Von der Diagnose zum Neustart: Justus Nieschlag blickt optimistisch auf 2026

Triathlet Justus Nieschlag befindet sich aktuell in einer entscheidenden Phase seiner sportlichen Laufbahn. Nach einer erfolgreich überstandenen Operation arbeitet er seit Ende 2025 konsequent an seinem Comeback – mit einem klaren Plan, viel Geduld und dem Blick nach vorn. Der erste große Baustein dafür ist ein vierwöchiges Trainingslager in Namibia, wo er seit Mitte Januar an seiner Form für die Saison 2026 arbeitet.
Der Weg zurück – und die Entscheidung, die alles verändert hat
Ende 2025 stand Nieschlag vor einer schwierigen, aber notwendigen Entscheidung. Seine anhaltenden Probleme auf dem Rad ließen sich ohne einen operativen Eingriff nicht mehr lösen. Justus beschreibt diese Phase sehr offen:
„Mit der Entscheidung, das Problem operativ anzugehen, bin ich ein Risiko eingegangen, um weiterhin meinen Traum des Leistungssports ausüben zu dürfen. In den Tagen während der Operation habe ich an dieser Entscheidung durchaus gezweifelt. Mittlerweile sind alle Torturen verdrängt und der Fokus ist Richtung sportlichem Comeback ausgerichtet.“
Was er heute deutlicher denn je spürt: Diese Entscheidung war ein Reset. Kein Rückschritt, sondern ein notwendiger Schritt, um wieder nach vorne zu kommen.
Seit Anfang Dezember 2025 konnte er wieder leicht ins Rad- und Schwimmtraining einsteigen, kurze Zeit später folgten die ersten Laufbelastungen. Der Aufbau verläuft stabil – ein gutes Zeichen für die kommenden Monate.
Mit der Entscheidung, das Problem operativ anzugehen, bin ich ein Risiko eingegangen, um weiterhin meinen Traum des Leistungssports ausüben zu dürfen.
Justus Nieschlag
Die lange Suche nach der Ursache
Über Monate suchte Nieschlag nach der Ursache seiner Probleme auf dem Rad. Die Leistung brach ein, sobald er in die Aero‑Position ging – ein Phänomen, das sich nicht wie Müdigkeit oder Übertraining anfühlte, sondern wie eine unsichtbare Blockade.
Erst ein sportmedizinischer Vergleichstest brachte Klarheit: In der tiefen Position beim Radfahren wurde seine Beckenarterie eingeengt, ein sogenanntes Kinking. Dadurch gelangte unter Belastung nicht mehr genug Blut in die Beine; die Sauerstoffversorgung der Muskel brach ein, obwohl Herz und Muskulatur eigentlich bereit waren.
Die Operation war komplex. Beide Beine waren betroffen, insgesamt fanden die Ärzte vier Engstellen. Die Arterie wurde geöffnet und mit einem Patch erweitert, um den Blutfluss dauerhaft zu verbessern. Danach folgte eine Phase völliger Trainingspause – zwei Monate ohne Sport, ohne Krafttraining.
Heute spürt Nieschlag, dass dieser Eingriff der Wendepunkt war. Die Durchblutung funktioniert wieder, die Beine reagieren, die Trainingsreize greifen.
Mehr über die Vorgeschichte, die Diagnose und seine Gedanken rund um den Eingriff erzählt Nieschlag im Interview mit tri-mag.de (Abo-Inhalt).
Trainingslager Namibia – ein wichtiger Schritt
Der aktuelle Block in Namibia ist bewusst gewählt: Höhe, Wärme und ideale Trainingsbedingungen bieten ihm die Möglichkeit, strukturiert und ohne Ablenkung an seiner Basis zu arbeiten.
„Aktuell bin ich mit meinen Fortschritten hier in Namibia sehr zufrieden und optimistisch, meine Saison wie geplant Richtung Mai starten zu können. Wir haben hier beste Bedingungen, und selbst die Regenzeit meint es gut mit uns – bisher mussten wir kein einziges Training umplanen“, sagt Nieschlag.
Für Justus ist Namibia ein Ort, an dem der Körper wieder Vertrauen fasst und Abläufe zurückkehren, die vor der Operation selbstverständlich waren.
Im März folgt ein weiterer zweiwöchiger Trainingsblock an der Algarve.
Saisonplanung 2026
Nach dem Algarve‑Camp möchte Nieschlag mit voller Energie in die Saison einsteigen. Die Planung sieht vor:
- Fokus auf mehrere Mitteldistanzrennen zum Einstieg
- Option auf einzelne T100‑Rennen über eine mögliche Wildcard
- übergeordnetes Ziel: sein Langdistanz‑Debüt, voraussichtlich beim Ironman Frankfurt
Ein Schritt, den er mit Respekt angeht – und mit dem Bewusstsein, dass die Grundlage dafür gerade neu entsteht.
Die nächsten Schritte
Die kommenden Wochen werden entscheidend sein: Trainingsumfang, Belastbarkeit, Stabilität. Anfang März steht zudem ein erneuter sportmedizinischer Test in Saarbrücken an, bei dem die Werte vor und nach der Operation verglichen werden. Für Nieschlag ist das ein wichtiger Marker, um den bisherigen Verlauf objektiv einzuordnen.
Nieschlag geht diesen Weg mit Ruhe, Klarheit und dem Vertrauen in seinen Körper. Sein Blick richtet sich nach vorn – auf eine Saison, die für ihn einen neuen Abschnitt markiert.
Wir wünschen Justus für die kommenden Wochen eine stabile Entwicklung und einen guten Weg zurück in den Wettkampfbetrieb.