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Pause genutzt – SVE startet mit frischer Energie ins Karlsruhe-Duell

Die SV Elversberg fährt nach Karlsruhe – physisch erholt, mental geschärft, aber gefordert und trifft dort auf einen Gegner, gegen den noch nie wirklich etwas zu holen war. Während der KSC auf den nächsten Schritt im Aufstiegsrennen hofft, ringt die SVE um Stabilität nach einer Ergebnisschwäche, ohne dass ihre Spielanlage an Glanz verloren hätte.

Am Donnerstagnachmittag, drei Tage vor dem Auswärtsspiel beim Karlsruher SC, bot sich in Elversberg ein Bild, das ganz klar aufzeigte, mit welcher Intensität die SVE das kommende Spiel angehen will. Als Otto Stange im Strafraum liegen blieb und sich das Schienbein hielt, später Younes Ebnoutalib mit Schmerzen am Sprunggelenk zusammensackte, konnte man die Härte und Intensität dieser Einheit beinahe greifen. Beide machten nach kurzer Behandlung weiter – und Vincent Wagner, der mitten im Geschehen stand, ließ die Szenen bewusst laufen. Er machte gegenüber der Saarbrücker Zeitung deutlich, dass dies genau jene Robustheit sei, die seine Mannschaft in der Liga erwartet. Es seien „keine brutalen Sachen“, sondern das, „was uns jedes Wochenende in der Liga erwartet“, und er freue sich, dass sein Team das Training „wie einen Wettkampf“ annehme und dennoch „der Spaß nicht zu kurz“ komme.

Die Länderspielpause hatte Wagner und seiner Mannschaft etwas gegeben, was ihnen in den Wochen zuvor gefehlt hatte: Zeit und Personal. Fast alle kehrten zurück, nur Manuel Feil musste mit leichten muskulären Problemen abbrechen, Nicholas Mickelson erhielt nach seiner über 20-stündigen Rückreise aus Sri Lanka noch einen zusätzlichen Ruhetag. Insgesamt aber, so betonte Wagner, sei man „personell wirklich gut durchgekommen“, was nicht nur der medizinischen Abteilung zu verdanken sei, sondern auch „immer etwas Glück“ bei der Verletzungslage brauche.

Auch die Spieler erlebten die Pause nicht als Stillstand, sondern als Übergang in eine Phase, die körperlich und mental wieder mehr fordert. Kapitän Lukas Pinckert beschrieb, wie wohltuend die ersten freien Tage waren, ehe es schnell wieder ernst wurde: Die Pause sei „zu Beginn wirklich entspannt“ gewesen, sagte er, doch „das Training danach war umso härter“. Die Mannschaft sei „gut unterwegs“.

Während sich manche erholten, sammelten andere prägende Eindrücke fernab des Saarlands. Torhüter Nicolas Kristof etwa war erstmals bei der österreichischen Nationalmannschaft – eine Erfahrung, die ihn sichtlich bewegt hat. Er schilderte, „das war alles einfach nur aufregend“, er habe „viele neue Eindrücke gesammelt“, und besonders beeindruckt habe ihn David Alaba, der ihn begrüßt und ihm signalisiert habe, dass er sich jederzeit melden könne.

Auch Otto Stange kehrte mit breiter Brust zurück. Der Angreifer absolvierte drei Länderspiele für die deutsche U20, erzielte zwei Tore und bekam genau jene Einsatzzeiten, die junge Spieler brauchen, um ihren Weg zu definieren. Es sei „von der Dosierung alles perfekt“ gewesen, erklärte er, und er sei „zufrieden, wie es gerade bei der Nationalmannschaft und bei der SVE läuft“. Wichtig für ihn: „Ich bekomme überall meine Einsatzzeiten.“

Mickelson, mit Thailand in Sri Lanka aktiv, bereitete beim 4:0 zwei Treffer vor, während Lukas Petkov, diesmal nicht für Bulgarien nominiert, die Pause in Elversberg nutzte, um Kraft zu tanken. Mittelfeldspieler Bambasé Conté, der alle deutschen Jugend-Nationalmannschaften durchlief, stand vor dem Schritt zu seinem A-Länderspieldebüt für Guinea – entschied sich aber bewusst dagegen. Es sei ihm „alles noch ein bisschen früh“, er wolle lieber regenerieren, sagte er – und fügte an: „Aber wer weiß, was die Zukunft bringt.“

Nun wartet Karlsruhe, ein Gegner mit doppelter Bedeutung: Tabellenlage und gemeinsamer Vergangenheit zugleich. Der KSC tritt am Sonntag nicht nur mit dem Selbstbewusstsein eines Teams an, das auf Platz sechs steht, sondern auch mit dem Wissen, dass die SV Elversberg gegen diesen Klub noch nie gewonnen hat. In der langen Bilanz stehen ein 0:0 im ersten Aufeinandertreffen vor rund 25 Jahren in der Regionalliga Süd und zuletzt ein 2:2 im vergangenen Januar, als die SVE eine 2:0-Führung verspielte und Marvin Wanitzek zweimal ausglich. Für KSC-Trainer Christian Eichner ist die SVE ein angenehmer Gegner: drei Siege, ein Remis, und gegen keinen anderen aktuellen Zweitligisten holt er im Schnitt mehr Punkte.

Dazu kommt die personelle Verquickung: Lasse Günther, Bambasé Conté und Luca Pfeiffer standen vergangene Saison allesamt beim KSC unter Vertrag – zwei davon heute fest in Elversberg, einer bis 2026 ausgeliehen.

Der KSC selbst startete stark in die Saison, geriet aber zuletzt ins Schlingern. Die 0:4-Niederlage gegen Bielefeld war die höchste seit Jahren und tat weh, wie Sportgeschäftsführer Mario Eggimann im Gespräch mit SWR Sport offen einräumte: „Die Niederlage gegen die Arminia hat auch mit Blick auf die Tabelle sehr wehgetan.“ Gleichzeitig betonte er, wie stabil die Mannschaft grundsätzlich sei. Torhüter Hans Christian Bernat sei „in kürzester Zeit bei Mannschaft und Fans ein beliebter Spieler geworden“, sagte Eggimann. Und über die Bedeutung von Fabian Schleusener, dessen Wechsel nach Ulm scheiterte, erklärte er: „Wir sind sehr froh, dass er da ist, er hat uns in dieser Saison sehr geholfen und er ist ein wichtiger Sparringpartner für die jungen Stürmer.“

Für die anstehenden Wochen formulierte Eggimann eine Mischung aus Anspruch und Gelassenheit: „Es kommen gute Gegner. Wir haben aber auch gegen Schalke gezeigt, dass wir solche Spiele für uns entscheiden können.“ Und zum übergeordneten Saisonziel sagte er: „Jedes Spiel ist unglaublich wichtig. Ob nach oben was möglich ist, kann man im späten Frühjahr sehen. Es gibt keinen Druck, aufzusteigen.“

Während Karlsruhe zuletzt mit der 0:4-Niederlage gegen Bielefeld und zwei Pleiten aus den letzten vier Spielen einen sichtbaren Bruch im zuvor stabilen Saisonstart erlebt hat, präsentiert sich das Bild bei der SV Elversberg deutlich vielschichtiger. Die Mannschaft von Vincent Wagner hat zwar erstmals seit April zwei Partien in Folge verloren und wartet seit drei Spielen auf einen Sieg, doch die statistische Tiefe zeigt, dass es sich eher um eine Ergebnisschwäche handelt als um eine strukturelle. Fünf Gegentore aus den jüngsten drei Spielen stehen in einem auffälligen Kontrast zu der Phase davor, in der die SVE dreimal zu null blieb – ein Spannungsfeld, das die aktuelle Lage gut beschreibt.

Gleichzeitig bleibt die Offensive eines der prägendsten Merkmale dieser Saison. Mit 24 Toren stellt Elversberg die zweitbeste Angriffsreihe der Liga, liegt damit leicht über dem eigenen Expected-Goals-Wert von 23,13 und führt mit 28 herausgespielten Großchancen ligaweit sogar an. Besonders bemerkenswert ist die Fähigkeit, in der zweiten Halbzeit entscheidende Impulse zu setzen: Kein Team trifft nach der Pause häufiger (15 Treffer), und die SVE ist bei Toren in der Schlussviertelstunde und Nachspielzeit mit 11 Treffern ebenso Spitzenreiter. Defensiv bleibt die Mannschaft in dieser Phase ebenso effizient – nur vier Gegentore nach der 75. Minute sind ebenfalls Ligabestwert.

Damit treffen am Sonntag zwei Teams aufeinander, deren Formkurven zuletzt auseinanderliefen, deren Potenziale aber weit über einzelne Ergebnisse hinausreichen: Die Achse des KSC, die in vielen Spielen die Grundlage für Stabilität gelegt hat, steht einer Elversberger Mannschaft gegenüber, die trotz einer Ergebnisschwäche ihre offensive Durchschlagskraft nicht verloren hat und statistisch stärker dasteht, als die jüngsten Resultate vermuten lassen. Es ist ein Duell, das von Form, Historie und Psychologie gleichermaßen geprägt wird – und von der Frage, wem es gelingt, an einem späten Sonntagnachmittag die jeweils eigene Geschichte zu durchbrechen.

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