Stange entscheidet im Nebel: SV Elversberg schlägt Fortuna Düsseldorf 1:0

Zum letzten Heimspiel des Jahres wurde an der Kaiserlinde unter schwierigen Sichtbedingungen gespielt. Dichter Nebel lag über der URSAPHARM-Arena, Schiedsrichter Richard Hempel ließ die Partie dennoch anpfeifen. Sportlich wurde es ein Spiel mit sehr unterschiedlichen Phasen: Elversberg begann mit mehr Ballbesitz und den ersten Möglichkeiten, danach kam Düsseldorf immer besser in die Partie und erspielte sich im Verlauf die klareren Chancen. Am Ende entschied ein Treffer von Joker Otto Stange die Begegnung zugunsten der SVE, die Fortuna blieb trotz guter Gelegenheiten erneut ohne Tor.
Elversberg blieb damit in der Spitzengruppe der 2. Bundesliga und bestätigte den Eindruck, dass diese Mannschaft auch in engen, unansehnlichen Spielen Wege findet. Düsseldorf dagegen rutschte tiefer in die Krise. Über lange Strecken war Fortuna gefährlicher, klarer, zielstrebiger – nur nicht effizient. Oder, wie es Markus Anfang nach Abpfiff formulierte: „Wir haben uns nicht versteckt, nach vorne gespielt und waren in vielen Phasen die bessere Mannschaft. Aber da kommt unser Problem zum Tragen, wir machen einfach keine Tore.“ Genau dieses Muster zog sich wie ein roter Faden durch 90 Minuten, in denen Elversberg zunächst gut begann, dann fast völlig verschwand und am Ende doch derjenige war, der den entscheidenden Ball im Tor unterbrachte.
Vincent Wagner hatte seine Startelf im Vergleich zum 2:1-Topspielsieg in Paderborn auf zwei Positionen verändert – und zwar auf den Außenverteidigerpositionen. Keidel und Mickelson rückten für Gyamerah und Günther hinein. Düsseldorf wechselte nach dem jüngsten Rückschlag ebenfalls: Appelkamp und Rasmussen ersetzten Oberdorf, der gelb-rotgesperrt fehlte, sowie Raimund. Schon diese Aufstellungen ließen erahnen, dass Düsseldorf nicht nur irgendwie überleben wollte, sondern versuchen würde, das Spiel mit Qualität zu gestalten. Wagner sagte später, er habe beim Blick auf den Bogen gedacht: „Das ist eine krass gute Mannschaft.“
Die ersten Minuten aber gehörten Elversberg. Die SVE übernahm die Spielkontrolle, dominierte im Mittelfeld, hatte deutlich mehr Ballbesitz und kam früh in aussichtsreiche Räume. Petkov und Younes Ebnoutalib hatten die besten Möglichkeiten in dieser Phase. Ebnoutalib scheiterte mit einem Flachschuss an Florian Kastenmeier, und auch insgesamt schien es, als hätte Elversberg den besseren Zugriff, als könne man den angeschlagenen Gegner mit einem frühen Treffer noch tiefer in die Unsicherheit drücken. Wagner griff genau diesen Eindruck später auf und sagte: „Wir sind gut ins Spiel reingekommen. Wenn es nach 15 Minuten 2:0 für uns steht, kann sich Fortuna nicht beschweren.“
Wir hatten einen guten Torhüter und auch Glück – so ehrlich müssen wir sein.
Vincent Wagner
Düsseldorf brauchte eine Weile, um in die Partie zu finden. Die Mannschaft wirkte zunächst wie gehemmt, leistete sich Ungenauigkeiten, stand zeitweise tief im eigenen Drittel. Und doch reichte ein einziger Moment, um das Spiel kippen zu lassen. Cedric Itten kam nach einer Flanke am Fünfmeterraum per Volley zum Abschluss – ein wuchtiger Versuch, der nach Kopfballablage von Elias Egouli vorbereitet war. Nicolas Kristof lenkte den Ball mit einer Glanzparade über die Latte. Es war Düsseldorfs erstes klares Lebenszeichen – und zugleich der Beginn einer Phase, in der Fortuna spürbar mutiger wurde.
Elversberg blieb zwar länger spielbestimmend, doch im letzten Drittel fehlte die letzte Konsequenz, der letzte Druck. Viele Angriffe endeten zu früh, die Bälle, die durchkamen, waren bei Kastenmeier in sicheren Händen. Düsseldorf dagegen wurde bei Standards und zweiten Bällen immer wieder gefährlich, ohne dabei zwingend zu wirken – bis kurz vor der Pause. Jesper Daland köpfte nach einer Freistoßflanke von Florent Muslija gegen die Laufrichtung von Kristof, der erneut hervorragend reagierte. Es folgten weitere Szenen, die für Düsseldorf sinnbildlich werden sollten: kurz vor dem Seitenwechsel blockte Keidel einen Ball von Kenneth Schmidt am Fünfmeterraum, dann stand erneut Daland im Zentrum. Technisch stark legte er sich an der Strafraumgrenze die Kugel zur Volleyabnahme vor und knallte sie an die Latte. Kristof wäre machtlos gewesen. Der Nebel blieb, die Null auch – aber spätestens da war klar, dass Fortuna nicht nur mitspielte, sondern das Spiel an sich zog.
Nach dem Wiederanpfiff setzte sich dieses Bild fort, sogar noch deutlicher. Elversberg versuchte über Ballbesitz die Kontrolle zu halten, fand aber offensiv immer seltener Lösungen. Düsseldorf gewann Bälle höher, spielte direkter in die Tiefe und kam zu den klareren Chancen. Muslija steckte nach Ballgewinn auf Christian Rasmussen durch, der frei vor Kristof scheiterte. Rasmussen hatte im ersten Durchgang kaum Ballkontakte, jetzt stand er plötzlich im Zentrum der Partie – und scheiterte wieder. Danach war es noch größer: Rasmussen brach über rechts durch und fand am zweiten Pfosten Muslija, doch der jagte den Ball aus wenigen Metern über das Tor. Und kurz darauf stand Rasmussen erneut zentral vor Kristof, wieder entschied sich der Torhüter richtig, wieder blieb es beim 0:0. Muslija fasste die Mechanik dieses Nachmittags später drastisch zusammen: „Auf gut Deutsch sagt man: Wenn du Kacke am Fuß hast, hast du Kacke am Fuß. Und das hat sich heute leider wieder gezeigt.“
In dieser Phase war Elversberg eigentlich der Kandidat, der das Spiel verlieren musste, wenn man es allein nach Chancen beurteilte. Die Fortuna hatte nicht nur Möglichkeiten, sie hatte mehrere, die in dieser Liga normalerweise reichen. Auch statistisch war das Übergewicht sichtbar: Düsseldorf kam auf einen deutlich höheren erwarteten Torwert als die Gastgeber. Und doch blieb Elversberg im Spiel, weil Kristof nahezu alles wegnahm, was auf sein Tor kam, und weil die SVE im eigenen Strafraum mit einer Konsequenz verteidigte, die in solchen Spielen den Unterschied macht. Wagner sagte später: „Wir haben gekämpft und uns in alles reingeschmissen – da kann man uns wieder keinen Vorwurf machen.“ Und er ergänzte den entscheidenden Satz, der diese 90 Minuten ehrlich beschreibt: „Wir hatten einen guten Torhüter und auch Glück – so ehrlich müssen wir sein.“
Düsseldorf fehlte dieses Glück. Und es fehlte die Präzision. Markus Anfang sprach von einem Spiel, das „vom Ergebnis her mit Sicherheit anders hätte laufen müssen“. Er listete auf, was aus seiner Sicht nicht das Problem gewesen sei: „nicht über den Inhalt, nicht über die Intensität, nicht über fehlenden Willen und nicht, weil wir die schlechtere Mannschaft sind“. Und dann kam er wieder zum Kern zurück: „Aber um etwas Zählbares mitzunehmen, musst du Tore machen.“ Der Satz war weniger Ausrede als Diagnose – und gleichzeitig Selbstanklage, weil Düsseldorf selbst wusste, wie viele Gelegenheiten man liegen ließ.
So bekam das Spiel, das lange nach 0:0 roch, seine Pointe ausgerechnet in dem Moment, als es ruhiger geworden war. Beide Teams gingen nur noch selten volles Risiko, der Nebel wurde zum Hintergrundrauschen eines Spiels, das sich in Zweikämpfen und Positionsarbeit verlor. Dann aber spielte Elversberg einmal schnell und klar durch die Mitte. Tom Zimmerschied trieb an, kombinierte sich mit einem Pass in den richtigen Raum, steckte durch auf Otto Stange. Der Joker nahm den Ball auf, kam aus spitzem Winkel zum Abschluss und schoss auf die kurze Ecke. Kastenmeier sah dabei unglücklich aus – der Ball rutschte durch. 1:0. Ein Treffer, der in seiner Entstehung schlicht war, aber in seiner Wirkung maximal.
Für Düsseldorf war es der Moment, vor dem man sich in solchen Spielen fürchtet: lange überlegen, Chancen haben, nichts treffen – und dann selbst den Gegentreffer fangen. Cedric Itten brachte das Gefühl danach auf den Punkt: „Wir haben erneut ein gutes Spiel gemacht, aber wieder keine Punkte geholt. In uns herrscht eine gewisse Wut.“ Und er beschrieb die Wahrnehmung auf dem Platz: „Wir spielen hier auswärts beim Tabellenzweiten und sind auf dem Platz gefühlt überlegen. Und jetzt stehen wir hier wieder mit Nichts.“ Itten klammerte sich an das, was in solchen Phasen bleibt: „Das Positive ist: Wir haben die Chancen erspielt. Irgendwann muss und wird es sich drehen.“
Wir spielen hier auswärts beim Tabellenzweiten und sind auf dem Platz gefühlt überlegen. Und jetzt stehen wir hier wieder mit Nichts.
Cedric Itten
Anfang reagierte nach dem Rückstand und brachte mit Danny Schmidt und Zan Celar noch einmal frische Offensivkräfte. Düsseldorf warf in der Schlussphase alles nach vorne, fand aber gegen die kompakte Elversberger Defensive keinen sauberen Zugriff mehr. Elversberg verteidigte die Führung, ohne dabei in Hektik zu verfallen. In der Nachspielzeit geriet der knappe Sieg nicht mehr ernsthaft in Gefahr – auch weil die Fortuna, die sich zuvor so viele klare Situationen erarbeitet hatte, nun zu unsauber blieb, um noch einmal zwingend zu werden.
Wagner nannte den Sieg hinterher „einen dreckigen Arbeitssieg“, und genau so fühlte er sich an. Ein Spiel, das Elversberg nicht über Schönheit gewann, sondern über Standhaftigkeit. Gleichzeitig blieb Wagner in seiner Bewertung fair – auch gegenüber dem Gegner: „In der ersten Halbzeit ist die Fortuna vor allem nach Standards gefährlich geworden, in der zweiten dann auch aus dem Spiel heraus.“ Und er machte klar, dass auch ein anderes Ergebnis möglich gewesen wäre: „Wenn es andersrum nach 60 Minuten 2:0 für die Fortuna steht, beschweren wir uns auch nicht.“ Für Elversberg war es damit ein Nachmittag, an dem vieles stimmte, obwohl nicht alles gut war. Für Düsseldorf ein Nachmittag, an dem vieles gut war, obwohl nichts stimmte – zumindest nicht im Ergebnis.
Sportlich bleibt festzuhalten: Elversberg hat gewonnen, obwohl Düsseldorf die besseren Chancen hatte. Elversberg hat zu Null gespielt, weil Kristof überragend war und weil die Mannschaft im entscheidenden Bereich geschlossen verteidigte. Düsseldorf hat verloren, obwohl die Anlage stimmte, weil die Effizienz fehlte. Markus Anfang formulierte es in einem Satz, der nicht mal mehr wütend klang, sondern erschöpft: „Heute müssen wir als Sieger vom Platz gehen. Aber das hilft nicht.“ Und Muslija ergänzte die Perspektive aus dem Inneren einer Krise: „Das Momentum liegt nicht auf unserer Seite, das muss man ganz klar sagen.“ Er sprach von einem „Reifeprozess“ – und von der Hoffnung, „dass der Reifeprozess bald zu einem Ende kommt“.
Für die SV Elversberg war dieser 1:0-Sieg ein Abschluss des Heimjahres, der nicht gefeiert werden musste, um wertvoll zu sein. Ein Spiel, das man nicht schönreden kann, aber auch nicht kleinreden sollte, weil es zeigt, was in einer Saison über Aufstiegsnähe oft entscheidet: nicht die Leichtigkeit, sondern die Fähigkeit, Phasen zu überstehen. Wagner brachte das ohne Verklärung auf den Punkt, als er sagte, die Fortuna habe aktuell „dieses Quäntchen Glück nicht auf ihrer Seite“. Elversberg hatte es – und nahm es an.
Zum Hinrundenabschluss tritt die SVE am kommenden Sonntag um 13.30 Uhr bei Preußen Münster an. Düsseldorf empfängt bereits am Samstag um 13 Uhr die SpVgg Greuther Fürth. Elversberg fährt als erster Verfolger von Tabellenführer Schalke 04 in die letzte Aufgabe des Jahres. Und Düsseldorf fährt weiter mit der Erkenntnis nach Hause, die in Bielefeld, Berlin, Braunschweig – und nun auch an der Kaiserlinde – immer wieder dieselbe bleibt: Chancen sind nur dann ein Fortschritt, wenn am Ende auch ein Tor daraus wird. Und die SVE machte aus ihren Chancen zumindest ein Tor – und das war gegen die Fortuna genug.