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Später, aber verdienter Jubel – SVE startet mit Heimsieg in 2. Liga

Zum ersten Mal gelingt der SV Elversberg ein Auftakterfolg in der 2. Bundesliga – und das in einem packenden Duell gegen den 1. FC Nürnberg. Ein spätes Kopfballtor und eine heldenhafte Rettungstat in der Nachspielzeit bringen drei wichtige Punkte zum Start.

Die Uhr in der URSAPHARM-Arena zeigte die 90. Minute, als sich die SV Elversberg für einen letzten Anlauf rüstete. Es stand 0:0, das Spiel war intensiv, offen – und noch nicht entschieden. Felix Keidel trat zur Ecke an, scharf und mit Zug segelte der Ball in den Strafraum. Innenverteidiger Maximilian Rohr bewegte sich aus dem Rücken der Abwehr an den kurzen Pfosten, stieg hoch und drückte den Ball per Kopf über die Linie. Was folgte, war ein emotionales Beben auf den Rängen: Der späte Treffer bedeutete den 1:0-Erfolg im Auftaktspiel gegen den 1. FC Nürnberg – und zugleich den ersten Auftaktsieg der SVE in der 2. Liga überhaupt.

Ich habe noch gesehen, wie der Ball ins Tor ging – und ab dann weiß ich bis zum Anstoß nichts mehr

sagte Rohr später mit einem Lächeln. „Ich habe schon ein paar Tore in meiner Karriere gemacht, aber so ein entscheidendes kurz vor Schluss war noch nicht dabei.“ Die Szene hatte Symbolkraft. Elversberg war in der Schlussphase die aktivere Mannschaft, zeigte mehr Präsenz und Siegeswillen – und wurde dafür belohnt.

Dabei hätte das Spiel fast noch eine Wendung genommen. In der Nachspielzeit griff Jan Gyamerah zum Trikot des heranstürmenden Rafael Lubach. Schiedsrichter Eric Weisbach zeigte sofort auf den Punkt – Elfmeter für Nürnberg. Doch der Videobeweis korrigierte: Das Foul hatte außerhalb des Strafraums begonnen. Der fällige Freistoß aus zentraler Position wurde von Lubach selbst ausgeführt – platziert und mit viel Effet flog der Ball über die Mauer. Doch Nicolas Kristof im Tor der SVE reagierte glänzend, lenkte den Ball mit den Fingerspitzen an die Latte. Jason Ceka war zur Stelle und klärte den Abpraller vor dem einschussbereiten Fabio Gruber. Erst danach beendete der Schiedsrichter die Partie – und das Stadion explodierte endgültig.

Für Trainer Vincent Wagner war es ein Auftakt nach Maß – mit Hochspannung bis zur letzten Sekunde. „Ach, ich fand das ganz spannend“, sagte er nach der Partie mit einem Augenzwinkern gegenüber der Saarbrücker Zeitung. Der 39-Jährige, der unlängst scherzte, erst nach einer Niederlage wieder zum Friseur gehen zu wollen, dürfte mit seinem Team zufrieden gewesen sein. Nach einer durchwachsenen Vorbereitung mit lediglich einem Sieg aus sechs Testspielen und einem personellen Umbruch war unklar, wie stabil Elversberg zum Ligastart auftreten würde. Die Antwort lieferte das Team auf dem Platz.

Mit Amara Condé, Bambasé Conté, Jan Gyamerah und Lasse Günther standen vier Neuzugänge in der Startelf. Die Abstimmung war erwartungsgemäß noch nicht in allen Bereichen optimal. Wagner musste mehrfach lautstark dirigieren, auch unter den Spielern wurde viel kommuniziert. Doch im Verlauf des Spiels fanden die Gastgeber besser in die Partie – und übernahmen nach der Pause zunehmend die Kontrolle.

Schon vor dem späten Tor hatte Elversberg mehrfach die Führung auf dem Fuß. Conté scheiterte zunächst am stark reagierenden FCN-Keeper Jan Reichert (48.) und verfehlte später das Ziel nur knapp (65.). Lukas Petkov setzte wenig später einen Schuss aus vielversprechender Position ebenfalls knapp über das Tor (67.). Nürnberg war bemüht, blieb aber offensiv weitgehend ungefährlich. „Elversberg hat es am Ende erzwungen“, sagte FCN-Coach Miroslav Klose nach dem Spiel. „Wir sind nie wirklich gefährlich zum Abschluss gekommen.“

In der ersten Hälfte hatten die Franken noch die besseren Ansätze. Julian Justvan (18.) und Michael Biron (23.) zwangen Kristof jeweils zu Paraden. Doch auch Elversberg hatte vor der Pause seine Momente – Schnellbacher (41.) und Zimmerschied (44.) sorgten für Gefahr, ohne jedoch zum Abschluss zu kommen. In der zweiten Hälfte zeigte sich dann eine klare Steigerung. Die Gastgeber traten strukturierter auf, kombinierten mutiger und hatten ein Übergewicht im Mittelfeld.

Dass der entscheidende Treffer nach einer Standardsituation fiel, war dabei kein Zufall. „Wir trainieren das in fast jedem Training“, sagte Keidel, der die Ecke zum Tor des Tages schlug. „Das sind jetzt keine besonderen Varianten. Die Wiederholungen machen es.“ Besonders erfreulich war die Leistung von Maximilian Rohr, der als Innenverteidiger nicht nur in der Defensive Stabilität brachte, sondern auch offensiv den Unterschied machte. Ebenso überzeugend präsentierte sich Torhüter Kristof, der mit seiner Reaktion in der Nachspielzeit den Sieg sicherte.

Lob gab es auch vom neuen Kapitän Lukas Pinckert, der den langjährigen Spielführer Robin Fellhauer beerbt hat. „Wir hatten jetzt einen großen Umbruch und keine guten Testspielergebnisse in der Vorbereitung. Das zählt aber alles nicht mehr, wenn es um Punkte geht. Wir sind gut, und das haben wir heute gezeigt“, sagte er. Trainer Wagner betonte nach dem Spiel, dass der Erfolg nicht überbewertet werden dürfe. „Wir kennen uns jetzt gerade mal sechs Wochen, wobei ‚Kennen‘ das falsche Wort ist. Bis jeder weiß, wie der andere auf dem Platz denkt, vergehen noch Wochen und Monate. Aber wir machen das schon ganz gut.“ Tatsächlich war der Sieg nicht nur ein Erfolg für die Tabelle – sondern auch ein wichtiges Signal für die Moral. Mit dem Auftakterfolg im Rücken reist Elversberg nun zum Auswärtsspiel nach Bochum. Gegen den Bundesliga-Absteiger erwartet die Saarländer ein echter Härtetest – oder doch nicht? Die Bochumer gingen in Darmstadt mit 1:4 baden – ob das nun ein Vor- oder Nachteil ist, bleibt abzuwarten. Die Bochumer werden sicherlich ein anderes Gesicht zeigen wollen. Die Euphorie über den gelungenen Start wird dort auf den Prüfstand gestellt. Doch die Basis ist gelegt.

Wir kennen uns jetzt gerade mal sechs Wochen, wobei ‚Kennen‘ das falsche Wort ist. Bis jeder weiß, wie der andere auf dem Platz denkt, vergehen noch Wochen und Monate. Aber wir machen das schon ganz gut.

Vincent Wagner

Dieser Sieg ist nicht mehr als ein Anfang – jedoch auch ein Beleg dafür, dass die SVE auch im dritten Jahr ihrer Zweitliga-Zugehörigkeit bereit ist, mehr als nur mitzuspielen. Dass es bis zur letzten Sekunde spannend blieb, passt zur Geschichte dieses Spiels – und vielleicht auch zur kommenden Saison.

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