Zwei Spiele, zwei Siege für den FCS Tischtennis – aber noch so viel mehr

Es waren zwei Spiele, die mehr waren als sportliche Termine. Über 5.000 Zuschauer an zwei Tagen in der Saarlandhalle, zwei Siege für den 1. FC Saarbrücken Tischtennis – und das Gefühl, dass hier nicht nur Spiele gewonnen wurden, sondern Überzeugungsarbeit für den gesamten Tischtennissport geleistet wurde. Dieses Doppelwochenende war Werbung: für ein Team, das international wie national liefert, für einen Verein, dessen Strahlkraft spürbar gewachsen ist. Sicherlich wegen Fan Zhendong, dessen Präsenz Menschen aus ganz Europa anzieht – aber eben nicht nur. Patrick Franziska, Darko Jorgic, Cedric Meissner, die Art, wie diese Mannschaft auftritt, wie sie organisiert ist und wie sie solche Abende trägt, haben dieses Wochenende geprägt. Dass es dafür nicht nur Begeisterung auf den Rängen, sondern auch spürbaren Respekt von den Gegnern gab, machte deutlich, was in Saarbrücken gerade entsteht – an der Platte – aber auch rundherum.
Klarer Sieg in der Champions League
Der sportliche Auftakt fiel deutlich aus. Vor 2200 Zuschauern in der Saarlandhalle gewann der FCS das Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Dojlidy Bialystok aus Polen mit 3:0 – ein Spaziergang, der so souverän daherkam, wie er im Vorfeld nicht zwingend zu erwarten war. Das Hinspiel hatten die Saarbrücker nur knapp mit 3:2 für sich entschieden, diesmal aber ließ das Team keinen Zweifel daran, wer den Ton angab.
Fan Zhendong eröffnete den Abend mit einem klaren 3:0-Erfolg (11:1, 11:5, 11:5) gegen Piotr Chodorski, Darko Jorgic revanchierte sich bei Patryk Chojnowski ebenfalls ohne Satzverlust (11:3, 11:5, 11:4), ehe Patrick Franziska mit einem 3:0 (11:9, 11:8, 11:7) gegen den früheren Saarbrücker Kakeru Sone den Viertelfinal-Einzug perfekt machte.
Für Fan Zhendong war es ein besonderer Moment. „Heute habe ich zum ersten Mal in der Champions League gespielt, deshalb war ich natürlich ziemlich aufgeregt und habe mich sehr darauf gefreut. Jetzt bin ich einfach nur glücklich, dass wir als Team die nächste Runde erreicht haben“, sagte der Olympiasieger nach seinem Erfolg. Die Erleichterung war spürbar – ebenso die Freude über einen Auftritt.
Heute habe ich zum ersten Mal in der Champions League gespielt, deshalb war ich natürlich ziemlich aufgeregt und habe mich sehr darauf gefreut.
Fan Zhendong
Sogar für den Jubel haben sich die Topspieler aus Saarbrücken etwas ganz Besonderes ausgedacht: Fan sprang wie Cristiano Ronaldo in die Luft, Jorgic schraubte am Ohr wie einst Luca Toni, Franziska rührte mit einem imaginären Kochlöffel wie Serge Gnabry. Die Laune war prächtig und das zeigte sich auch an der Platte.
Dass der klare Sieg kein Selbstläufer war, machte Patrick Franziska deutlich. „Wir sind sehr glücklich, dass wir in unserer Halle weitergekommen sind. Wir haben hier gute Erinnerungen. Das Hinspiel war mit dem 3:2 sehr eng, deshalb wussten wir, dass wir gewarnt sind. Aber ich glaube, wir haben heute gezeigt, welche Ambitionen wir haben. Entsprechend groß sind Freude und Erleichterung über diesen Sieg“, sagte der Nationalspieler.
Mit dem Erfolg ist der Blick bereits nach vorne gerichtet. Am vergangenen Samstag wurde der Vorverkauf für das Viertelfinal-Rückspiel am Freitag, 13. Februar, um 19 Uhr in der Trierer Arena freigeschaltet. Gegner wird GV Hennebont aus Frankreich sein, das sich nach einem 3:2-Hinspielerfolg auch im Rückspiel mit 3:0 beim ASV Grünwettersbach durchsetzte. Das Hinspiel soll zwischen dem 13. und 16. Januar ausgetragen werden.
Ein Klassiker auf höchstem Niveau
Zwei Tage später setzte der 1. FC Saarbrücken Tischtennis dann noch einen drauf. Zum Abschluss der Hinrunde der Tischtennis-Bundesliga lieferten sich der FCS und Rekordmeister Borussia Düsseldorf vor mehr als 3000 Zuschauerinnen und Zuschauern einen Krimi der Extraklasse. Über vier Stunden dauerte es, bis der 3:2-Sieg der Gastgeber feststand, der Saarbrücken am direkten Konkurrenten vorbeiziehen und auf Rang zwei überwintern ließ.
Die Atmosphäre war von Beginn an außergewöhnlich. „Für mich war es die beste Atmosphäre, die ich in Deutschland erlebt habe“, sagte Düsseldorfs Kanak Jha bei Dyn. Auch DTTB-Sportchef Richard Prause ordnete den Abend ein: Er sprach von der „unheimlichen Bedeutung“ dieses „Leuchtturmevents“.
Eine volle Halle, Hunderte leuchtende Handys bei der Spielervorstellung, eine Geräuschkulisse, die über den Sport hinauswies. „Das war das spektakulärste Hauptrundenspiel seit ganz Langem“, sagte der Sportliche Leiter Erwin Berg. 3.331 Zuschauer – darunter geschätzt zwei Drittel aus China – sahen ein Tischtennis-Fest, das sich mit jedem Ballwechsel weiter auflud.
Fan trägt – und liefert
Sportlich prägte erneut Fan Zhendong den Abend. Der frühere Weltranglistenerste ließ Borgar Haug zum Auftakt keine Chance (3:0) und hielt den FCS im vierten Einzel gegen Kanak Jha im Spiel. Trotz eines Satzverlustes setzte sich Fan mit 3:1 durch. Es war ein hochklassiges Spiel, das allen in der Saarlandhalle Spaß gemacht hat – lange Rallyes, spektakuläre Punkte, ein Auftritt, der die Begeisterung im Publikum weiter anfachte.
Zwischenzeitlich lag Saarbrücken dennoch zurück. Jha gewann ein umkämpftes Einzel gegen Patrick Franziska. „Wir waren beide nicht gut im Rückschlag, die Aufschläge waren sehr wichtig und es gab wenige Rallyes. Es war ein 50:50-Spiel. Am Ende habe ich gewonnen und ich bin sehr glücklich“, sagte der US-Amerikaner. Auch Teammanager Nicolas Barrois ordnete ein: „Patrick war heute vielleicht bei 98% und nicht bei 100%. Kanak hat es aber auch sehr gut gemacht.“ Anton Källberg brachte Düsseldorf nach der Pause in Führung, stoppte Cedric Meissners Aufholjagd und siegte im fünften Satz.
Meissner, Franziska – und das Doppel
Meissner hatte zuvor bereits im Einzel alles investiert. „Ich war seit August verletzt, kann jetzt mehr trainieren und werde immer besser“, sagte der Saarbrücker, der gegen Källberg drei Matchbälle abwehrte und dennoch knapp unterlag. Was folgte, war der emotionale Höhepunkt des Abends: das Schlussdoppel.
Franziska und Meissner trafen auf Källberg und Yongyin Li. Es wurde eng, dramatisch, laut. Am Ende setzten sich die Gastgeber mit 3:1 durch. „Ein ganz tolles Spiel von Cedric – ob Einzel oder Doppel, er kann sich wenig vorwerfen. Im Doppel habe ich ihm gesagt, dass er so gut spielt, er darf machen, was er will“, lobte Franziska seinen Partner. Auch Barrois stimmte ein: „Er hat den Schwung aus seinem ersten Spiel mitgenommen ins Doppel und teilweise sogar eine Führungsrolle übernommen – das war klasse.“
Meissner selbst sprach von einem besonderen Moment: „Ein super Gefühl, nachdem ich im Einzel ein bisschen Pech hatte. Wir hatten zuletzt in der Formation einige Doppel verloren. Schön, dass wir wieder zu alter Stärke gefunden haben.“
Ein Wochenende mit Wirkung
Sportlich wie organisatorisch war dieses Doppelwochenende ein voller Erfolg für den 1. FC Saarbrücken Tischtennis. Zwei Siege auf höchstem Niveau, erst in der Champions League, dann im Bundesliga-Klassiker, dazu eine Saarlandhalle, die an beiden Tagen zum Treffpunkt eines Publikums wurde, das längst über die klassische Tischtennisblase hinausreicht. Was hier zu sehen war, war nicht nur das Ergebnis sportlicher Qualität, sondern auch Ausdruck dessen, was der FCS inzwischen auf die Beine stellt – als Mannschaft, als Verein, als Veranstalter.
Nicolas Barrois fand nach dem 3:2 gegen Düsseldorf klare Worte. „Brutal intensiv, ich glaube, ich habe schon lange kein so gutes und spannendes Bundesligaspiel mehr gesehen“, sagte der Organisationsleiter. „Beide Mannschaften auf einem absolut hohen Niveau.“ Fan Zhendong habe „brutal gut geliefert, als wir ihn gebraucht haben“, dazu seien auch das Doppel und die weiteren Einzel „total umkämpft“ gewesen – ein Spiel, das bis zum letzten Ballwechsel offen blieb.
Besonders deutlich wurde an diesem Wochenende aber auch, wie sehr sich der Rahmen verändert hat, in dem der FCS inzwischen spielt. „3.500 Zuschauer, massive Stimmung, geiles Tischtennisfest, volle Halle, begeisterte Fans“, beschrieb Barrois die Atmosphäre. Dass es dafür nicht nur Applaus von den eigenen Anhängern, sondern auch Anerkennung von der Gegenseite gab, unterstrich die Bedeutung dieses Abends. „Respekt von den Gegnern auch für so eine Veranstaltung – ich glaube, das ist das, worauf es ankommt“, sagte Barrois.
3.500 Zuschauer, massive Stimmung, geiles Tischtennisfest, volle Halle, begeisterte Fans.
beschreibt Nicolas Barrois die Stimmung
Natürlich ist die Strahlkraft eng mit Fan Zhendong verbunden. Seine Präsenz zieht Menschen an, aus der Region, aus ganz Deutschland, Europa und vor allem Asien. Doch dieses Wochenende zeigte auch, dass es nicht nur um einen Namen geht. Patrick Franziska, Darko Jorgic, Cedric Meissner, das gesamte Team – und die Art, wie diese Spiele organisiert, präsentiert und getragen werden – sind Teil eines Gesamtbildes, das immer mehr Zuschauer überzeugt, in die Halle zu kommen. Der 1. FCS nutzt diese Chance eben auch mit Bravour.
„Am Ende steht leider ein normaler Bundesliga-Sieg und kein Titel“, ordnete Barrois nüchtern ein. „Aber das macht auf jeden Fall Bock auf mehr. Wir haben Blut geleckt und wollen weiterhin solche Veranstaltungen.“ Genau darin lag die eigentliche Wirkung dieses Wochenendes: Es war kein bloßer Doppelspieltag, kein isolierter sportlicher Erfolg. Es war ein Fingerzeig – an die Bundesliga, an den europäischen Wettbewerb, an die Tischtenniswelt –, wie viel Aufmerksamkeit, Qualität und Atmosphäre möglich sind, wenn sportlicher Anspruch und gute Organisation zusammenkommen. Dann entsteht ein Tischtennisfest, von dem sogar die unterlegenen Gegner beeindruckt sind.