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Saarbrücken lässt nichts anbrennen – 3:0 gegen Mühlhausen

Der 1. FC Saarbrücken-Tischtennis hat am Sonntagnachmittag seine Pflichtaufgabe souverän gelöst. Gegen den ersatzgeschwächten Post SV Mühlhausen feierte der amtierende Champions-League-Sieger in der heimischen Joachim-Deckarm-Halle einen ungefährdeten 3:0-Erfolg und festigte damit seine Position in der Spitzengruppe der Tischtennis-Bundesliga. Die Gäste mussten ohne Steffen Mengel und Kay Stumper antreten – eine Hypothek, die sich nicht ausgleichen ließ.

Von Beginn an war zu spüren, dass die Rollen klar verteilt waren. Saarbrücken trat konzentriert auf, spielte seine Überlegenheit aus und ließ den Thüringern kaum Luft zum Atmen. Für Mühlhausen war die Partie schon vor dem ersten Ballwechsel eine Herausforderung, nachdem sich die personelle Lage kurzfristig dramatisch zugespitzt hatte. Leistungsträger Steffen Mengel musste krankheitsbedingt passen, während Kay Stumper nach einem Autounfall in London nicht rechtzeitig ins Saarland reisen konnte.

Wir befinden uns in einer nie erlebten Ausnahmesituation und können die Tischtennis-Fans beider Lager nur um Nachsicht und Verständnis bitten. Wir sind in Gedanken bei Steffen und bei Kay, der wohl wirklich mehrere Schutzengel gehabt hat

erklärte Posts Manager Thomas Stecher bei Facebook.

Um überhaupt antreten zu können, griff der Post SV zu einer außergewöhnlichen Lösung. Das 16-jährige Nachwuchstalent Ivo Quett, erst am Freitag volljährig im Tischtennis-Sinn geworden, rückte in die Mannschaft und gab sein TTBL-Debüt. Der junge Spieler, der normalerweise in der dritten Liga für Mühlhausens Reserve antritt, bekam es gleich mit Eduard Ionescu zu tun – eine Aufgabe, die selbst für erfahrene Profis schwierig genug ist. Quett kämpfte beherzt, blieb jedoch ohne echte Chance. Mit 0:3 unterlag er dem Rumänen, der damit die Saarbrücker Führung besorgte. Für den Teenager aber war es ein Nachmittag, den er nicht vergessen wird. „Er ist ein Perspektivspieler“, sagte Post-Coach Erik Schreyer nach dem Spiel bei Dyn. „Es ist unser großer Traum, irgendwann vielleicht einen Thüringer in die TTBL zu bringen.“

Während Quett erste Lehrminuten sammelte, nahm das Geschehen aus sportlicher Sicht den erwarteten Verlauf. Saarbrücken kontrollierte die Begegnung, ohne das Tempo unnötig zu überziehen. Besonders im zweiten Einzel des Tages bekamen die Zuschauer dann dennoch hochklassiges Tischtennis zu sehen. Darko Jorgic und Ovidiu Ionescu lieferten sich ein Duell, das die Qualität der Liga spiegelte. Nachdem Jorgic zwei Sätze lang dominiert hatte, drehte Ionescu im dritten Durchgang auf und erzwang im vierten Satz nach mehreren vergebenen Matchbällen schließlich den Decider. Dort zeigte der Slowene seine ganze Klasse und entschied das Spiel doch noch für sich – ein 3:2, das die Führung auf 2:0 ausbaute und für die Saarbrücker den entscheidenden Schritt zum Sieg bedeutete.

Nach der Pause war es dann Patrick Franziska vorbehalten, den Schlusspunkt zu setzen. Der Kapitän des FCS TT trat gegen Mühlhausens Trainer Erik Schreyer an, der in dieser besonderen Situation selbst zum Schläger greifen musste. Es entwickelte sich eine Partie mit vielen Showeinlagen und einem klaren Ausgang. Franziska dominierte, spielte mit Übersicht und Humor, und verwandelte nach etwas mehr als einer halben Stunde den Matchball zum 3:0-Endstand. Für die Saarländer war es der vierte Saisonsieg, für Mühlhausen dagegen die Bestätigung einer schwierigen Phase. Die Thüringer stehen mit einer ausgeglichenen Bilanz von 6:6 Punkten im Tabellenmittelfeld, während Saarbrücken den Anschluss an die Spitze hält.

Für den FCS TT war der Erfolg zugleich der Auftakt in eine besondere Phase. Superstar Fan Zhendong, der im Sommer als spektakulärster Neuzugang der Vereinsgeschichte präsentiert worden war, wird bis Dezember nicht im Aufgebot stehen. Der Chinese, Olympiasieger und Weltranglistenerste, ist nach seiner Rückkehr nach China zu nationalen Verpflichtungen eingeplant. Dass Saarbrücken auch ohne ihn in der TTBL souverän punktet, ist für Patrick Franziska ein wichtiges Signal.

Unser Anspruch ist und bleibt natürlich, dass wir mit unserem Topteam die Spiele auch gewinnen. Das muss auch unser Anspruch sein

hatte der Kapitän zuletzt erklärt.

Die Mannschaft ist durch Fan Zhendongs Engagement ohnehin in ein neues Licht gerückt. Der Hype um den Chinesen sorgt seit Saisonbeginn für eine Aufmerksamkeit, die der Bundesliga selten zuteilwird. Franziska beschreibt den Unterschied so:

Durch Fan Zhendong ist tatsächlich praktisch alles etwas ganz Anderes geworden, jedes Heimspiel und auch jedes Auswärtsspiel – aber es ist cool.

Auch an diesem Sonntagnachmittag war zu spüren, wie sehr sich die Halle verändert hat, seit der Olympiasieger Teil der Saarbrücker Mannschaft ist. 

Dass der 1. FC Saarbrücken-TT seine Qualität auch ohne ihn abruft, ist Ausdruck einer gewachsenen Struktur. Franziska und Jorgic führen das Team mit Erfahrung und Stabilität, Ionescu liefert im hinteren Paarkreuz regelmäßig Siege, und auch die Breite des Kaders bleibt außergewöhnlich. „Wir sprechen intern sehr viel miteinander, und auch ich selbst mache mir viele Gedanken, wie wir alles etwas entspannter und lockerer hinbekommen können“, sagte Franziska. Seine Worte spiegeln das Selbstverständnis einer Mannschaft, die längst auf europäischem Topniveau agiert, sich aber in der Bundesliga immer wieder neu beweisen muss.

Mühlhausens Ersatzmannschaft erhielt von den Zuschauern dennoch ehrlichen Applaus. Ivo Quett, das Geburtstagskind, wurde bei seiner Auswechslung gefeiert – eine kleine Geste, die zeigt, wie groß der Respekt in der Tischtennis-Bundesliga trotz aller Unterschiede ist. Für die Thüringer bleibt der Tag ein Lehrstück in Sachen Professionalität, für Saarbrücken eine Bestätigung des eigenen Anspruchs. Der 3:0-Sieg fügt sich nahtlos in die Serie der Auftritte ein, mit denen sich der FCS TT an der Spitze behauptet – unaufgeregt, souverän und mit dem Wissen, dass die entscheidenden Wochen erst noch kommen.

Bis dahin gilt es, die Zeit ohne Fan Zhendong erfolgreich zu gestalten.

Wir werden bis dahin versuchen, wieder erfolgreich zu spielen, damit wir dann mit Fan nach den Titeln greifen können

sagte Franziska im Interview. Die Richtung stimmt – und die Mannschaft hat gezeigt, dass sie auch ohne ihren Superstar funktioniert.

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