Zwischen Euphorie und Bodenhaftung: Elversberg empfängt Fortuna Düsseldorf zum Showdown im Aufstiegsrennen

Es ist ein Szenario, das sich viele Fans der SV Elversberg zu Beginn der Saison kaum hätten ausmalen können: Nach dem 3:1-Auswärtserfolg bei Hannover 96 steht die Mannschaft von Trainer Horst Steffen sensationell auf dem dritten Tabellenplatz der 2. Bundesliga – und das fünf Spieltage vor dem Saisonende. Es ist ein Moment, der Hoffnung macht, Träume nährt und dennoch mit der nötigen Portion Realismus begleitet wird. Am Samstag wartet mit Fortuna Düsseldorf der nächste direkte Konkurrent um den Aufstieg. Ein Spiel, das sportlich kaum brisanter sein könnte – und das vor heimischer Kulisse.
„Wir sind stolz darauf, dass wir in diesem erlauchten Kreis von Traditionsmannschaften mitspielen dürfen. An der Vorbereitung auf das nächste Spiel ändert die Situation in der Tabelle aber nichts“, betont Trainer Steffen nüchtern. Und dennoch: Dass die SV Elversberg aktuell ein Wörtchen mitredet im Aufstiegskampf der 2. Liga, ist alles andere als selbstverständlich. Die SVE war als Außenseiter in ihre zweite Zweitliga-Saison gestartet – und spielt nun um die Bundesliga.
Der jüngste Auswärtssieg in Hannover war nicht nur spielerisch überzeugend, sondern fiel auch zeitlich günstig. Während Elversberg drei Punkte einfuhr, ließen sämtliche Konkurrenten im oberen Tabellendrittel Federn. Das Resultat: Platz drei – Relegationsrang, Bundesliga-Nähe, Euphorie im Saarland. „Ich würde auch gerne in die Bundesliga aufsteigen, aber wir machen uns nicht verrückt“, stellt Sportvorstand Ole Book klar.
Vor der Saison haben ganz viele Fußball-Experten gesagt, dass das zweite Jahr in der 2. Bundesliga das schwerste sein wird. Wir haben jetzt 47 Punkte und sind fünf Spieltage vor dem Saisonende auf Platz drei. Wir spielen eine grandiose Saison, völlig egal, wo wir nach dem 34. Spieltag stehen.
Dass die Tabelle im Saisonendspurt jedoch nahezu im Minutentakt neu gemischt wird, liegt auch am spannungsgeladenen Restprogramm aller Aufstiegskandidaten. Gleich sieben Teams befinden sich in einem engen Kampf um den dritten Platz – und alle treffen in den verbleibenden Spieltagen mindestens zweimal auf direkte Konkurrenten. Ein dramaturgisch kaum zu überbietendes Finale bahnt sich an. Eine Prognose? Unmöglich. Die Dynamik? Unberechenbar.
Fortuna in Not – aber kampfbereit
Und so reist am Samstag mit Fortuna Düsseldorf ein Gegner ins Saarland, der selbst unmittelbar im Aufstiegsrennen mitmischt, aktuell aber mit einer echten Verletzungsmisere zu kämpfen hat. Daniel Thioune, der Coach der Düsseldorfer, musste bereits beim jüngsten 2:1-Sieg in Paderborn auf gleich zehn Stammkräfte verzichten und sah sich gezwungen, Spieler aus der U23 in den Profikader zu integrieren. Trotz dieser Umstände kämpft die Fortuna verbissen um ihre Chance auf den Aufstieg.
Viel Kampf, viel Fleiß, viel Leidenschaft. Fußball ist im Moment im Hintergrund. So fahren wir auch nach Elversberg
sagt Thioune und unterstreicht damit die aktuelle Marschroute der Rheinländer: Zusammenhalten, nicht jammern, alles reinwerfen.
Auch wenn sich die personelle Lage leicht entspannt hat – einige angeschlagene Spieler kehrten zuletzt ins Training zurück – bleibt der Fokus auf das Kollektiv bestehen. Torhüter Florian Kastenmeier zeigt sich trotz der schwierigen Personalsituation betont ruhig. „Ich war aber auch nicht beunruhigt, als wir weniger Spieler waren. Wir wissen um die Qualität jedes Einzelnen. Auch die, die frisch aus der U23 dazugekommen sind, haben es im Training und während ihrer Einsätze in den Spielen bewiesen, dass wir uns auf alle verlassen können“, sagt der Keeper – und fügt an: „In meiner Person herrschte jetzt keine Panik.“
Panik scheint auch keine geeignete Reaktion auf das zu sein, was Elversberg in dieser Saison auf dem Rasen abliefert. Kastenmeier spricht mit Respekt über den kommenden Gegner: „Elversberg ist die spielstärkste Mannschaft in der Liga. Sie spielen befreit auf und haben individuelle Klasse.“ Auch deshalb mahnt der 27-Jährige, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren:
Wir schauen darauf, dass wir Elversberg schlagen […] Da bringt uns kein Blick, was nach dem Spieltag wäre. Wir blicken auf die Mannschaft und hauen alles raus.
Asllani in Topform – SVE-Offensive kaum zu stoppen
Ein zentraler Faktor für Elversbergs sportlichen Höhenflug ist ohne Frage Fisnik Asllani. Der junge Angreifer hat sich in dieser Saison in beeindruckender Weise in den Vordergrund gespielt: Mit 17 Treffern ist er nicht nur vereinsintern bester Torschütze, sondern reiht sich auch ligaweit in die Spitzengruppe ein. Besonders bemerkenswert ist seine Form der vergangenen Wochen: Auf einen Doppelpack beim 6:0 gegen Regensburg ließ Asllani einen Hattrick beim Auswärtssieg in Hannover folgen.
Die Abwehr der Fortuna dürfte also alle Hände voll zu tun bekommen, den 22-Jährigen in Schach zu halten. Dennoch warnen die Düsseldorfer davor, sich ausschließlich auf Asllani zu konzentrieren. „Wir decken jetzt nicht jeden Spieler individuell ab. Das Gesamtbild, was Elversberg in der Offensive macht, versuchen wir schon über die Woche hinweg abzubilden“, so Kastenmeier. Immerhin: Die Elversberger Offensive zählt mit 54 Treffern zu den gefährlichsten der Liga – nur der Hamburger SV (63) und Magdeburg (55) haben häufiger getroffen.
Für die SVE ist das Duell mit Düsseldorf also mehr als nur ein Spitzenspiel – es ist ein Gradmesser, ein Prüfstein. Gelingt ein weiterer Coup gegen einen direkten Rivalen, wäre das nicht nur ein Statement, sondern auch ein großer Schritt in Richtung Aufstieg. Doch trotz aller Euphorie bleibt der Verein seinem bodenständigen Ansatz treu: „Wir schauen nur von Spiel zu Spiel und nicht auf das große Ganze. Alles andere macht keinen Sinn“, sagt auch Düsseldorfs Trainer Thioune – eine Sichtweise, die man in Elversberg durchaus teilt.
Abschied mit Wehmut: Maurice Neubauer zieht weiter
Ein Wermutstropfen in dieser Phase der Saison ist für Elversberg der bevorstehende Abschied von Maurice Neubauer. Der 28-jährige Linksverteidiger wird den Verein nach fünf Jahren verlassen und sich zur kommenden Spielzeit Hannover 96 anschließen. Eine Entscheidung, die im Lager der SVE mit Respekt, aber auch mit einer Prise Wehmut aufgenommen wurde. Neubauer hat sich in Elversberg zu einem Leistungsträger entwickelt, stand bislang 158-mal für die Saarländer auf dem Platz und glänzte in der aktuellen Saison mit zwei Treffern und sieben Assists in 31 Partien.
„Maurice und seine Entwicklung haben wir schon seit längerer Zeit im Blick. Er ist inzwischen ein gestandener Zweitligaspieler, der in der aktuellen Saison herausragende Leistungswerte aufweist. Im läuferischen Bereich zählt er zur Top-5 der Liga. Mit seiner Anzahl an Torbeteiligungen sticht er auf seiner Position ebenfalls heraus. Wie er agiert, konnten wir am vergangenen Samstag ja verfolgen“, kommentiert Hannovers Sportchef Marcus Mann den Transfer. Für Elversberg bedeutet Neubauers Abgang einen spürbaren Verlust – sportlich wie menschlich. Doch noch hat der Verteidiger ein klares Ziel vor Augen: Mit der SVE den Aufstieg vollenden.
Der Traum lebt – aber mit klarem Blick
Was die SV Elversberg in dieser Saison erreicht hat, ist bemerkenswert – und doch wollen Trainer, Spieler und Verantwortliche den Moment nicht überhöhen. Es geht nicht um Tabellenrechner oder Szenarienrechnungen. Es geht um das nächste Spiel. Um den nächsten Gegner. Um das nächste Heimspiel – gegen einen Gegner, der ebenfalls alles investieren wird.
Am Samstag wird die URSAPHARM-Arena wieder beben, wenn die SVE auf Fortuna Düsseldorf trifft. Ein Spiel mit viel sportlicher Bedeutung, mit Emotionen, mit Tempo. Ein Spiel, das die Zuschauer fesseln und die Mannschaft fordern wird. Doch egal, wie dieses Spiel endet: Die SV Elversberg hat schon jetzt bewiesen, dass sie mehr ist als nur ein Außenseiter. Sie ist ein echter Konkurrent um den Bundesliga-Aufstieg – mit dem Herzen am richtigen Fleck und dem Blick stets auf das Wesentliche gerichtet.