Zum Inhalt Zum Hauptmenü

SVE-Trainingslager abgeschlossen – Grundlagen, Kaderentwicklung und klare Linie für die Bundesliga

Die großen Berge braucht die SV Elversberg offenbar nicht, um sich auf die größte Saison ihrer Vereinsgeschichte vorzubereiten. Während zahlreiche Bundesligisten im Sommer traditionell das Alpenpanorama suchen, bezog der Aufsteiger vom 20. bis 26. Juli, wie schon im vergangenen Jahr sein Quartier im niederländischen Barneveld. Keine spektakuläre Inszenierung, kein übertriebener Luxus, stattdessen kurze Wege, intensive Arbeit und Fahrten mit dem Fahrrad zum Trainingsplatz. Es ist eine Vorbereitung, die zu diesem Verein passt: bodenständig in der äußeren Erscheinung, ausgesprochen ambitioniert in der täglichen Arbeit.

Eine Woche lang legte Trainer Vincent Wagner mit seiner Mannschaft die Grundlagen für das Abenteuer Bundesliga. Es wurde hart gearbeitet, an Abläufen gefeilt und zugleich großer Wert darauf gelegt, dass die Gruppe auch außerhalb des Platzes zusammenfindet. Für Wagner war das Trainingslager die erste längere Phase, in der er nahezu dauerhaft mit seinem neuen Team arbeiten konnte. Sechs neue Spieler mussten integriert, einige Rollen neu verteilt und die Anforderungen nach dem Aufstieg weiter erhöht werden. Dabei zeigte sich schnell, dass der Trainer den bisherigen Weg des Vereins nicht grundsätzlich verändern, sondern konsequent fortentwickeln will.

Die SVE soll auch in der Bundesliga für Intensität, Mut und einen aktiven Spielstil stehen. Dass diese Ansprüche nicht nur auf dem Papier formuliert werden, bekamen die Spieler während der Einheiten zu spüren. Als Wagner mit einer unkonzentrierten Trainingsphase unzufrieden war, machte er unmissverständlich deutlich, welcher Maßstab künftig gilt: „Das hier ist nicht die Kreisliga C! Das ist die Bundesliga!“ Der Satz beschreibt die neue Realität ziemlich genau. Elversberg hat sich seinen Platz im Oberhaus mit begeisterndem Fußball verdient, doch die besondere Geschichte des Vereins und die familiäre Atmosphäre an der Kaiserlinde verschaffen auf dem Platz keinen Bonus. Ab dem ersten Spieltag wird jede Nachlässigkeit von Gegnern bestraft, deren individuelle Qualität in der Regel deutlich größer sein dürfte.

Gerade deshalb war das Testspiel zum Abschluss des Trainingslagers mehr als ein gewöhnlicher Auftritt in der Vorbereitung. Wagner sprach bewusst von einem Härtetest – und die Mannschaft bestand ihn mit einem 1:0‑Erfolg.

Das Ergebnis war dennoch nur ein Teil der Erkenntnisse, die Elversberg aus Barneveld mitnahm. Im zentralen Mittelfeld zeichnet sich eine interessante Veränderung ab. Lukasz Poreba scheint gesetzt zu sein, neben ihm wurde in den vergangenen Testspielen und Trainingseinheiten wiederholt Felix Keidel eingesetzt. Der 23‑Jährige spielte in der vergangenen Saison überwiegend als rechter Außenverteidiger, kennt die Rolle im Zentrum aber aus früheren Jahren. „Die Trainer haben zu Beginn der Vorbereitung mit mir gesprochen und gesagt, dass sie mich gerne mal im zentralen Mittelfeld sehen wollen. Ich habe das jahrelang gespielt, das ist nichts Neues“, erklärte Keidel.

Die Trainer haben zu Beginn der Vorbereitung mit mir gesprochen und gesagt, dass sie mich gerne mal im zentralen Mittelfeld sehen wollen. Ich habe das jahrelang gespielt, das ist nichts Neues.

Felix Keidel

Wagner sieht in ihm Qualitäten, die gerade gegen starke Bundesliga‑Gegner wertvoll werden könnten. Keidel bringt Geschwindigkeit, Zweikampfstärke und große Ausdauer mit. „Felix ist schnell, zweikampfstark und sehr ausdauernd. Er macht das einfach gut“, sagte der Trainer. Für Amara Condé und Frederik Schmahl ist damit ein weiterer Konkurrent im Zentrum hinzugekommen. Gleichzeitig ist die Kaderplanung in diesem Bereich noch nicht beendet. Die SVE will einen zusätzlichen Spieler für das zentrale Mittelfeld verpflichten.

Felix ist schnell, zweikampfstark und sehr ausdauernd. Er macht das einfach gut.

Vincent Wagner

Auch in der Defensive besteht weiterhin Handlungsbedarf. Dort hat der überraschende Abschied von Carlo Sickinger eine Lücke hinterlassen. Der langjährige Elversberger war mit einem ausdrücklichen Wechselwunsch an den Verein herangetreten und verließ die SVE kurz nach dem Testspiel gegen Viktoria Köln. Der Zeitpunkt kam auch innerhalb des Trainingslagers unerwartet. Sickinger war zwar zuletzt häufig als Einwechselspieler zum Einsatz gekommen, durch seine Vielseitigkeit aber auf mehreren Positionen eine wertvolle Alternative.

Fast zeitgleich fand Elversberg in Luca Sirch einen Spieler, dessen Profil stark an das des Abgewanderten erinnert. Zwischen der Vertragsunterschrift und seinem ersten Einsatz im SVE‑Trikot lagen lediglich fünf Tage. Sirch absolvierte den Medizincheck, reiste ins Trainingslager und stand gegen Nijmegen bereits auf dem Platz. „Es ging alles relativ schnell, vom Medizincheck bis hin zum Trainingslager“, berichtete der 27‑Jährige. Wagner fasste den unmittelbaren personellen Zusammenhang pragmatisch zusammen:

Wir haben einen guten Allrounder verloren und einen guten Allrounder bekommen. Passt doch super.

Sirch bringt jene Vielseitigkeit mit, die in einem nicht übermäßig großen Kader besonders wertvoll ist. Seine Hauptposition liegt in der Innenverteidigung, doch der gebürtige Augsburger kann ebenso im defensiven oder zentralen Mittelfeld spielen. Vor seinem Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern wurde er bei Lok Leipzig regelmäßig auf der Sechs und der Acht eingesetzt. Beim FCK lief er überwiegend in der Defensive auf und sammelte in der 2. Bundesliga und im DFB‑Pokal insgesamt 64 Pflichtspiele. In Kaiserslautern entwickelte er sich zum Stammspieler und zu einem der auffälligsten Innenverteidiger der Liga.

Der FCK hätte den Vertrag gerne verlängert und unternahm mehrere Anläufe, Sirch zu halten. Der Spieler hatte jedoch frühzeitig klargemacht, dass er den nächsten Schritt in seiner Laufbahn gehen möchte. „Es gab viele Gespräche, aber ich habe offen und ehrlich kommuniziert, dass ich den nächsten Schritt machen möchte“, sagte er. Mehrere Vereine wurden mit ihm in Verbindung gebracht, darunter auch andere Bundesligisten. Sirch ließ sich bei seiner Entscheidung Zeit. Während der Sommerpause hielt er sich mit einem Personaltrainer und zusätzlichen Einheiten im Fitnessstudio fit. Lediglich zwei Wochen Urlaub auf Kreta gönnte er sich, ansonsten war er regelmäßig auf den Fußballplätzen seiner Heimatregion unterwegs und verfolgte die Weltmeisterschaft in den USA.

Nervös wurde der vertragslose Profi nach eigener Aussage nicht. Er wusste, dass sich Möglichkeiten ergeben würden. Entscheidend war für ihn nicht irgendein Wechsel, sondern die Chance, erstmals in der Bundesliga zu spielen. „Ich bin ein deutscher Junge. Mein Traum war immer, das Höchstmögliche in Deutschland zu spielen. Vielleicht hätte man auch ins Ausland gehen können, aber ich hatte immer dieses Ziel.“ Mit dem Wechsel nach Elversberg hat er dieses Ziel erreicht.

Ich bin ein deutscher Junge. Mein Traum war immer, das Höchstmögliche in Deutschland zu spielen. Vielleicht hätte man auch ins Ausland gehen können, aber ich hatte immer dieses Ziel.

Luca Sirch

Welche Aufgabe Sirch dort übernimmt, ist noch offen. In seinen ersten Trainingstagen wurde er sowohl in der Innenverteidigung als auch auf der rechten Abwehrseite getestet. Gegen Nijmegen lief er rechts hinten auf. Dort ist mit Jan Gyamerah eigentlich ein etablierter Spieler vorhanden, während Keidel momentan im zentralen Mittelfeld ausprobiert wird. Sirch wird sich seine Einsatzzeiten deshalb erarbeiten müssen. Große Ansprüche formuliert er nicht: „Ich spiele da, wo der Trainer mich aufstellt – und dann bin ich glücklich.“

Diese Haltung passt zum Elversberger Ansatz. Der Verein sucht keine Spieler, die sich ausschließlich über einen festen Platz in der Startelf definieren. Gefragt sind Profis, die mehrere Rollen übernehmen, sich in eine funktionierende Gruppe einordnen und zugleich bereit sind, Verantwortung zu tragen. Sirch kennt mit Lukas Petkov bereits einen Mitspieler aus gemeinsamen Augsburger Zeiten und wurde nach eigener Aussage offen aufgenommen. Seine ersten Eindrücke fielen entsprechend positiv aus: „Die Jungs sind sehr korrekt. Lukas Petkov kenne ich ja aus Augsburg. Ich fühle mich sehr wohl.“

Dass die Integration so schnell funktioniert, liegt auch am stabilen Kern der Aufstiegsmannschaft. „Wenn zwanzig Jungs genau wissen, was passiert, fällt’s natürlich deutlich leichter, die Neuzugänge zu integrieren“, erklärte Wagner. Neue Spieler müssen nicht gemeinsam mit der gesamten Mannschaft ein völlig anderes System erlernen. Sie kommen in eine Gruppe, in der die meisten Abläufe bekannt sind und von den etablierten Kräften vorgelebt werden. Gerade für junge Talente kann diese Umgebung hilfreich sein.

Natürlich wird sich erst unter sportlichem Druck zeigen, wie belastbar dieses Fundament wirklich ist. Harmonie allein verhindert keine Gegentore und gewinnt keine Bundesligaspiele. Fast alle Gegner werden individuell besser besetzt sein, zahlreiche Vereine verfügen über finanzielle Möglichkeiten, mit denen Elversberg nicht konkurrieren kann und will. Doch eine Mannschaft, deren Spieler einander vertrauen und bereit sind, gemeinsam schwierige Phasen auszuhalten, besitzt zumindest eine wichtige Voraussetzung dafür, die eigenen Grenzen zu verschieben.

Auf kostspielige Namen mit jahrelanger Bundesliga‑Erfahrung verzichtet die SVE bewusst. „Elversberg wird sich in dieser Saison keinen gestandenen Bundesliga‑Spieler leisten. Wirtschaftlich würden ein oder zwei sicher gehen, aber das ist nicht unser Weg. Wir werden weiterhin wirtschaftlich vernünftig arbeiten“, sagte Wagner. Der Aufsteiger bleibt damit seinem Modell treu. Statt kurzfristig einen großen Teil der neuen Einnahmen für erfahrene Erstligaprofis auszugeben, setzt der Verein auf entwicklungsfähige Talente, flexibel einsetzbare Spieler wie Sirch und den Kern jener Mannschaft, die den Aufstieg geschafft hat.

Dieser Weg birgt erhebliche Risiken. Junge Spieler werden Fehler machen, und einige der Mechanismen, die in der 2. Bundesliga zuverlässig funktionierten, könnten gegen die stärksten Mannschaften des Landes an Grenzen stoßen. Elversberg wird lernen müssen, Niederlagen zu verarbeiten, ohne die eigene Überzeugung zu verlieren. Wagner kennt diese Gefahr. Er beschönigt sie nicht, sondern formuliert die Erwartung bemerkenswert offen:

Wir werden alles rausknallen, aber uns schon öfter mal eine blutige Nase holen – aber der Weg ist alternativlos.

Nach der Rückkehr aus den Niederlanden erhielten die Spieler zunächst einige freie Tage. Anschließend beginnt die nächste Phase der Vorbereitung. Mit Racing Straßburg und dem spanischen Erstliga‑Absteiger RCD Mallorca warten zwei weitere anspruchsvolle Testgegner. Bis dahin will die SVE zwei bis drei zusätzliche Spieler verpflichten. Ein weiterer Innenverteidiger gilt als sehr wahrscheinlich, außerdem soll das zentrale Mittelfeld verstärkt werden.

Eine fertige Bundesliga‑Mannschaft ist Elversberg deshalb noch nicht. Aber das Trainingslager hat gezeigt, dass der Aufsteiger bereits über ein stabiles Gerüst verfügt. Die bekannten Abläufe funktionieren, die jungen Offensivspieler sorgen für Tempo und Ideen, und die Neuzugänge finden schnell Zugang zu einer gewachsenen Gruppe. Hinzu kommt ein Trainer, der die besondere Kultur des Vereins bewahren will, ohne die Anforderungen der neuen Spielklasse kleinzureden.

Elversberg wird an manchen Wochenenden erfahren, wie groß der Abstand zur nationalen Spitze tatsächlich ist. Doch der Verein begegnet dieser Herausforderung nicht mit Angst und auch nicht mit einem hektischen Bruch seines bisherigen Weges. In Barneveld ist eine Mannschaft aufs Fahrrad gestiegen, die ziemlich genau weiß, was sie kann und wofür sie steht. Nun nimmt sie Fahrt auf für das größte Abenteuer ihrer Geschichte.

Wir wünschen der Mannschaft eine erfolgreiche und verletzungsfreie Fortsetzung der Vorbereitung und freuen uns auf die nächsten Schritte auf dem Weg in die Bundesliga.

Erfahre mehr über die HYLO® Produkte bei Trockenen Augen