Zwei Spiele, zwei Wettbewerbe – und zwei Siege

Der 1. FC Saarbrücken Tischtennis hat an diesem Wochenende eindrucksvoll unter Beweis gestellt, wie belastbar, variabel und ambitioniert er inzwischen aufgestellt ist. Freitagabend auswärts in der Tischtennis-Bundesliga gefordert, Sonntag auf internationaler Bühne in der Champions League: Zwei Spiele in zwei Wettbewerben, beide gewonnen – und beide auf unterschiedliche Art aussagekräftig. Der Erfolg beim Post SV Mühlhausen verlangte Widerstandsfähigkeit, Geduld und Nervenstärke, der klare 3:0-Sieg bei der GV Hennebont in Frankreich setzte wenige Tage später ein deutliches sportliches Ausrufezeichen in Europa. Zusammengenommen ergibt sich daraus ein Doppelwochenende, das den aktuellen Status des FCS präzise abbildet.
Freitag: Widerstand, Wendepunkte und ein starkes Schlussdoppel
Der Start in das Bundesliga-Wochenende verlief für den FCS alles andere als komfortabel. Beim Post SV Mühlhausen, der sich zuletzt mit einem Sieg gegen Grünwettersbach etwas Luft im Abstiegskampf verschafft hatte, wartete ein Gegner, der mutig auftrat und die Saarbrücker mehrfach vor Probleme stellte. Zumal der FCS ohne Superstar Fan Zhendong antrat und damit auf einen seiner wichtigsten Fixpunkte verzichten musste.
Den Auftakt bestimmte zunächst Mühlhausen. Ovidiu Ionescu brachte die Gastgeber in Führung, Cedric Meissner fand überhaupt nicht in die Partie und musste seinem Gegner nach drei chancenlosen Sätzen gratulieren. Kurz darauf stand für Mühlhausen ein Debütant an der Platte: Bereits im Sommer hatten die Thüringer die Verpflichtung von Liao Cheng-Ting bekanntgegeben, der Taiwanese musste jedoch bis zum 13. Spieltag auf seinen ersten Einsatz warten. Zum Einstand ging es für ihn ausgerechnet gegen Darko Jorgic – den ungeschlagenen Topspieler der TTBL. Der Slowene ließ nichts anbrennen und glich mit einem ungefährdeten 3:0 aus.
Nach der Pause setzte Saarbrücken auf seinen Spitzenspieler Patrick Franziska. Im Duell der Dreier traf der Nationalspieler auf Steffen Mengel, dessen oft starke Leistungen gegen die TTBL-Asse im Saisonverlauf bislang nicht belohnt worden waren. Am Freitagabend änderte Mengel das. Der Routinier kämpfte sich in den ersten beiden Sätzen jeweils nach Rückstand zurück und brachte sich damit in Position für den 3:1-Erfolg. Mühlhausen führte damit 2:1 – und war plötzlich dicht vor einer Überraschung.
Der Wendepunkt des Abends folgte wenig später. Ovidiu Ionescu hatte gegen Darko Jorgic die große Chance, das Spiel für die Gastgeber zu entscheiden. Der Mühlhausener führte 2:1 und stand kurz davor, dem Slowenen die erste TTBL-Niederlage der Saison zuzufügen. Doch Jorgic schaffte gerade noch rechtzeitig die Kehrtwende, wehrte Matchbälle ab und entschied den Entscheidungssatz am Ende deutlich für sich. Ein Spiel, das sinnbildlich für die Stabilität des FCS in kritischen Phasen stand.
Damit war der Weg frei für das entscheidende Doppel. Patrick Franziska und Cedric Meissner ließen zum Abschluss des Abends nichts anbrennen. Nach knapp drei Stunden Spielzeit setzte das Saarbrücker Duo gegen Steffen Mengel/Liao Cheng-Ting den Schlusspunkt in drei klaren Sätzen und machte den 3:2-Auswärtssieg perfekt.
Für Mühlhausen, das weiterhin auf Platz neun rangiert und nach dem Spieltag punktgleich mit den Abstiegsrängen sein könnte, war die Niederlage verkraftbar. Für den FCS bedeutete der Erfolg, dass er auf Play-off-Kurs bleibt und weiter im Kampf um die Tabellenführung mitmischt. Es war kein glanzvoller, aber ein reifer Bundesliga-Auftritt – einer, der zeigt, wie ein Spitzenteam auch schwierige Abende übersteht.
Viel Zeit zum Durchatmen blieb nach diesem Kraftakt nicht.
Das war mein erstes Viertelfinale in der Champions League
Fan Zhendong
Sonntag: Staraufgebot und klare Verhältnisse in Europa
Nur zwei Tage später war der 1. FC Saarbrücken Tischtennis erneut gefordert – diesmal auf internationaler Bühne. Anders als noch am Freitag in der Bundesliga änderte sich die Aufstellung nun deutlich. In der Champions League trat der FCS mit seiner Starformation an: Fan Zhendong, Truls Möregard, der ausschließlich im europäischen Wettbewerb für Saarbrücken spielberechtigt ist, und Patrick Franziska bildeten ein Aufgebot, das die Ambitionen des Titelverteidigers unterstrich. Dass diese Konstellation nicht nur auf dem Papier Eindruck machte, zeigte sich unmittelbar im Spielverlauf.
Beim französischen Klub GV Hennebont TT präsentierte sich Saarbrücken von Beginn an stabil, konzentriert und souverän. Der Gastgeber musste auf seine drei Top-Chinesen Wen Ruibo, Zhou Qihao und Chen Yuanyu verzichten – Wen Ruibo und Zhou Qihao standen sich an diesem Tag im Finale des WTT Star Contender in Doha gegenüber – und trat stattdessen mit Nationalspieler Simon Gauzy sowie den beiden Russen Vladimir Sidorenko und Lev Katsman an. Der FCS nutzte diese Konstellation konsequent aus.
Im Eröffnungsspiel ließ Truls Möregard gegen Sidorenko nicht viel anbrennen. Zwar gab der Schwede einen umkämpften zweiten Satz knapp mit 9:11 ab, behielt ansonsten aber die Kontrolle und gewann mit 3:1. Es war ein Auftakt, der Ruhe in die Partie brachte.
Das Match des Abends folgte im zweiten Einzel. Simon Gauzy verlangte Superstar Fan Zhendong alles ab und zwang den Olympiasieger in den verkürzten Entscheidungssatz. Dort behielt Fan jedoch die Oberhand, gewann mit 6:2 und stellte den Spielstand auf 2:0. „Das war mein erstes Viertelfinale in der Champions League“, sagte Fan Zhendong im Anschluss. „Heute habe ich gegen Simon Gauzy gespielt, und ich denke, wir haben beide eine sehr gute Leistung gezeigt. Ich konnte das Spiel in einer schwierigen Situation für uns entscheiden und zum Erfolg der Mannschaft beitragen. Ich freue mich sehr auf das Rückspiel zu Hause und hoffe, dass ich meine Leistungen in der Champions League weiter steigern kann.“
Den Schlusspunkt setzte Teamkapitän Patrick Franziska. Gegen Lev Katsman ließ der deutsche Nationalspieler nichts anbrennen und gewann klar mit 3:0. Im letzten Durchgang kämpfte sich Katsman nach Abwehr zweier Matchbälle noch einmal heran, Franziska blieb jedoch konzentriert und machte den 3:0-Gesamtsieg perfekt. „Es war ein sehr hartes Spiel, daher sind wir sehr froh, dass wir ein 3:0 geholt haben“, sagte Franziska nach der Partie. „Alle haben sich in sehr guter Form gezeigt – jetzt freuen wir uns auf das Heimspiel.“
Es war ein sehr hartes Spiel, daher sind wir sehr froh, dass wir ein 3:0 geholt haben
Teamkapitän Patrick Franziska
Rückenwind für die nächsten Aufgaben
Mit dem klaren Erfolg in Hennebont hat der 1. FC Saarbrücken Tischtennis einen großen Schritt in Richtung Champions-League-Halbfinale gemacht. Im Rückspiel am 13. Februar, das in Trier stattfinden wird, kann sich der Titelverteidiger sogar eine 2:3-Niederlage erlauben. Die Zeichen für einen erneuten Einzug ins Final Four stehen gut.
Zusammengenommen war das kein gewöhnlicher Spieltags-Block, sondern ein Wochenend-Porträt dessen, was Saarbrücken in dieser Saison ausmacht: In der Liga auswärts ein enger, unbequemer Abend, der kippen kann – und den der FCS trotzdem dreht. In Europa dann ein Auftritt in Starbesetzung, kontrolliert und ohne Hektik zu Ende gespielt. Zwei Wettbewerbe, zwei Belastungsprofile, zwei Siege. Und vor allem: ein Team, das nicht darauf angewiesen ist, dass alles läuft, sondern eines, das Wege findet, wenn es schwer wird – und das im richtigen Moment die Qualität hat, Spiele früh zu entscheiden. Dieses Wochenende war kein hübsches Zwischenergebnis. Es war eine Ansage an die Konkurrenz, dass Saarbrücken in der Breite bestehen kann – und in der Spitze den Ton angibt.