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Saarbrückens Achterbahntage – Champions-League-Sieg und Liga-Dämpfer

Der 1. FC Saarbrücken Tischtennis erlebt einige der intensivsten Tage dieser Saison: Erst kämpft sich der Titelverteidiger in der Champions League zu einem hart erarbeiteten 3:2 in Polen – ein Sieg, der trotz personeller Rotation wichtige Weichen stellt. Dann folgt in der Liga der Rückschlag gegen Bad Homburg, ein 2:3 nach 2:0-Führung, das in den engen Wochen zwischen Europa und Bundesliga schmerzt. Zusammen ergibt sich ein Bild dieser Mannschaft, das in seiner Mischung aus Belastung, Anspruch und Widerstandskraft typisch für den Herbst des FCS ist.

Der Oktober und November bringen dem 1. FC Saarbrücken Tischtennis jene Phase, die über das sportliche Profil einer Spitzengruppe oft mehr aussagt als ein souveräner Tabellenstand. Es sind diese Wochen, in denen die Saarländer gleichzeitig Europa verteidigen, Liga-Punkte sammeln und Kader-Belastung steuern müssen. Die zwei Spiele zwischen Freitagabend und Sonntagmittag fassen das in verdichteter Form zusammen: ein intensives, schwieriges Champions-League-Auswärtsspiel in Polen – und zwei Tage später ein Bundesliga-Duell, das erst sicher schien und dann kippte.

Im Achtelfinal-Hinspiel bei Dojlidy Bialystok trat Saarbrücken ohne den chinesischen Topspieler Fan Zhendong und ohne Truls Möregardh an. „Wir fliegen am Donnerstag mit Darko Jorgic, Patrick Franziska, Yuto Muramatsu und Cedric Meissner nach Polen“, hatte Teammanager Nicolas Barrois angekündigt – eine Rotation, die angesichts des engen Kalenders nachvollziehbar war. Fan Zhendong sollte erst im Rückspiel Mitte Dezember sein Champions-League-Debüt geben: „Da freuen wir uns auch sehr drauf“, sagte Barrois. Doch die Abwesenheit der beiden Stars zeigte in Polen Wirkung. Bialystok, ohne großen Namen, aber mit breiter Brust, entwickelte früh eine Energie, die Titelverteidiger selten lange ignorieren können.

Wir fliegen am Donnerstag mit Darko Jorgic, Patrick Franziska, Yuto Muramatsu und Cedric Meissner nach Polen

Teammanager Nicolas Barrois

Darko Jorgic, der Mann, der diese Mannschaft in hitzigen europäischen Nächten oft trägt, stolperte direkt in ein Problemspiel. Er unterlag Patryk Chojnowski mit 2:3 – und genau dieser Spieler sollte den Abend der Gastgeber prägen. Zwar drehten Patrick Franziska und Yuto Muramatsu das Match mit klaren 3:0-Siegen gegen Piotr Chodorski und Piotr Michalski, doch Chojnowski blieb unbeeindruckt. Er schlug erst die Nummer elf, dann auch die Nummer 21 der Welt. Franziska musste nach einem 2:3 gratulieren, und das Momentum schien sich endgültig gedreht zu haben. Erst im entscheidenden Einzel fand Jorgic eine Spur, schlug Chodorski 3:1 und verhinderte eine Überraschung, die durchaus greifbar war.

Das 3:2 gab Saarbrücken das, was man in Knock-out-Wettbewerben manchmal braucht: keinen Glanz, aber ein Ergebnis. „Gegen Dojlidy Bialystok könnte es knifflig werden, weil sie nichts zu verlieren haben“, hatte Jorgic vorher gesagt – und genau das spiegelte der Abend wider. Der FCS „kam mit einem blauen Auge davon“, wie es nach dem Match treffend hieß. Doch er kam davon, und das war in diesen Wochen das Entscheidende. Das Rückspiel am 19. Dezember findet in eigener Halle statt – und dort wird nicht nur die Rückkehr, sondern auch das Champions-League-Debüt von Fan Zhendong erwartet.

Nur 40 Stunden später stand jene Liga-Partie an, die retrospektiv fast wie das Gegenstück zu Polen wirkte: Statt hart erkämpftem Auswärtssieg eine herbe verpasste Chance. Der überraschende Patzer des Tabellenführers Bremen am Sonntagmorgen öffnete ein Fenster, das sich im Spitzenkampf der TTBL selten auftut. Ein Sieg gegen Bad Homburg hätte Saarbrücken erstmals in dieser Saison an die Tabellenspitze gebracht. Doch der FCS trat erneut ohne Franziska und ohne Fan Zhendong an, Franziska weil er in Schweden bei seiner Familie war – und im Doppel am Ende gingen genau jene Stabilität und Tiefe ab, die diese Mannschaft sonst auszeichnen.

Dabei hatte alles ideal begonnen. Yuto Muramatsu setzte mit seinem 3:1 über Juan Perez eine klare Linie, Jorgic erhöhte mit einem souveränen 3:0 gegen Csaba Andras. Nach zwei Einzeln stand es 2:0, exakt wie zwei Tage zuvor in der Champions League – nur dass diesmal nicht der Außenseiter wankte, sondern der Favorit. „Ich habe immer gesagt, dass dies eines unserer leichtesten Spiele wird“, kommentierte Bad Homburgs Teammanager Sven Rehde später – ein Satz, der angesichts des Verlaufs des ersten Drittels beinahe wie Zweckoptimismus klang.

Doch danach kippte das Match in einer Konsequenz, die den Saarbrückern weh tun muss. Cedric Meissner unterlag Benno Oehme glatt mit 0:3 – ein Ergebnis, das besonders pikant war, weil die beiden aus gemeinsamer Trainingszeit viele Stärken und Schwächen des jeweils anderen kennen. Oehme nutzte das, holte seinen ersten Saisonsieg und stellte die Partie auf Neustart. Ionescu begann gut, gewann den ersten Satz, verlor gegen Andras aber in vier Durchgängen. Somit musste das Doppel entscheiden – und dort zeigte sich Bad Homburg als das Team, das an diesem Tag taktisch die präzisere Lösung fand.

Trainer Helmut Hampl setzte Igor Ban und Jo Yokotani ohne vorherigen Einzel-Einsatz ins Schlussdoppel. Der Plan ging auf. Meissner/Ionescu führten zweimal, gewannen Satz eins und drei, doch Ban/Yokotani drehten das Match im vierten Satz endgültig und im fünften systematisch. Das 2:3 war perfekt, und Bad Homburg feierte einen Sieg, „von dem die meisten europäischen Spitzenteams nur träumen“.

Für Saarbrücken fühlte es sich hingegen wie ein Stolperstein an, der genau in eine Phase fiel, in der die Mannschaft ohnehin zwischen Fokus, Belastung und Wechselrhythmus balanciert. Sie stehen nun mit 10:6 Punkten auf Rang drei, hinter Bremen und Düsseldorf. Kein Drama, aber ein Rückschlag – und einer, der ausgerechnet in einem Match entstand, das sich von der Ausgangslage her ideal anfühlte.

Dass Jorgic trotz der Reisestrapazen auf hohem Niveau spielte, dass Muramatsu zuverlässig punktete, dass das Team sich trotz der engen Taktung stabil hielt – all das passt weiterhin ins Gesamtbild einer Mannschaft, die ein internationales Programm trägt, wie es sonst in Deutschland nur Düsseldorf gewohnt ist. Doch der Sonntag zeigte auch, wie dünn der Grat ist, wenn zwei Leistungsträger fehlen. Wie abhängig ein TTBL-Topteam von Stabilität in drei Rollen bleibt. Und wie sehr ein verlorenes Doppel nach 2:0-Führung einen Tag plötzlich kippen kann.

Was bleibt aus diesen beiden Spielen, ist ein realistischer Blick auf Saarbrückens sportliche Gegenwart: In Europa bleibt der FCS auf Kurs. In der Bundesliga bleibt er ein Spitzenteam. Aber er ist ein Spitzenteam, das in den kommenden Wochen jede Kraft bündeln muss – und dabei froh sein wird, dass Fan Zhendong bald wieder an der Platte steht. Und dass im Dezember das Rückspiel gegen Bialystok wartet, jenes Spiel, das nicht nur sportlich, sondern atmosphärisch ein Höhepunkt werden dürfte.

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