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Porebas Geniestreich erlöst die SVE – Elversberg ringt Magdeburg spät nieder

Lange Zeit deutete im Flutlichtspiel in der URSAPHARM-Arena an der Kaiserlinde vieles auf eine torlose Punkteteilung hin. Doch in der Schlussphase fand die SV Elversberg gegen einen disziplinierten 1. FC Magdeburg doch noch den entscheidenden Moment. Ein präziser Distanzschuss von Lukasz Poreba sorgte in der 85. Minute für den umjubelten 1:0-Heimsieg – und für drei Punkte, die im engen Aufstiegsrennen der 2. Bundesliga besonderes Gewicht haben.

Der Moment, der die URSAPHARM-Arena am Freitagabend zum Beben brachte, kam spät – aber er kam mit voller Wucht. Als vieles bereits auf ein torloses Remis hindeutete, nahm Lukasz Poreba aus rund 17 Metern Maß und jagte den Ball unhaltbar in den Winkel. Die knapp 9000 Zuschauer an der Kaiserlinde sprangen auf und für einen Augenblick entlud sich all die Spannung eines Spiels, das zuvor lange Zeit von Geduld und Disziplin geprägt gewesen war. Es war der Schlusspunkt einer intensiven Begegnung gegen den 1. FC Magdeburg, die in beide Richtungen hätte kippen können.

Beide Mannschaften lieferten sich über weite Strecken einen harten Kampf um Räume, Kontrolle und Rhythmus. Große spielerische Dominanz entwickelte zunächst keine Seite. Vielmehr war es ein Spiel, das immer wieder von Zweikämpfen, kleinen taktischen Anpassungen und kurzen Druckphasen geprägt war. SVE-Trainer Vincent Wagner brachte es später auf eine einfache Formel: „Wir haben um jeden Zentimeter gebissen und gekratzt. Im Laufe des Spiels wurden wir immer besser und hatten auch zwei, drei richtig gute Chancen. Deshalb haben wir uns dieses Tor am Ende erarbeitet.“

Im Laufe des Spiels wurden wir immer besser und hatten auch zwei, drei richtig gute Chancen. Deshalb haben wir uns dieses Tor am Ende erarbeitet.

SVE-Trainer Vincent Wagner

Zu Beginn tat sich die SVE allerdings schwer, ihr gewohntes Offensivspiel durchzusetzen. Magdeburg, zuletzt mehrfach für defensive Schwächen kritisiert, präsentierte sich in Elversberg deutlich stabiler. Die Gäste verteidigten kompakt, verschoben diszipliniert und ließen zwischen den Linien kaum Räume zu. Elversberg hatte zwar mehr Ballbesitz, fand gegen die gut organisierte Abwehrreihe der Sachsen-Anhalter jedoch nur selten den entscheidenden Pass.

Die erste nennenswerte Gelegenheit entstand folgerichtig aus einer Standardsituation. Lukas Petkov versuchte es in der 16. Minute mit einem direkten Freistoß aus rund 20 Metern, doch Magdeburgs Torhüter Dominik Reimann reagierte aufmerksam und lenkte den Ball zur Seite. Kurz darauf ergab sich die erste gute Szene aus dem Spiel heraus, als Petkov eine Flanke scharf in den Strafraum brachte. David Mokwa kam am zweiten Pfosten einen Schritt zu spät und verpasste den Ball knapp.

Magdeburg blieb seinerseits vor allem über Umschaltmomente gefährlich – und kam dabei sogar zu den klareren Möglichkeiten. Nach einem schnellen Gegenangriff stand Mateusz Zukowski plötzlich frei vor Nicolas Kristof, traf den Ball jedoch nicht sauber. Der Elversberger Torhüter konnte problemlos zugreifen. Wenig später musste Kristof allerdings sein ganzes Können zeigen: Eine präzise Flanke landete auf dem Kopf von Dariusz Stalmach, dessen Abschluss aus kurzer Distanz gefährlich aufs Tor kam. Kristof riss reflexartig die Arme hoch und verhinderte mit einer starken Parade den Rückstand.

So entwickelte sich eine Partie, in der sich beide Teams immer wieder annäherten, ohne entscheidend durchzubrechen. Mal hatte Elversberg längere Ballbesitzphasen, mal setzte Magdeburg mit schnellen Gegenstößen Nadelstiche. Doch klare Dominanz entstand auf keiner Seite. Das 0:0 zur Pause spiegelte den Spielverlauf daher treffend wider.

Nach dem Seitenwechsel blieb das Spiel zunächst weiterhin zäh. Beide Mannschaften suchten nach Lösungen, doch klare Torchancen blieben vorerst aus. Erst nach rund einer Stunde begann sich das Kräfteverhältnis langsam zugunsten der Gastgeber zu verschieben.

Frederik Schmahl kam im Strafraum zum Abschluss, doch sein Versuch wurde im letzten Moment geblockt. Kurz darauf versuchte es Lasse Günther aus der Distanz, doch erneut war Reimann zur Stelle. Die SVE erhöhte nun sichtbar das Tempo, schob die Magdeburger zunehmend in deren eigene Hälfte und zwang die Gäste immer häufiger in defensive Aktionen.

Vor allem Lukas Petkov rückte in dieser Phase immer stärker in den Mittelpunkt. Der Offensivspieler suchte immer wieder den Abschluss, kam aus unterschiedlichen Positionen zum Schuss – doch entweder war ein gegnerisches Bein dazwischen oder der Ball verfehlte das Ziel knapp. In der 81. Minute schien der Treffer bereits zu fallen: Petkov zog aus spitzem Winkel wuchtig ab, doch der Ball prallte an den Außenpfosten.

Trotz des zunehmenden Drucks blieb das Spiel gefährlich offen. Magdeburg gab sich keineswegs geschlagen und hätte selbst beinahe den entscheidenden Moment erwischt. Der eingewechselte Richmond Tachie setzte sich wenige Minuten später im Strafraum durch und zwang Nicolas Kristof zu einer starken Parade. Es war eine Szene, die das Spiel durchaus in die andere Richtung hätte kippen lassen können.

Doch Elversberg blieb geduldig – und wurde schließlich belohnt. In der 85. Minute lief ein Angriff über die linke Seite, an dem mehrere eingewechselte Spieler beteiligt waren. Der Ball gelangte schließlich zu Tom Zimmerschied, der sich an der Strafraumkante behauptete und überlegt auf den nachrückenden Poreba zurücklegte. Der Mittelfeldspieler zögerte nicht lange, setzte zum Schuss an und traf mit einem präzisen Distanzschuss ins lange Eck.

„Ich glaube schon, dass das Tor zu diesem Zeitpunkt verdient war“, sagte Wagner später. „Die Jungs haben immer mehr Druck entwickelt und es am Ende auf unsere Seite gezogen.“

Die Schlussminuten wurden anschließend noch einmal hektisch. Magdeburg warf alles nach vorne, versuchte mit langen Bällen und schnellen Angriffen den Ausgleich zu erzwingen. Doch die SVE verteidigte konzentriert und ließ keine klare Chance mehr zu. Mit großem Einsatz und wachsender Lautstärke von den Rängen brachten die Gastgeber die knappe Führung über die Zeit.

Für Wagner war der Erfolg ein Beispiel für die Entwicklung seiner Mannschaft – auch wenn er gleichzeitig betonte, dass dieser Prozess noch nicht abgeschlossen sei. „Im Winter gab es Veränderungen im Kader. Wenn du wichtige Spieler verlierst, dauert es einfach ein paar Monate, bis sich wieder alles einspielt. Dieses harmonische Zusammenspiel fühlt sich im Moment noch nicht in jeder Phase so an, wie wir es schon hatten.“

Entscheidend sei daher vor allem die richtige Balance. „Manchmal sind wir sehr aktiv und kommen dann einen Tick zu spät, diesmal waren wir in manchen Situationen eher zu passiv. Wir müssen die richtige Balance finden – daran arbeiten wir.“

Wir müssen die richtige Balance finden – daran arbeiten wir.

SVE-Trainer Vincent Wagner

Magdeburgs Trainer Petrik Sander sah sein Team an der Kaiserlinde nicht chancenlos und ordnete ein:. „Solche Spiele gewinnst du, wenn du oben stehst“, sagte er nach dem Abpfiff. „Und wenn du unten drin hängst, ist es dir nicht mal vergönnt, wenigstens einen Punkt mitzunehmen. Der war hier mindestens drin.“

Für Elversberg hingegen bedeutete der Abend drei wichtige Punkte im Aufstiegsrennen der 2. Bundesliga. Die SVE bleibt damit in der Spitzengruppe der Tabelle und hält den Kontakt zu Tabellenführer Schalke. Wagner wollte die Situation dennoch nicht überhöhen. Der Trainer weiß aus eigener Erfahrung, wie schnell sich Dynamiken in einer Saison verändern können.

„Das Wort Aufstieg ist für mich überhaupt nichts Böses. Ich weiß aus dem vergangenen Jahr selbst, wie schön das ist. Aber wir wissen auch, dass es ein sehr, sehr langer Weg dahin ist.“ Der Blick richtet sich deshalb bereits auf die nächste Aufgabe: „Deshalb schauen wir jetzt erstmal auf Freitag in Fürth – dort wird es schwer genug, und wir wollen versuchen, das Spiel auf unsere Seite zu ziehen.“

Nach einem Abend voller Spannung, Geduld und schließlich großer Erleichterung bleibt für die SV Elversberg vor allem eines: das Gefühl, im eigenen Stadion erneut ein Spiel in den letzten Minuten entscheiden zu können. Und manchmal reicht dafür eben ein einziger Moment – so wie der von Lukasz Poreba in der 85. Minute.

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