Zwischen Einordnung und Entwicklung: Ein Winter, der die SV Elversberg formt

Die SV Elversberg hat ihr Winterprogramm abgeschlossen und geht mit einem klaren Plan in die Rückrunde. Nach einem intensiven Trainingslager in Spanien, einem torreichen Test gegen den FC Basel und der bewussten Einordnung eines außergewöhnlichen Transfers richtet sich der Blick nun nach vorne. Der Neustart in Nürnberg markiert keinen Bruch, sondern die Fortsetzung einer Entwicklung.
Überwintern auf einem direkten Aufstiegsplatz – mit dieser Ausgangslage hatte vor der Saison selbst im unmittelbaren Umfeld der SV Elversberg kaum jemand gerechnet. Nach dem tiefgreifenden personellen Umbruch im Sommer, bei dem mehrere Leistungsträger und auch Cheftrainer Horst Steffen ersetzt werden mussten, galt die SVE vielen Beobachtern als Kandidat für den unteren Tabellenbereich. Stattdessen spielte sich die Mannschaft in der Hinrunde in einen bemerkenswerten Rhythmus, erzielte die meisten Tore der 2. Bundesliga und hielt sich seit dem siebten Spieltag konstant unter den Top drei.
Trotz dieser sportlichen Realität blieb die Tonlage in Elversberg bewusst sachlich. Sportdirektor Ole Book vermied große Zielausrufe und ordnete die Entwicklung immer wieder ein: „Grundsätzlich hat die Hinrunde unsere Erwartungen deutlich übertroffen und das sollten wir auch immer wieder so rausstellen, damit auch die Erwartungshaltung für die Zukunft realistisch bleibt.“ Der Maßstab blieb damit die bekannte 40-Punkte-Marke, die sinnbildlich für den gesicherten Klassenerhalt steht – auch in einer Saison, die sich tabellarisch längst weiter geöffnet hatte.
Grundsätzlich hat die Hinrunde unsere Erwartungen deutlich übertroffen und das sollten wir auch immer wieder so rausstellen, damit auch die Erwartungshaltung für die Zukunft realistisch bleibt.
Sportdirektor Ole Book
Zu diesem Winter gehörte untrennbar der Abgang von Younes Ebnoutalib. Vor knapp einem Jahr noch für 50.000 Euro aus der Regionalliga Südwest verpflichtet, wechselte der Topscorer der Hinrunde nun für insgesamt zehn Millionen Euro zu Eintracht Frankfurt. Nach zwölf Toren in 17 Spielen war Ebnoutalib zum Gesicht dieser Mannschaft geworden, sein Abgang entsprechend einschneidend.
Ole Book machte keinen Hehl daraus, wie schwer diese Entscheidung fiel – und warum sie dennoch folgerichtig war: „Für uns ist dann irgendwann ein Bereich gekommen, wo wir als Verein auch an dem Punkt stehen, auch entscheiden müssen und dürfen: Was ist für uns kurz-, mittel- und langfristig das Beste – und da war es für uns immer klar, dass es eine Summe gibt, bei der wir dann so entscheiden müssen.“ Ein Angebot dieser Größenordnung konnte und wollte die SVE nicht ausschlagen.
Die Reaktion auf diesen Transfer folgte dabei einer klaren Linie. Mit David Mokwa und Raif Adam wurden zwei junge Offensivspieler verpflichtet, die das Profil des Vereins widerspiegeln: entwicklungsfähig, mit Potenzial, aber ohne den Anspruch, die Rolle von Ebnoutalib sofort eins zu eins zu übernehmen. Insgesamt investierte die SVE rund zwei Millionen Euro in neue Spieler, während ein erheblicher Überschuss verblieb. Dieses Geld sollte bewusst nicht weiter in den Kader fließen. Book betonte: „Grundsätzlich ist die Überzeugung, dass diese Mannschaft, dass dieser Kader, sehr, sehr stark ist. Wenn ich die Intensität sehe, wenn ich auch das Miteinander sehe und die Gruppe, halte ich es für sehr viel wahrscheinlicher, dass der Kader so bleibt wie er ist.“
Der Fokus richtete sich stattdessen auf die Infrastruktur. Die Fertigstellung der Tribüne in der URSAPHARM-Arena an der Kaiserlinde war bereits vorab finanziert, der Transferüberschuss soll vor allem in das Trainingsgelände in St. Ingbert investiert werden. „Wir sind infrastrukturell, gerade trainingsinfrastrukturell, noch lange weit entfernt vom Zweitliganiveau und da helfen diese Transfers extrem“, erklärte Book. Der derzeitige Containerbau ist lediglich als Übergangslösung gedacht, mittelfristig soll ein Funktionsgebäude entstehen.
Wir sind infrastrukturell, gerade trainingsinfrastrukturell, noch lange weit entfernt vom Zweitliganiveau und da helfen diese Transfers extrem
Sportdirektor Ole Book
Trainingslager, Testspiel und die Vorbereitung auf den Neustart
Der sportliche Übergang von Hin- zu Rückrunde vollzog sich für die Elversberger im spanischen Mijas nahe Málaga. Dort absolvierte die Mannschaft ein intensives Trainingslager, das von Beginn an unter klaren Vorzeichen stand. Der Auftakt war noch von Regen begleitet, der den Trainingsalltag erschwerte, im weiteren Verlauf setzte sich jedoch zunehmend die spanische Sonne durch. Abgesehen von einem trainingsfreien Dienstag stand das Team täglich mindestens einmal auf dem Platz und arbeitete in hoher Intensität an Abläufen, Fitness und Feinjustierung.
Ganz ohne Nebengeräusche verlief der Start dennoch nicht. „Wir hatten mit Sicherheit auch zwei aufregende Tage, weil an den ersten beiden Tagen gleich auch noch zwei Neuverpflichtungen finalisiert wurden“, sagte Ole Book rückblickend. Dennoch fand die Mannschaft schnell in den Arbeitsmodus, den Trainer Vincent Wagner vorgibt: strukturiert, konzentriert, ohne große Ausschläge nach außen.
Den sportlichen Abschluss des Trainingslagers bildete das Testspiel gegen den Schweizer Erstligisten und Europa-League-Teilnehmer FC Basel im Marbella Football Center. Die Partie wurde kurzfristig um eine halbe Stunde auf 14.30 Uhr verlegt, nachdem in der Schweiz ein nationaler Trauertag für die Opfer der Brandkatastrophe von Crans-Montana ausgerufen worden war. Beide Vereine passten den Zeitplan entsprechend an.
Vor rund 200 Zuschauern einigten sich beide Trainer auf eine Spielzeit von zweimal 60 Minuten. Vincent Wagner nutzte das Spiel, um zunächst jene Startelf aufzubieten, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auch zum Rückrundenauftakt beim 1. FC Nürnberg beginnen wird. Vor Torhüter Nicolas Kristof bildeten Felix Keidel, Lukas Pinckert, Maximilian Rohr und Lasse Günther die Viererkette, davor agierten Lukasz Poreba und Frederik Schmahl im defensiven Mittelfeld. Offensiv setzte Wagner auf Tom Zimmerschied, Bambasé Conté und Lukas Petkov hinter Neuzugang David Mokwa.
Der Beginn der Partie bestätigte diese Wahl. Bereits kurz nach Anpfiff verwertete Mokwa eine Vorlage von Zimmerschied zur frühen Führung. Zwar glich Basel durch Xherdan Shaqiri aus, doch die SVE blieb mutig, setzte den Gegner immer wieder unter Druck und kam zu klaren Abschlüssen. Bambasé Conté brachte Elversberg erneut in Führung, ehe die Schweizer noch einmal ausglichen. Ein abgefälschter Distanzschuss von Maximilian Rohr sowie ein weiterer Treffer von Mokwa sorgten für eine verdiente 4:2-Führung nach der ersten Stunde.
Nach der vollständigen Auswechselung beider Mannschaften blieb die Partie offen und torreich. Basel erhöhte phasenweise den Druck, während die SVE mehr Defensivarbeit verrichten musste, sich aber weiterhin spielbestimmend zeigte. Nach dem Anschlusstreffer der Schweizer verwertete Raif Adam eine Flanke von Nicolas Mickelson zum 5:3, Luca Schnellbacher legte wenig später nach. In der Schlussphase kam Basel noch einmal heran, doch Elversberg hielt dagegen und brachte den 6:5-Erfolg über die Zeit.
David Mokwa ordnete seinen gelungenen Einstand nüchtern ein: „Ja, das fängt ganz gut an. Ich bin in dieser Woche richtig gut von dem Team aufgenommen worden.“ Vincent Wagner zeigte sich zufrieden mit dem Auftritt, blieb aber kritisch: „Die Sonne scheint und wir haben gewonnen, das finde ich gut. Fünf Gegentore finde ich aber nicht so gut.“ Einen besonderen Moment erlebte zudem Luca Pfeiffer, der nach langer Ausfallzeit aufgrund einer Hirnhautentzündung in den Schlussminuten eingewechselt wurde.
Die Sonne scheint und wir haben gewonnen, das finde ich gut. Fünf Gegentore finde ich aber nicht so gut.
Trainer Vincent Wagner
Nach der Rückkehr aus Spanien richtete sich der Blick endgültig nach vorne. Die Erinnerung an das Hinspiel gegen Nürnberg war dabei noch präsent. Der 1:0-Heimsieg zum Saisonauftakt war von Beginn an umkämpft, bot Chancen auf beiden Seiten und wurde erst spät durch einen Kopfball von Maximilian Rohr entschieden. In der Nachspielzeit hatte die SVE zudem Glück, als ein zunächst gegebener Elfmeter nach VAR-Überprüfung zurückgenommen wurde und ein anschließender Freistoß nur an der Latte landete.
Nun wartet zum Start der Rückrunde erneut eine anspruchsvolle Aufgabe. Nürnberg hat sich nach schwachem Saisonstart stabilisiert, arbeitete sich unter Trainer Miroslav Klose vom letzten Tabellenplatz bis auf Rang acht vor und blieb zuletzt fünf Heimspiele in Folge ungeschlagen. Auch in den Testspielen präsentierte sich der FCN spielfreudig.
Für die SV Elversberg beginnt damit eine zweite Saisonhälfte, die weniger von großen Ansagen als von klarer Haltung geprägt ist. Die Vorbereitung ist abgeschlossen, die Weichen sind gestellt. Was folgt, ist kein Neuanfang, sondern die Fortsetzung einer Entwicklung – und der nächste Schritt beginnt am kommenden Wochenende.