SV Elversberg triumphiert über Tabellenführer Hannover 96

Die SV Elversberg bleibt in der 2. Liga der große Favoritenschreck – und gehört in dieser Form fast selbst schon dazu. Durch den 3:1 Heimsieg gegen Hannover 96 trennen die SVE nur noch drei Punkte von der Tabellenspitze.
Die SV Elversberg setzt in der 2. Bundesliga weiterhin Ausrufezeichen. Nach den Erfolgen gegen die Spitzenclubs der Liga, darunter ein 2:2 gegen den 1. FC Köln, ein 4:1 bei Hertha BSC und ein 4:2-Sieg gegen den Hamburger SV, war nun auch Tabellenführer Hannover 96 an der Reihe. Der Erstplatzierte musste schmerzlich erfahren, dass die Reise ins Saarland keine leichte Aufgabe ist.
In den ersten Minuten der Partie deutete noch wenig auf die kommende Dominanz der Gastgeber hin. Doch dann legte Elversberg los und zeigte, dass sie sich nicht nur als „Topteam-Schreck“ der Liga etablieren, sondern selbst das Zeug haben, langfristig oben mitzuspielen. Bereits in der zehnten Minute brachte Baum die Gastgeber nach einer Vorlage von Asllani in Führung und eröffnete damit eine Phase ununterbrochenen Angriffsfußballs. Besonders Asllani war nicht zu stoppen und brachte Hannovers Torwart Ron-Robert Zieler zur Verzweiflung. In der 17. Minute verhinderte dieser durch eine Glanzparade nach einem Schlenzer das mögliche 2:0 und fischte den Ball spektakulär aus dem Winkel.
Elversbergs Druck nahm nicht ab – nach 25 Minuten stand es bereits 8:0 beim Schussverhältnis, und auch bei Eckbällen führten die Hausherren mit 6:0. Kurz darauf folgte ein turbulenter Moment, als Zieler einen Freistoß von Damar parierte und in Folge einer Faustabwehr Manuel Feil zu Fall brachte. Schiedsrichter Florian Lechner entschied zunächst auf Elfmeter, nahm den Strafstoß jedoch nach VAR-Überprüfung zurück. Doch selbst diese Entscheidung änderte nichts am Bild des Spiels – Elversberg drückte weiter und belohnte sich in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit erneut: Nach schlechter Defensivarbeit der Hannoveraner Defensive nutzte Asllani die Unkonzentriertheit und erhöhte auf 2:0. Der sonst so zuverlässige Marcel Halstenberg griff in dieser Szene nicht konsequent ein und machte den Weg frei für Elversbergs zweiten Treffer.
In der Halbzeitpause hoffte Hannover auf eine Wende, doch diese blieb aus. Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff war es erneut Elversberg, die eiskalt zuschlugen: Damar, der bis zur vergangenen Saison noch Teil des 96-Kaders war, traf nach einer Vorlage von Baum gegen seinen Ex-Club zum 3:0 (49. Minute). Hannovers Abwehr, die bis dato als die beste Defensive der Liga galt und in den ersten elf Partien nur sieben Gegentreffer hinnehmen musste, erlebte einen bitteren Nachmittag. „Wir sind heute über weite Strecken nicht so aufgetreten wie in den Wochen zuvor. Elversberg hat das ausgenutzt, spielerisch mit einer guten Intensität, und deshalb haben sie auch verdient gewonnen“, räumte Hannovers Cheftrainer Stefan Leitl ein. „Wir konnten keine guten Pressingmomente steuern und hatten nicht die nötige Intensität beim Anlaufen.“
Das war vielleicht das beste Spiel von Elversberg, seit ich hier Trainer bin. Wenn man bedenkt, dass uns einige wichtige Spieler verletzungsbedingt fehlen, war das schon unglaublich stark.
Horst Steffen
Hannover geriet zunehmend unter Druck, während Elversberg sich in einen regelrechten Rausch spielte. In der 53. Minute war es erneut Zieler, der gegen Feil retten musste, und nur zehn Minuten später verhinderte er ein weiteres Tor durch eine Flugparade gegen Asllani. Die Gastgeber hielten das Tempo konstant hoch und Hannover versuchte, sich zumindest noch im eigenen Strafraum mit letzten Rettungsaktionen gegen die unaufhörlichen Angriffe der Elversberger zu stemmen. Es dauerte bis zur 70. Minute, ehe Hannover seine erste Ecke zugesprochen bekam – zu diesem Zeitpunkt hatte Elversberg bereits 15 Eckbälle auf dem Konto. Immerhin kam Phil Neumann in der 72. Minute zur ersten echten Chance für Hannover, doch sein Schuss wurde im letzten Moment geblockt.
Den Ehrentreffer für Hannover erzielte schließlich Nicolo Tresoldi in der Nachspielzeit (90.+1), doch dieser konnte die verdiente Niederlage der Gäste nicht mehr verhindern. „Wir werden das Spiel gut aufarbeiten und kritisch analysieren“, erklärte Leitl nach der Partie. „Es geht darum, zu verstehen, warum wir das Spiel verloren haben.“
Elversbergs Trainer Horst Steffen zeigte sich indes begeistert von der Leistung seiner Mannschaft: „Das war vielleicht das beste Spiel von Elversberg, seit ich hier Trainer bin. Wenn man bedenkt, dass uns einige wichtige Spieler verletzungsbedingt fehlen, war das schon unglaublich stark. Es war eine großartige Leistung von unseren Jungs, die es von der ersten bis zur letzten Sekunde wie besprochen durchgezogen haben. Wir haben immer wieder Akzente setzen können. Wir hatten unsere Offensivaktionen, haben aber auch leidenschaftlich verteidigt. Wir haben es sauber gespielt.“ Noch beeindruckender wird die Leistung der SVE, wenn man bedenkt, dass mit Florian Le Joncour, Semih Şahin, Robin Fellhauer und Luca Schnellbacher eine ganze Achse an Leistungsträgern verletzt fehlte. Der einzige Spieler, der nach dem Spiel etwas zu bemängeln hatte, war Fisnik Asllani: „Aktuell können wir stolz auf uns sein, dass wir so spielen. Ich bin aber ein kleines bisschen genervt, da wir noch höher hätten gewinnen können“, sagte er gegenüber der Saarbrücker Zeitung. Asllani steht mittlerweile bei sieben Treffern und drei Vorlagen – ein sehr guter Wert nach 12 Spielen. Bei diesem Spiel jemanden herauszuheben wäre jedoch falsch – am Ende war es eine bärenstarke Team-Leistung.
Mit diesem Erfolg schiebt sich die SV Elversberg auf den sechsten Platz in der Tabelle und rückt plötzlich in die Nähe der Aufstiegsplätze. Nach der Länderspielpause wartet die nächste Herausforderung auf die Saarländer, wenn sie am 23. November auswärts bei Fortuna Düsseldorf gefragt sind.