SVE mit Rückenwind: Elversberg will Spitzenreiter HSV ärgern

Am Freitagabend ist es so weit: Die SV Elversberg tritt im ehrwürdigen Volksparkstadion gegen den Hamburger SV an. Es ist das Duell David gegen Goliath – oder doch nicht? Denn die Saarländer haben sich in dieser Zweitliga-Saison einen Namen gemacht und könnten dem Tabellenführer mehr abverlangen, als manch einer erwartet. Anpfiff des Topspiels ist um 18.30 Uhr.
Auch wenn der Blick auf die Tabelle eine klare Sprache spricht – der HSV ist Spitzenreiter, zuhause noch ungeschlagen – die Vorfreude auf diese Partie ist im Lager der SVE riesig. Cheftrainer Horst Steffen betont:
Der Hamburger SV ist ein Aufstiegsfavorit, gegen den wir uns wieder messen können und uns sehr darauf freuen. Für mich ist es weiterhin keine Selbstverständlichkeit, gegen Gegner wie diesen und in solchen Stadien zu spielen. Es ist ein Geschenk für uns alle, mit der Möglichkeit zu zeigen, was wir draufhaben.
Volle Kaderstärke nach der Länderspielpause
Die kurze Länderspielpause hat Elversberg gut getan. Die Nationalspieler sind ohne Blessuren zurückgekehrt und stehen am Freitagabend voll zur Verfügung. Das sorgt für eine gehobene Anspannung im Team. „Die Spannung und die Vorfreude sind hoch bei den Jungs, es wird ein interessantes Spiel“, sagt Steffen. Der Respekt vor dem Gegner ist jedoch groß:
Hamburg steht nicht umsonst da oben. Sie haben gute Jungs und eine hohe Qualität im Kader. Mit der stärksten Offensive ist auch klar, was auf uns zukommen wird und was wir verteidigen dürfen. Ich stelle mich darauf ein, dass der HSV sehr selbstbewusst auftreten wird, aber genauso selbstbewusst wollen auch wir dorthin fahren und auftreten. Das ist das Ziel.
HSV in Bestform – Offensivstars kehren zurück
Die Hamburger haben ihre berüchtigte Frühjahrsschwäche in dieser Saison bislang abgelegt. Beim souveränen 3:0-Auswärtssieg gegen den 1. FC Magdeburg stellte Ransford Königsdörffer mit einem Doppelpack seine Torgefährlichkeit unter Beweis. Stürmer Davie Selke, der mit seinen 17 Saisontreffern in der Torschützenliste weit vorne steht, kehrt nach einer kurzen Verletzungspause ebenfalls ins Team zurück. Doch Königsdörffer (11 Tore) und der wieder genesene Robert Glatzel (7 Tore) machen ihm die Rolle als alleinige Spitze streitig. Hinzu kommt das 18-jährige Offensiv-Juwel Otto Stange, der in seinen Einsätzen bereits zweimal getroffen hat.
HSV-Co-Trainer Polzin lobt die Harmonie in der Mannschaft: „Das ist eine absolute Top-Situation, nicht nur aufgrund der sportlichen Leistungen der Spieler, sondern vor allem auch, was ihr Miteinander angeht. Der Umgang ist von sehr hoher Wertschätzung geprägt. Es ist ein Riesenglück als Trainer, mit solchen Spielern und Menschen zusammenzuarbeiten.“
Doch trotz aller Euphorie erinnert er an das Hinspiel, das für den HSV alles andere als gut lief:
Natürlich haben wir das Hinspiel im Trainerteam erneut besprochen, weil wir dadurch einfach wissen, was für eine unfassbare Qualität da auch auf uns zukommt. In der vergangenen sowie in der aktuellen Saison hat Elversberg eine große Entwicklung genommen, sie arbeiten als Verein nachhaltig und spielen richtig guten Fußball. Sie werden uns vor große Herausforderungen stellen. Wir wollen zu Hause im Volkspark ein anderes Gesicht zeigen als im Hinspiel.
Tatsächlich war das erste Aufeinandertreffen dieser Saison eine faustdicke Überraschung: Elversberg siegte an der heimischen Kaiserlinde im Oktober 2024 mit 4:2. Ein Ergebnis, das für reichlich Motivation beim Tabellenführer sorgen dürfte.
Der Respekt ist auf beiden Seiten spürbar
Doch auch SVE-Coach Steffen weiß, dass es diesmal deutlich schwerer wird: „Wenn wir die Topspieler beim HSV aufzählen, werden wir so schnell nicht fertig. Die sind schon alle richtig gut. Wenn Hamburg am Freitag gut spielt, wird es sehr schwer für uns. Wir brauchen einen guten Tag und der HSV einen schwachen – und dann ist für uns etwas drin.“
Und tatsächlich könnte ein Elversberger Sieg das Aufstiegsrennen noch einmal anheizen. Derzeit liegt der HSV acht Punkte vor der SVE. Mit einem Dreier könnten die Saarländer den Abstand auf fünf Zähler verkürzen und sich eine realistische Chance auf den Relegationsplatz erhalten. Bei einer Niederlage wäre der Abstand auf elf Punkte angewachsen – wohl ein uneinholbares Polster in den letzten sieben Spielen der Saison. „Wenn wir am Freitag verlieren, ist die Meisterschaft futsch“, sagt Steffen mit einem Schmunzeln.
Bodenständigkeit bleibt das Credo der SVE
Doch auch wenn ein Sieg gegen den HSV der nächste Meilenstein wäre, bleibt man in Elversberg sachlich. SVE-Sportvorstand Ole Book betont, dass der Verein nicht die Bodenhaftung verlieren dürfe: „Es ist realistisch, dass wir eine gute und vernünftige Zweitligamannschaft haben und den Zuschauern Freude bereiten können mit der Art und Weise, wie wir Fußball spielen. Das ist das, was wir gerade leisten.“
Horst Steffen sieht das ähnlich, dennoch würde er natürlich am liebsten eine Schlagzeile nach dem Spiel lesen, die Elversberger Fans in Euphorie versetzt. Angesprochen darauf, welche Überschrift ihm gefallen würde, antwortet er mit einem Augenzwinkern: „Die SVE gewinnt in Hamburg.“ Die Partie im Volksparkstadion verspricht also Hochspannung. Die Gastgeber wollen ihre Tabellenführung festigen und sich für die Hinspiel-Niederlage revanchieren. Die SVE hingegen hat nichts zu verlieren – aber jede Menge zu gewinnen. Schon mehrfach hat sie bewiesen, dass sie in großen Stadien gegen Favoriten bestehen kann. Warum also nicht auch am Freitagabend?