Saarbrücken vollendet das historische Triple

Der 1. FC Saarbrücken Tischtennis hat seine außergewöhnliche Saison mit dem größtmöglichen Erfolg gekrönt. Nach dem Pokalsieg und dem vierten Triumph in der Champions League in Folge gewann der FCS beim erstmals ausgetragenen Final-Four-Turnier in Frankfurt auch die Deutsche Meisterschaft. Das 3:1 im Endspiel gegen Rekordmeister Borussia Düsseldorf war mehr als ein weiterer Titel: Saarbrücken hat erstmals in seiner Vereinsgeschichte das Triple gewonnen und sich damit endgültig einen Platz in der deutschen Tischtennis-Geschichte gesichert.
Als Fan Zhendong den letzten Ballwechsel gewonnen hatte, brauchte es keinen großen Ausbruch mehr. Der chinesische Olympiasieger nickte seinem Gegner Kanak Jha anerkennend zu, gab ihm die Hand und lächelte breit, ehe ihn seine jubelnden Mitspieler umringten. In diesen wenigen Sekunden verdichtete sich noch einmal eine Saison, die für den 1. FC Saarbrücken Tischtennis kaum größer hätte enden können. Der FCS hatte den Deutschen Pokal gewonnen, anschließend zum vierten Mal in Serie die Champions League erobert und nun auch die Meisterschaft geholt. Drei Wettbewerbe, drei Titel. Ein Triple, das es in Saarbrücken zuvor noch nie gegeben hatte.
Der 3:1-Erfolg gegen Borussia Düsseldorf im Endspiel des Liebherr TTBL Final4 war zugleich der perfekte Abschied für Fan Zhendong. Der 29-Jährige war im vergangenen Sommer verpflichtet worden, um aus einer ohnehin erstklassigen Mannschaft ein Ensemble zu machen, das in allen Wettbewerben nach den Titeln greifen konnte. Das Ziel war klar formuliert, der Druck entsprechend groß. Saarbrücken ging nicht mehr als Jäger in die Saison, sondern als Gejagter. Jeder Gegner wollte den Favoriten schlagen, jeder Rückschlag wurde genau beobachtet. Am Ende aber hielt die Mannschaft diesem Druck stand.
„Ich bin sehr glücklich, dass ich dem Team mit zwei Siegen helfen konnte“, sagte Fan nach dem Finale. „Auch wenn ich im Saisonverlauf mal nicht meine beste Leistung abrufen konnte, dann war das Team zur Stelle. Das zeigt, was für eine starke Mannschaft wir sind.“
Ich bin sehr glücklich, dass ich dem Team mit zwei Siegen helfen konnte
Fan Zhendong
Fan selbst hatte im Endspiel noch einmal gezeigt, warum seine Verpflichtung die gesamte Tischtennis-Bundesliga elektrisiert hatte. Schon im ersten Einzel gegen Dang Qiu setzte der Chinese den Ton. Vor den Augen von Timo Boll entwickelte sich ein hochklassiges Duell, in dem Fan mit seiner dominanten Rückhand immer wieder den Druck erhöhte. Qiu hielt dagegen, suchte Lösungen und hatte zwischenzeitlich sogar die Chance auf eine 2:1-Satzführung. Doch Fan blieb stabil und setzte sich mit 3:1 durch. Es war der erste Schritt auf dem Weg zum Titel.
Düsseldorf antwortete allerdings sofort. Darko Jorgic, der nach acht Jahren im Saarbrücker Trikot ebenfalls sein letztes Spiel für den FCS bestritt, verlor gegen Kanak Jha glatt mit 0:3. Für Jorgic war es nicht der Abschied, den er sich sportlich erhofft hatte. Seine Bedeutung für den Verein lässt sich jedoch ohnehin nicht an diesem letzten Einzel festmachen. Der Slowene hat sich in Saarbrücken über Jahre zu einem Weltklassespieler entwickelt, zahlreiche große Spiele bestritten und den Aufstieg des FCS in die europäische Spitze entscheidend mitgeprägt. Dass seine Zeit an der Saar nun ausgerechnet mit dem ersten Triple der Vereinsgeschichte endete, war auch für ihn ein besonderer Schlusspunkt.
Beim Stand von 1:1 rückte Patrick Franziska in den Mittelpunkt. Der Kapitän hatte am Vortag im Halbfinale gegen Werder Bremen noch eine Niederlage hinnehmen müssen. Im Finale aber war er da, als seine Mannschaft ihn am dringendsten brauchte. Gegen Anton Källberg kontrollierte Franziska das Geschehen und gewann mit 3:1. Es war das Schlüsselspiel des Endspiels. Hätte Källberg die Partie gedreht, wäre Düsseldorf dem Doppel sehr nahe gekommen. Stattdessen brachte Franziska den FCS wieder in Führung und bereitete die Bühne für Fan Zhendong.
Ob er Lust auf das Doppel habe, wurde Franziska nach seinem Sieg gefragt. „Nee“, antwortete er knapp und grinste. Es war ein kurzer Satz, der viel über die Selbstverständlichkeit dieses Saarbrücker Nachmittags erzählte. Fan sollte die Entscheidung vorher herbeiführen.
Ganz so leicht war es nicht. Kanak Jha, der zuvor bereits Jorgic bezwungen hatte, verlangte dem Olympiasieger alles ab. Das vierte Einzel ging über fünf Sätze, Fan musste kämpfen und auch schwierige Phasen überstehen. Doch als es darauf ankam, spielte er seine ganze Klasse aus. Im entscheidenden Durchgang setzte er sich mit 11:6 durch. Unter lauten „Fan Zhendong“-Rufen verwandelte sich die Süwag Energie ARENA in Frankfurt in ein Tollhaus. Der Superstar hatte den entscheidenden Punkt geholt. Saarbrücken war Deutscher Meister.
„Ich bin unfassbar stolz auf die Mannschaft. Wir waren in allen Wettbewerben die Favoriten – aber es ist unglaublich eng. Wir haben es geschafft, mit diesem Druck umzugehen“, sagte Franziska. Für den Kapitän hatte der Triumph auch eine persönliche Dimension. „Ich bin vor zehn Jahren nach Saarbrücken gewechselt. Hätte mir damals jemand gesagt, dass wir irgendwann das Triple gewinnen würden, hätte ich es nicht für möglich gehalten.“
Ich bin vor zehn Jahren nach Saarbrücken gewechselt. Hätte mir damals jemand gesagt, dass wir irgendwann das Triple gewinnen würden, hätte ich es nicht für möglich gehalten.
Kapitän Patrick Franziska
Gerade dieser Satz beschreibt die Entwicklung des Vereins. Der FCS Tischtennis ist längst kein Außenseiter mehr, der gelegentlich einen großen Gegner ärgern kann. Saarbrücken ist zu einer der bestimmenden Kräfte des europäischen Tischtennis geworden. Vier Champions-League-Siege in Folge sind ein deutsches Novum. Hinzu kommt nun die zweite Deutsche Meisterschaft nach 2020. Doch erst das Triple macht diese Saison einzigartig. Meisterschaft, Pokal und Europacup in einer Spielzeit hatten zuvor in Deutschland nur der TTC Zugbrücke Grenzau im Jahr 1987 sowie Borussia Düsseldorf 2010 und 2011 gewonnen. Nun gehört auch Saarbrücken zu diesem kleinen Kreis.
Dass der Gegner im Finale ausgerechnet Borussia Düsseldorf hieß, verlieh dem Erfolg zusätzliche Bedeutung. Der Rekordmeister ist mit seinen 34 deutschen Meisterschaften weiterhin die prägende Institution des deutschen Tischtennis. Der FCS aber hat den Abstand in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt verkürzt. Düsseldorf verpasste in Frankfurt seine 35. Meisterschaft und blieb im zweiten Jahr nacheinander ohne Titel. Trainer Danny Heister erkannte den Erfolg des Gegners an. „Sie haben es sich verdient“, sagte er. „Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Wir haben alles gegeben, leider hat es dieses Mal nicht gereicht.“
Für Fan Zhendong war das Endspiel zudem ein Duell mit seinem künftigen Arbeitgeber. Nach nur einer Saison verlässt der Chinese Saarbrücken und wechselt ausgerechnet nach Düsseldorf. Das machte seinen letzten Auftritt für den FCS zu einer ungewöhnlichen Konstellation: Er führte Saarbrücken gegen jenen Verein zum Titel, dessen Trikot er künftig tragen wird. Seine sportliche Bilanz an der Saar fällt makellos aus. Fan kam, um Titel zu gewinnen, und verabschiedet sich mit dem Triple.
„Es war ein tolles Jahr. Wir sind sehr stolz, dass er bei uns gespielt hat“, sagte Saarbrückens Manager Nicolas Barrois. Die Verpflichtung hatte nicht nur sportliche Wirkung. Fan Zhendong zog bei seinen Auftritten zahlreiche Zuschauer an, viele Anhänger reisten eigens aus China an. Auch beim Finalturnier in Frankfurt war die Begeisterung rund um den Olympiasieger unübersehbar. Jeder seiner Punkte wurde lautstark gefeiert, die Rufe nach seinem Namen begleiteten die entscheidenden Ballwechsel. Nico Stehle, Geschäftsführer des Ligaverbands TTBL, sagte: „Die Aufmerksamkeit und die Wertschätzung der Liga ist durch diesen Wechsel enorm gestiegen.“
Es war ein tolles Jahr. Wir sind sehr stolz, dass er [Fan Zhendong] bei uns gespielt hat.
Saarbrückens Manager Nicolas Barrois
Rund 5600 Zuschauer verfolgten das Wochenende in der Süwag Energie ARENA. Das erstmals ausgetragene Final-Four-Format erwies sich als gelungener Rahmen für den Saisonabschluss. Die vier besten Mannschaften kämpften an einem Wochenende um den Titel, die Spannung blieb bis zum Finale hoch. Timo Boll sagte am Dyn-Mikrofon: „Als Spieler hat mir das Final-Four-Format immer viel Spaß gemacht. Für das sportliche Niveau ist es sehr, sehr gut, und als Event ist es ebenfalls toll. So etwas kriegt man selten geboten.“
Schon die Halbfinals hatten gezeigt, wie eng die Spitze der Liga zusammengerückt ist. Düsseldorf musste gegen den TTC Schwalbe Bergneustadt mehr als vier Stunden lang um den Finaleinzug kämpfen. Beim Stand von 1:2 und 0:2 Sätzen gegen Benedikt Duda drohte Anton Källberg bereits das Aus, ehe er die Partie noch drehte und die Borussia ins Doppel rettete. Dort sorgten Dang Qiu und Li Yongyin für den entscheidenden Punkt.
Saarbrücken setzte sich am Samstagabend mit 3:1 gegen Werder Bremen durch. Fan Zhendong gewann zunächst souverän gegen Marcelo Aguirre und revanchierte sich damit für seine überraschende Niederlage gegen den Paraguayer im vergangenen Oktober. Nach Franziskas knapper Niederlage gegen Kirill Gerassimenko wurde es für den FCS noch einmal gefährlich. Darko Jorgic lag gegen Mattias Karlsson bereits mit 0:2 Sätzen zurück, kämpfte sich aber zurück und gewann das Match noch mit 3:2. Fan machte anschließend gegen Irvin Bertrand den Finaleinzug perfekt. „Bremen ist ein sehr, sehr starkes Team – wir haben alles gegeben und sind sehr froh, dass wir den Sprung ins Finale geschafft haben“, sagte Jorgic.
Sein Comeback im Halbfinale war noch einmal ein Beleg dafür, welche Rolle der Slowene in Saarbrücken über Jahre gespielt hat. Während sich Fan Zhendong nach einer einzigen Saison mit maximalem Erfolg verabschiedet, endet für Jorgic ein prägendes Kapitel. Acht Jahre lang war er ein Gesicht dieser Mannschaft. Er erlebte den Weg von Saarbrücken an die europäische Spitze nicht nur mit, sondern gestaltete ihn mit. In dieser Zeit gewann der Verein viermal nacheinander die Champions League, holte Pokalsiege und Meisterschaften. Jorgic war dabei nicht bloß Teil eines starken Kaders, sondern einer der Spieler, auf deren Entwicklung und Konstanz diese Ära gebaut wurde.
Der FCS muss nun zwei außergewöhnliche Abgänge auffangen. Neben Fan und Jorgic verlässt viel individuelle Klasse den Verein. Die Verantwortlichen haben darauf bereits reagiert. Mit Hugo Calderano kommt ein weiterer internationaler Topspieler. Außerdem sollen der spanische Neuzugang Alvaro Robles und Youngster Eduard Ionescu helfen, die Mannschaft neu aufzustellen. Der Anspruch wird auch nach dem historischen Triple hoch bleiben. Saarbrücken hat sich in den vergangenen Jahren selbst einen Maßstab gesetzt, an dem jede neue Saison gemessen werden wird.
Doch an diesem Wochenende ging es noch nicht um die Zukunft. Es ging um den Moment, in dem aus einer starken Saison eine historische wurde. Um Franziskas Schlüsselspiel gegen Källberg, um Jorgics letztes Turnier nach acht Jahren an der Saar und vor allem um Fan Zhendong, der seinen kurzen Aufenthalt in Saarbrücken mit dem größtmöglichen Erfolg beendete.
Der 1. FC Saarbrücken Tischtennis hat in dieser Saison alle Titel gewonnen, die es zu gewinnen gab. Pokal, Champions League, Deutsche Meisterschaft. Das Triple ist nicht nur eine weitere Zeile in der Vereinschronik. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die vor Jahren begonnen hat und Saarbrücken inzwischen zu einem der wichtigsten Standorte des europäischen Tischtennis gemacht hat.