Zurück an der Kaiserlinde – SVE empfängt Dynamo Dresden

Nach dem überzeugenden Testspielsieg in Wiesbaden und einer intensiven Länderspielpause will die SV Elversberg ihre gute Frühform nun auch in der Liga bestätigen. Am Sonntag (13.30 Uhr) ist mit Dynamo Dresden ein ambitionierter Aufsteiger zu Gast in der URSAPHARM-Arena an der Kaiserlinde.
Das Bild, das die SV Elversberg in den ersten Saisonwochen abgegeben hat, passt: neun Punkte aus vier Spielen, darunter der starke 2:0-Auswärtssieg bei Hertha BSC – und ein Auftritt, der vor allem durch Variabilität, Spielkontrolle und neue Stärken bei Standards auffällt. Nach dem Relegations-Drama gegen Heidenheim zum Saisonende 2024 ist die SVE längst wieder in der Spur.
Vincent Wagner hat dem Spiel seiner Mannschaft in kurzer Zeit einen klaren Stempel verpasst: Mehr Ballbesitz, mehr Kontrolle, aber auch weiterhin schnelles Umschalten – nur nicht mehr auf Teufel komm raus. Dazu kommt ein deutlich strukturierteres Mittelfeldspiel. Der neue Ansatz wirkt eingespielt – obwohl das Team unter Wagner erst seit gut zwei Monaten zusammenarbeitet. „Wir spielen schon sehr gut zusammen, aber da geht noch mehr“, bringt es Tom Zimmerschied auf den Punkt.
Der Linksaußen, vor einiger Zeit für rund 400.000 Euro von Dynamo Dresden gekommen, hat seinen Platz in der Mannschaft direkt gefunden. In den ersten vier Spielen dieser Saison war er zwar noch nicht als Torschütze erfolgreich, doch kaum ein Offensivspielzug läuft ohne seine Beteiligung. Wagner lobt ihn für seine Räume, seine Wege – und stellt klar: „Würde er jede Chance nutzen, würde er nicht mehr in der 2. Liga spielen.“
Das Wiedersehen mit dem Ex-Klub Dynamo ist für Zimmerschied dabei kein allzu emotionales.
Ich kenne zwar noch den ein oder anderen Spieler dort, habe aber wegen Verletzungen nicht die ganze Saison spielen können. Ich bin mittlerweile mehr Elversberger als ich Dresdner war.
Die Gäste aus Sachsen haben bislang einen holprigen Start hingelegt, sind mit drei Punkten aus vier Spielen aktuell dreizehnter der Tabelle. Dennoch wird in Elversberg niemand den Fehler machen, die Mannschaft zu unterschätzen. Dass Dynamo auch in dieser Saison Ambitionen hegt, zeigt sich nicht zuletzt im Selbstverständnis ihrer Spieler.
Jakob Lemmer, in dieser Saison Stammspieler auf dem Flügel und mit Elversberg bestens vertraut, weiß, worauf es ankommt: „Es ist eklig, dort in diesem kleinen engen Stadion zu spielen. Elversberg lässt gut den Ball laufen, da werden wir wahrscheinlich auch erstmal hinterherrennen.“ Der gebürtige Gießener hat in den vergangenen Jahren mehrfach gegen die SVE gespielt – unter anderem in der Regionalliga, mit gleich mehreren Vereinen. Seine Einschätzung ist eindeutig: „Sie haben sehr gute Spieler.“ Lemmer rechnet mit einer „schwierigen Partie“, glaubt aber, dass Dynamo mithalten kann.
Elversberg lässt gut den Ball laufen, da werden wir wahrscheinlich auch erstmal hinterherrennen.
Jakob Lemmer
Die Elversberger wissen das einzuordnen. Nach dem erfolgreichen Test in Wiesbaden, wo trotz sehr großer Rotation – unter anderem Stange, Mickelson und Petkov auf Länderspielreise – ein verdienter 2:0-Sieg gelang, ist die Mannschaft fokussiert. Die Treffer erzielten Florian Le Joncour per Abstauber nach einer Ecke sowie Jarzinho Malanga per Elfmeter – Letzterer gab nach Verletzung sein Comeback und war prompt zur Stelle. Auch in Wiesbaden war es die typische Wagner-Elf: strukturiert, ballsicher, und immer in der Lage, Standards in Gefahr umzuwandeln.
Ein gutes Omen? Gut möglich. Denn gerade bei ruhenden Bällen hat Elversberg unter Wagner deutlich zugelegt. Zimmerschied und Keidel übernehmen nun regelmäßig die Verantwortung – ein Umbruch im Vergleich zur Vorsaison, wo Damar und Neubauer diese Rollen innehatten. In der Vorbereitung ließ Wagner jeden Spieler bei Ecken und Einwürfen testen – Zimmerschied überzeugte. Das zahlt sich nun aus.
Ob der gegen Wehen noch fehlende Otto Stange – Neuzugang vom HSV – am Sonntag schon im Kader stehen wird, bleibt offen. Der 18-jährige Angreifer war mit der U-Nationalmannschaft unterwegs, könnte aber perspektivisch die Offensive beleben. Seine Tempoläufe und sein kreativer Zug zum Tor passen gut zum Spielstil der SVE, wie auch Sportvorstand Ole Book betont: „Er bringt mit seiner kreativen Spielweise, seiner Geschwindigkeit und Abschlussstärke wichtige Eigenschaften mit, die unserem Spiel guttun.“
Die Voraussetzungen stimmen also. Elversberg ist gefestigt, offensiv variabel und hat die Länderspielpause sinnvoll genutzt – mit Blick auf ein Heimspiel, das nicht nur sportlich, sondern auch emotional wieder einmal ein Ausrufezeichen setzen kann. Der Respekt vor Dynamo ist da – aber genauso der eigene Anspruch, die drei Punkte an der Kaiserlinde zu behalten.