Viel Kontrolle, wenig Ertrag – warum dieses 1:1 der SV Elversberg trotzdem etwas erzählt

Die SV Elversberg bleibt auch gegen den VfL Bochum ohne Sieg im neuen Jahr. Beim 1:1 in der URSAPHARM-Arena an der Kaiserlinde dominierte die Mannschaft von Vincent Wagner vor allem die erste Halbzeit, erspielte sich eine Vielzahl an Chancen und ließ doch entscheidende Momente liegen. Das Ergebnis kostet Tabellenplätze – sagt aber nicht alles über die Leistung, den Weg und die Entwicklung dieses Teams.
Es sind diese Spiele, die sich erst mit etwas Abstand einordnen lassen. Spiele, in denen Ballbesitz, Spielkontrolle und Chancenverhältnis eine deutliche Sprache sprechen – und das Ergebnis trotzdem nicht folgt. Das 1:1 der SV Elversberg gegen den VfL Bochum gehört genau in diese Kategorie. Über weite Strecken war die SVE die klar bessere Mannschaft, vor allem vor der Pause dominierend, mutig, strukturiert. Am Ende blieb dennoch nur ein Punkt, der die Saarländer erstmals seit September aus den Top drei der Tabelle rutschen ließ.
Dabei hatte alles so begonnen, wie Vincent Wagner es sich gewünscht hatte. Nach dem 2:3 in Nürnberg veränderte der Trainer seine Startelf auf drei Positionen. Bambasé Conté übernahm die Rolle hinter der Spitze, Nicholas Mickelson ersetzte den muskulär angeschlagenen Lasse Günther auf der linken Seite, Jan Gyamerah begann gegen seinen Ex-Klub auf der rechten Abwehrseite. Schon in den ersten Minuten war spürbar, dass Elversberg das Spiel an sich ziehen wollte. Die Hausherren kontrollierten Ball und Raum, sammelten frühe Standards, besetzten den gegnerischen Strafraum immer wieder mit mehreren Spielern.
Bochum hingegen fand offensiv kaum statt. Bei Minustemperaturen und auf der Baustellen-Kulisse der Kaiserlinde glichen die ersten Minuten einer Dauerverteidigung für die Gäste. Elversberg hatte deutlich mehr Ballbesitz, mehr Aktionen im letzten Drittel, mehr Präsenz rund um den Strafraum. Nur eines fehlte: der Treffer. Ein Freistoß von Lukas Petkov zwang Timo Horn früh zu einer Parade, weitere Abschlüsse wurden geblockt oder verfehlten das Ziel knapp. Der Eindruck drängte sich auf, als wolle die SVE den Ball ins Tor tragen – zu geduldig, zu wenig kompromisslos.
Und dann fiel das Tor auf der anderen Seite. In der 24. Minute verlängerte Maximilian Rohr eine Flanke unglücklich, Mats Pannewig nahm den Ball am zweiten Pfosten an, ließ einen Gegenspieler stehen und traf aus rund sieben Metern zum 1:0. Es war der erste Torschuss der Bochumer – und ein Treffer, der den Spielverlauf komplett auf den Kopf stellte.
Elversberg ließ sich davon nicht verunsichern. Im Gegenteil. Die Antwort folgte fast postwendend. Neuzugang David Mokwa hatte aus kurzer Distanz die große Ausgleichschance, scheiterte aber am stark reagierenden Horn. Es war der Auftakt zu einer Phase, in der die SVE das Spiel nahezu einseitig gestaltete. Lukasz Poreba traf aus rund 18 Metern die Querlatte, wenig später setzte auch Bambasé Conté einen satten Abschluss an das Aluminium. Bochum war in dieser Phase fast ausschließlich mit Verteidigen beschäftigt, Elversberg sammelte Abschluss um Abschluss – ohne sich zu belohnen.
„Meine Mannschaft hat es in der ersten Halbzeit wirklich gut gemacht, war einmal nach einem Standard nicht griffig genug und wir liegen 0:1 zurück“, sagte Wagner später. „Davon haben wir uns aber nicht verunsichern lassen und weiter angeschoben. Das war vermutlich die beste erste Halbzeit in unseren letzten fünf Spielen, trotzdem ist Fußball am Ende ein Ergebnissport.“
Das war vermutlich die beste erste Halbzeit in unseren letzten fünf Spielen, trotzdem ist Fußball am Ende ein Ergebnissport.
Vincent Wagner
Wie deutlich die Kräfteverhältnisse vor der Pause verteilt waren, machte auch Bochums Trainer Uwe Rösler klar. „Die erste Halbzeit war die schwierigste Halbzeit, seit ich in Bochum bin“, sagte der VfL-Coach – und ging noch weiter: „Elversberg hat das super gemacht, das war die beste Mannschaft, gegen die wir gespielt haben, seit ich wieder in Deutschland bin.“ Seine Mannschaft habe es kaum geschafft, eigenen Ballbesitz zu entwickeln, „uns hat der Mut verlassen“, erklärte Rösler. Dass Bochum dennoch führte, sei glücklich gewesen – auch begünstigt durch zwei Aluminiumtreffer, die für den VfL retteten.
Nach dem Seitenwechsel änderte sich am grundsätzlichen Bild zunächst nichts. Elversberg blieb spielbestimmend, setzte Bochum weiter unter Druck – und wurde diesmal belohnt. In der 53. Minute flankte Mickelson von links, Horn kam mit der Faust an den Ball, verlängerte ihn jedoch genau vor die Füße von Lukas Petkov. Der nahm kurz an und hämmerte den Ball unter die Latte. Der Ausgleich war überfällig – und hätte der Auftakt für mehr sein können. „Wir sind in der ersten Halbzeit fast verzweifelt. Mit ein bisschen mehr Glück gewinnen wir“, sagte Petkov.
Doch das Spiel nahm eine andere Wendung. Nach dem Ausgleich verlor Elversberg etwas von der Klarheit, die die erste Halbzeit ausgezeichnet hatte. Bochum stellte um, bekam die Seiten besser geschlossen und kam nun selbst phasenweise zu Entlastung. Nach einem Fehlpass von Lukas Pinckert tauchte Felix Passlack frei vor dem Tor auf, doch Nicolas Kristof verhinderte den erneuten Rückstand. Es war eine Szene, die zeigte, wie schmal der Grat inzwischen geworden war.
„In der zweiten Halbzeit haben wir uns ein bisschen schwerer getan, da hatten wir nicht mehr die Klarheit in unseren Situationen“, analysierte Wagner. „Mit dem Ausgleich ist uns auch etwas der Punch abhandengekommen.“ Elversberg blieb bemüht, holte sich in der Schlussphase noch einmal mehr Ballbesitz zurück, konnte den Druck aus der ersten Halbzeit aber nicht mehr reproduzieren. Die Gäste verteidigten mit großem Aufwand, warfen sich in Abschlüsse und setzten in der Nachspielzeit selbst noch Nadelstiche.
In der zweiten Halbzeit haben wir uns ein bisschen schwerer getan, da hatten wir nicht mehr die Klarheit in unseren Situationen
Vincent Wagner
Rösler sprach offen darüber, wie wertvoll dieser Punkt für Bochum war. Die Halbzeitpause habe geholfen, umzustellen und die Seiten dicht zu bekommen. „Wir hatten selbst noch Torchancen nach Umschaltsituationen zum Schluss, auch wenn ein Sieg vielleicht insgesamt nicht verdient gewesen wäre“, sagte der 57-Jährige. „Ich glaube nicht, dass viele Mannschaften hier Punkte holen werden. Wir können mit dem Punkt in unserer Situation daher sehr gut leben.“
Für Elversberg bleibt nach diesem Nachmittag vor allem die Ambivalenz. Einerseits steht erneut nur ein Punkt, der im engen Aufstiegskampf Tabellenplätze kostet. Andererseits war die Leistung – vor allem in der ersten Halbzeit – ein deutlicher Beleg dafür, wie stabil und dominant diese Mannschaft inzwischen auftreten kann. Die SVE bleibt zuhause ungeschlagen, wartet aber weiter auf den ersten Sieg im neuen Jahr. Am Ende bleibt ein Spiel, das sich weniger über das Ergebnis erklärt als über seinen Verlauf. Elversberg bestimmte über weite Strecken Tempo und Raum, erspielte sich eine Vielzahl an Abschlüssen und ließ die notwendige Konsequenz vermissen. Bochum nutzte einen Moment, verteidigte danach mit großem Aufwand und nahm einen Punkt mit, der für die Gäste wertvoller war als für die Hausherren. Für Vincent Wagner steht trotz des ausgebliebenen Sieges im neuen Jahr nicht das Ergebnis im Vordergrund, sondern die Leistung seiner Mannschaft, aus der er keinen Anlass zur Sorge ableitet. Die Aufgabe bleibt, die spielerische Überlegenheit und Kontrolle wieder konsequenter in Ertrag zu übersetzen – dann klappt es auch mit dem ersten Sieg in diesem Jahr. Vielleicht ja schon am kommenden Wochenende auf dem Betzenberg gegen den 1. FC Kaiserslautern.