mit einem Sieg aufsteigen dürfen.“ Darin steckt viel von dem, was diese Elversberger Saison ausmacht. Der Anspruch ist gewachsen, weil die Mannschaft ihn selbst geschaffen hat. Eine Niederlage in Düsseldorf fühlt sich nicht mehr wie ein normaler Rückschlag an, sondern wie ein verpasster Schritt zur Bundesliga. Gleichzeitig bleibt der Blick auf das Ganze notwendig. Elversberg spielt am 34. Spieltag der 2. Liga um den direkten Aufstieg. Das allein ist für diesen Verein, für diesen Standort und für diese Entwicklung außergewöhnlich.

Wir hätten unseren Fans gerne mehr gegeben. Aber wir freuen uns, dass wir in den 34. Spieltag gehen und mit einem Sieg aufsteigen dürfen.

SVE-Trainer Vincent Wagner

Wagner nannte es einen „Luxus, dass wir am 34. Spieltag um den Aufstieg in die Fußball-Bundesliga spielen dürfen“. Das Wort Luxus ist dabei nicht kleinmachend gemeint. Es nimmt Druck heraus, ohne die Chance zu relativieren. Elversberg ist nicht zufällig in dieser Position. Die Mannschaft hat sie sich durch Konstanz, Mut und eine klare Spielidee erarbeitet. Sie hat über die Saison hinweg bewiesen, dass sie mit den großen Namen der Liga nicht nur mithalten, sondern ihnen voraus sein kann. Gerade deshalb wird die Aufgabe gegen Münster nun mental so anspruchsvoll. Es geht nicht darum, so zu tun, als sei nichts passiert. Es geht darum, aus Düsseldorf die richtigen Schlüsse zu ziehen, ohne sich von diesem Spiel die Leichtigkeit nehmen zu lassen.

Sie muss vor allem auf sich selbst schauen. Die Ausgangslage ist klarer als viele andere Szenarien im Fußball: gewinnen und sehr wahrscheinlich aufsteigen. Gerade deshalb wird die Woche entscheidend. Nicht taktisch allein, sondern emotional. Elversberg wird die Fehler aus Düsseldorf benennen: zu statisch gegen das Mann-gegen-Mann, zu wenig Dynamik, zu wenig klare Chancen, defensive Unachtsamkeiten bei den Gegentoren. Wagner hat das bereits getan. Und er wird es in seinen Plan für Münster aufnehmen. Preußen ist abgestiegen, ob das die Aufgabe erleichtert, bleibt abzuwarten. Elversberg wird Geduld brauchen, aber auch Tempo. Kontrolle, und auch Zielstrebigkeit. Die SVE muss das Spiel nicht in den ersten Minuten gewinnen, erst nach dem Abpfiff erfolgt die Endabrechnung.

Am Ende bleibt dieser Sonntag in Düsseldorf ein Dämpfer, kein Absturz. Er war eine verpasste Gelegenheit, aber keine zerstörte Saison. Die SV Elversberg hat den ersten Bundesliga-Matchball vergeben, weil Düsseldorf in den entscheidenden Momenten wacher, entschlossener und klarer war. Doch sie bekommt einen zweiten. Vor eigenem Publikum, gegen Münster, am letzten Spieltag. Es ist die Art von Spiel, für die man eine ganze Saison arbeitet. Die Rechnung ist einfach, die Bedeutung riesig. Elversberg muss noch einmal gewinnen. Dann kann aus einer Niederlage in Düsseldorf eine Woche später doch noch der historische Aufstieg werden.

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