Spätes Gegentor nach intensiver Partie – Elversberg unterlag in Nürnberg 2:3

Der Rückrundenauftakt der SV Elversberg endete ohne Punkte. Trotz zweimaliger Führung verlor die Mannschaft von Trainer Vincent Wagner beim 1. FC Nürnberg im Max-Morlock-Stadion nach einem intensiven Spiel mit 2:3. Die Entscheidung fiel erst in der Nachspielzeit – nach einem Spiel, das lange offen war, mehrfach kippte und in dem Elversberg selbst beste Möglichkeiten hatte, die Partie vorzeitig auf die eigene Seite zu ziehen. Vor allem mit Blick auf den vergebenen Elfmeter ist die Niederlage schmerzhaft, völlig unverdient ist sie jedoch nicht.
Wagner musste zum Jahresauftakt die Mannschaft umbauen: krankheitsbedingt fehlte Bambasé Conté, Jarzinho Malanga rückte ins offensive Zentrum. Zudem begann David Mokwa erstmals in einem Pflichtspiel für die SVE. Elversberg startete ordentlich, versuchte zunächst, Kontrolle über Ball und Rhythmus zu bekommen, ohne jedoch früh zwingend zu werden. Nürnberg benötigte eine kurze Anlaufphase, übernahm dann aber zunehmend die Initiative und setzte die Gäste mit hohem Tempo unter Druck.
Gerade in der ersten Halbzeit war es vor allem der Nürnberger Offensivdrang, der das Spiel prägte. Elversberg wurde tief in die eigene Hälfte gedrängt, verteidigte mit großem Einsatz – und hatte in dieser Phase mehrfach Glück sowie einen überragenden Torhüter. Nicolas Kristof rückte in den Fokus, parierte stark und verhinderte einen frühen Rückstand. Hinzu kamen Aluminiumtreffer und geblockte Abschlüsse, die die Überlegenheit der Gastgeber unterstrichen. Wagner benannte diese Phase später klar: „Wir hatten in der ersten Halbzeit Glück, dass wir einen guten Torwart hatten.“
Wir hatten in der ersten Halbzeit Glück, dass wir einen guten Torwart hatten.
SVE-Trainer Vincent Wagner
Erst allmählich gelang es der SVE, sich aus dem Druck zu lösen. Einzelne Ballgewinne sorgten für Entlastung, das Spiel nach vorne wurde mutiger. Schließlich nutzte Elversberg eine dieser Situationen konsequent: Lasse Günther setzte sich über die linke Seite durch und fand Tom Zimmerschied im Zentrum, der direkt abschloss. Eine Führung, die angesichts des bisherigen Spielverlaufs glücklich war, Elversberg aber Sicherheit gab und die Partie kurzzeitig beruhigte.
Wagner ordnete den Verlauf der ersten Hälfte später differenziert ein: „So wild fand ich das Spiel zuerst ehrlich gesagt gar nicht. Nürnberg war in der ersten Halbzeit in einer Phase deutlich überlegen und hatte auch einige Chancen. Die haben wir aber überstanden und sind dann in Führung gegangen.“
Nach dem Seitenwechsel veränderte sich das Bild. Elversberg kam aktiver aus der Kabine, fand häufiger Lösungen im Spiel nach vorne und trat selbstbewusster auf. Dennoch gelang Nürnberg der Ausgleich. In der Folge entwickelte sich ein zunehmend offenes Spiel, geprägt von vielen Umschaltmomenten und wenig Kontrolle auf beiden Seiten. Chancen ergaben sich hüben wie drüben, die Partie wurde unruhiger.
Doch erneut zeigte Elversberg seine Effizienz. Wieder war es Günther, der über links die gesamte Außenbahn absprintete, wieder nutzte die SVE die entstehenden Lücken im Zentrum. Malanga stand am Elfmeterpunkt frei, schloss entschlossen ab und brachte die Gäste ein zweites Mal in Führung. Doch auch diesmal hielt der Vorsprung nicht lange. Nürnberg antwortete prompt und glich erneut aus. Nach einem Fernschuss war es Piet Scobel, der den Abpraller über die Linie drückte. In der ersten Halbzeit scheiterte er noch in genau einer solchen Situation.
Wagner erkannte in dieser Phase ein wiederkehrendes Muster: „In der zweiten Halbzeit waren wir dann besser im Spiel. Gerade in den Phasen, in denen wir vermeintlich Kontrolle bekommen, werden wir ein bisschen zu euphorisch und lassen uns sowohl beim Stand von 1:0 als auch von 2:1 auskontern.“ Insgesamt beschrieb er die Partie als „wilde Fahrt“. „Wenn das Siegtor für uns gefallen wäre, hätte es mir besser gefallen. Am Ende ist die Niederlage aber nicht unverdient.“
Wenn das Siegtor für uns gefallen wäre, hätte es mir besser gefallen. Am Ende ist die Niederlage aber nicht unverdient.
SVE-Trainer Vincent Wagner
Trotz des erneuten Ausgleichs war Elversberg in der Schlussphase näher an der Entscheidung. Mehrfach bot sich die Gelegenheit, das Spiel endgültig zu drehen. Besonders bitter war die Szene vom Punkt: Nach einem Foul im Strafraum an Frederik Schmahl übernahm der eingewechselte Otto Stange die Verantwortung, scheiterte jedoch am Nürnberger Torhüter Jan Reichert. Wagner benannte diesen Moment als Wendepunkt: „Dann verschießen wir den Elfmeter, und das Spiel kippt in die falsche Richtung.“ Bis dahin habe seine Mannschaft vieles richtig gemacht. „Bis zur 85. Minute, bis zum verschossenen Elfmeter, haben wir es gut gemacht. Wir haben uns gut reingebissen.“
Nach dem vergebenen Strafstoß lag das Momentum endgültig bei den Gastgebern. Elversberg investierte weiterhin viel, versuchte, das Spiel offen zu halten, wurde jedoch in der Nachspielzeit noch einmal bestraft. Eine Flanke fand im Strafraum wieder Piet Scobel, der per Kopf vollendete und bei seinem ersten Startelfeinsatz zum zweiten Mal traf. „Das war unglücklich, und hinten raus war es dann eine Flanke, der Lucky Punch für Nürnberg“, sagte Wagner. Entsprechend klar fiel sein Gesamtfazit aus: „Nicht gut auf jeden Fall. Drei Gegentore sind mindestens zwei zu viel.“
Auf Nürnberger Seite zeigte sich Trainer Miroslav Klose nach Abpfiff entsprechend zufrieden mit dem Auftritt seiner Mannschaft. „Ein riesiges Kompliment an meine Mannschaft! Wir haben eine richtig gute erste Halbzeit gezeigt, hatten endlich mal Abschlüsse außerhalb des Sechzehners und haben unsere Chancen erzwungen“, sagte Klose und verwies auf seine Einschätzung vor dem Spiel: „Ich habe es bereits vor dem Spiel gesagt, dass, wenn beide Mannschaften das zeigen, was sie können, es ein gutes Spiel wird.“ Genau diesen Eindruck habe die Partie auch hinterlassen. „Und ich denke, es war für die Zuschauer ein fantastisches Spiel“, so Klose weiter. Auch Torhüter Jan Reichert hob die Herangehensweise der Gastgeber hervor. „Wir haben uns akribisch vorbereitet und wussten genau, was auf uns zukommt. Wir hatten einen sehr guten Matchplan, der über große Phasen der Partie richtig gut geklappt hat“, erklärte Reichert und ergänzte: „Elversberg hat eine gewisse Qualität, doch wir sind bei uns geblieben.“ Besonders die Reaktionen nach den Rückständen wertete der Nürnberger Schlussmann positiv. „Es haben vermutlich in der Halbzeit nicht viele gewusst, warum Elversberg führte. Wir haben aber nach dem Halbzeitrückstand und auch auf den zweiten Rückstand eine gute Reaktion gezeigt. So muss es weitergehen“, sagte Reichert und betonte abschließend: „Ich bin einfach sehr glücklich, dass wir uns mit dem Sieg belohnt haben.“
Ich habe es bereits vor dem Spiel gesagt, dass, wenn beide Mannschaften das zeigen, was sie können, es ein gutes Spiel wird.
FCN-Trainer Miroslav Klose
Für Elversberg blieb nach diesem Auftakt eine bittere Erkenntnis: Die Mannschaft spielte „nicht gut und auch nicht schlecht“, wie Vincent Wagner einordnete, auswärts bei einem formstarken Gegner reicht das dann aber in der 2. Bundesliga nicht. Auch wenn die SVE es am Ende eigentlich in der eigenen Hand hatte, den Elfmeter jedoch verschoss. „Wenn wir da auf 3:2 stellen, würden wir sagen: ein bisschen glücklich, aber nicht unverdient. So fällt es andersrum“, fasste Wagner zusammen. Viel Zeit zum Hadern blieb nicht. „Jetzt abhaken und weiterarbeiten. Eine andere Option gibt es nicht.“ Denn am kommenden Sonntag bietet sich im ersten Heimspiel des neuen Jahres gegen den VfL Bochum die Gelegenheit, die passende Antwort zu geben.